Gerald Darmanin

© APA/AFP/FRANCOIS GUILLOT

Politik Ausland
07/20/2020

Die dubiose Vergangenheit des französischen Innenministers

Sexuelle Nötigung: Gerald Darmanin wurde mit Bittstellerinnen intim, aber Präsident Macron vertraut ihm – "von Mann zu Mann".

von Danny Leder

Es ist eine vertrackte Affäre mit üblem Beigeschmack, in die sich Präsident Emmanuel Macron sehenden Auges gestürzt hat. Der französische Staatschef, der Anfang Juli das Regierungsteam erneuern ließ, ernannte bei dieser Gelegenheit den vormaligen Budget-Minister Gerald Darmanin zum Innenminister. Dabei hatte knapp zuvor ein Berufungsgericht eine Erhebung gegen Darmanin wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung angeordnet.

Darauf angesprochen, hatte Präsident Macron erklärt, dass  Anzeigen gegen Darmanin mehrfach abgewiesen worden waren und die Wiederaufnahme der Erhebungen nur aus „formalen Gründen“ erfolgt sei.

Macrons Stellungnahme war eine Halbwahrheit: tatsächlich waren mehrere Klagen gegen Darmanin gescheitert. Aber die jüngste Wiederaufnahme der Erhebungen erfolgte nicht aus „formalen“ Motiven, sondern weil bisher eine Gegenüberstellung von Darmanin und der Klägerin verabsäumt worden war.   

Ehemaliges Call-Girl     

Die Klägerin hatte von Anfang an einen schweren Stand: die heute 47jährige Olga Patterson war einst als Call-Girl tätig gewesen, und sie hatte erst 2017 Anzeige erstattet, als Darmanin erstmals Minister wurde – das war acht Jahre nach den von ihr beklagten Vorfällen.

Patterson hatte sich 2009 an den damals 26jährigen Darmanin gewandt. Es ging um ihr Vorleben: auf Grund einer Anzeige ihres Ex-Lebensgefährten und mutmaßlichen Zuhälters war sie wegen „Erpressung und Drohung“ zu einer bedingten Haftstrafe verurteilt worden. Später – Olga Patterson hatte inzwischen geheiratet und verkehrte in konservativen Polit-Kreisen – kämpfte sie für ein Revisionsverfahren. So geriet sie an Darmanin, der in der konservativen Partei UMP mit Justizangelegenheiten betraut war.    

Sie wurden intim            

Heute gilt als erwiesen, dass Darmanin ihr eine Intervention beim damaligen Justizminister, einem Parteifreund, versprach, und dass die beiden intim wurden. Darmanin behauptet, es habe ein gegenseitiges Einverständnis gegeben. Patterson erklärt, der Politiker habe von ihr den Geschlechtsverkehr als Gegenleistung für seine – niemals erfolgte – Fürsprache beim Justizminister gefordert: „Er hat meine Hand genommen und gesagt: Mir muss auch geholfen werden“, schildert Patterson ihre erste Begegnung.

Dazu kommt eine weitere Anzeige einer Frau gegen Darmanin in seiner Funktion als Bürgermeister der nordfranzösischen Stadt Tourcoing. Die Frau hatte bei Darmanin um eine Wohnung angesucht und sich dafür „zu einer sexuellen Beziehung gezwungen gefühlt“. Allerdings wurde auch diese Anzeige mangels „strafrechtlicher Stichhaltigkeit“ abgewiesen.

Unschuldsvermutung

Regierungskreise pochen daher auf der „Unschuldsvermutung“ und warnen vor einer „Vorverurteilung durch Stimmungsmache“. Die konservative Ex-Justizministerin Rachida Dati sieht das anders: „Das sind Verhaltensweisen von mächtigen Männern, die man nicht mehr hinnehmen kann, ob das jetzt strafrechtliche relevant ist oder nicht. Ist es normal, dass man sexuelles Entgegenkommen verlangen kann, wenn man sich in einer Stärkeposition befindet? Darmanin ist jetzt Chef der Polizei, also Chef derjenigen, die die ihn betreffenden Erhebungen betreiben sollen. Das Signal an die missbrauchten Frauen, die sich meistens gar keine Anwälte leisten können, lautet: es hat keinen Sinn, Anzeige zu erstatten.“

"Heuchelei"

Folglich wirft die konservative Politikerin dem liberalen Präsidenten Macron vor, sein Eintreten für die Rechte der Frauen sei „Heuchelei“. Das selbe betonen die linken Feministinnen, die mit ständigen Demos Darmanin aus dem Amt jagen wollen. Macron hat dieser Welle der Empörung durch einen seiner üblichen Freud„schen Versprecher noch angefeuert: Zwischen Darmanin und ihm gebe es „Vertrauen –von Mann zu Mann“, beteuerte der Staatschef.

 

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