Coronavirus disease (COVID-19) lockdown in Berlin

© REUTERS / HANNIBAL HANSCHKE

Politik Ausland
12/16/2020

Deutschland stellt sich schon auf Verlängerung des Lockdowns ein

Bis 10. Jänner sollen Schulen und Geschäfte geschlossen bleiben. Doch Experten zweifeln, dass das reicht.

"Wie geht es Ihnen mit dem Lockdown", fragt die Süddeutsche Zeitung im Live-Chat. "Wie feiern Sie Weihnachten?", will die Frankfurter Allgemeine wissen. "So wird jetzt geimpft", versucht die Bild-Zeitung Hoffnung zu machen. Ganz Deutschland stellt sich auf die seit heute geltenden neuen Beschränkungen ein.

Die Geschäfte in Deutschland sind ab jetzt geschlossen. Der harte Lockdown hat mit dem heutigen Tag begonnen. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird das öffentliche Leben in Deutschland heruntergefahren.

Der Grund dafür sind die immer noch massiv steigenden Coronazahlen: Auch am heutigen Mittwoch wurde wieder ein trauriger Höchstwert gemesssen: Das Robert-Koch-Institut verzeichnete binnen 24 Stunden 952 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Der bisherige Höchstwert waren 598 Todesfälle am Freitag vergangener Woche.

Überlastung verhindern

Bis zum 10. Jänner werden die Geschäfte (bis auf Lebensmittelhandel, Apotheken, Drogerien und die Post) geschlossen bleiben. Auch die Schulen sind schon ab jetzt zu, ebenso wie die meisten Kindergärten. Private Treffen bleiben auf den eigenen und einen weiteren Haushalt, in jedem Fall auf maximal fünf Erwachsene beschränkt.  

Die deutsche Bundesregierung und die Länder wollen mit den harten Maßnahmen die momentan unkontrollierte Verbreitung des Virus eindämmen. Ziel ist es, die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche auf maximal 50 zu bringen, um die Kontaktnachverfolgung wieder möglich zu machen. Derzeit liegt die Zahl bei 179,8 (7-Tages-Inzidenz).

Mit dem Lockdown soll zudem verhindert werden, dass die Krankenhäuser überlastet werden, insbesondere die Intensivstationen. 4.751 Menschen in Deutschland sind derzeit in Spitalsbehandlung, davon 2.697 auf der Intensivstation.

Weihnachten im engsten Kreis

Weihnachtsfeiern werden nur im engsten Familienkreis möglich sein. Vom 24. bis 26. Dezember gilt: Erlaubt sind Treffen mit vier Personen "über den eigenen Hausstand hinaus" (plus Kinder). Für die Weihnachtstage gelten also minimale Lockerungen im Lockdown, danach wird wieder eingeschränkt. Am 5. Januar wollen Bund und Länder über die weitere Planung beraten.

Mit einer schnellen Entspannung rechnet man aber auch in Deutschland offenbar nicht. Bereits jetzt gibt es Spekulationen, dass der harte Lockdown über den 10. Jänner hinaus verlängert wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte am Dienstag in einer internen Sitzung laut Anwesenden, dass Jänner und Februar noch einmal „richtig hart“ werden. „Da dürfen wir uns keine Illusionen machen“, wurde sie von Teilnehmern zitiert.

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery erwartet, dass Lockdown im Jänner verlängert wird. Modellrechnungen zeigten, dass frühestens ab Ende Jänner bundesweit die Sieben-Tages-Inzidenz unter den Wert von 50 sinken werde, sagte er der Funke Mediengruppe.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) appellierte an die Bevölkerung. „Es geht jetzt nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung“, sagte sie dem dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Und ich hoffe, dass wir alle miteinander solidarisch und verständnisvoll sind, um die Krise zu bewältigen.“

Lichtblick Impfung

Während die Menschen sich auf die nächsten Wochen in den eigenen vier Wänden einstellen, klammert sich das ganze Land offenbar an den möglichen baldigen Start der Impfkampagne. Laut Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) könnte Deutschland bereits nächste Woche mit den Impfungen beginnen.

Dass noch vor dem 24. Dezember der Impfstoff in der EU zugelassen werden soll, bezeichnete Spahn als „sehr gutes Signal“. Danach könne man innerhalb von zwei bis vier Tagen mit dem Impfen beginnen, sagte er am Dienstagabend in den ARD-„Tagesthemen“. In Deutschland seien die Impfzentren und Impfstrukturen einsatzbereit.

Zunächst sollen „um die 400.000 Dosen ausgeliefert werden“. Pro Person werden zwei Dosen benötigt. Bis Ende des ersten Quartals erhält Deutschland elf bis 13 Millionen Impfdosen, die im Rahmen der EU bestellt wurden. Später kommen die Lieferungen hinzu, die man bilateral mit den Herstellern vereinbart habe. Dies seien allein von Biontech 20 Millionen Dosen zusätzlich.

Spahn geht davon aus, dass bis Ende des nächsten Sommers rund 60 Prozent der Bürger in Deutschland geimpft sein könnten. Laut Experten ist eine Rate von 60 bis 70 Prozent für eine wirkungsvolle Bekämpfung der Pandemie nötig.

 „Nur weil wir mit dem Impfen beginnen, sehr zeitnah jetzt nach Weihnachten, heißt das nicht, dass damit auch alle Regeln nicht mehr notwendig wären, sondern wir werden bis weit ins nächste Jahr hinein weiterhin auch diese Regeln brauchen“, sagte Jens Spahn in einem Interview mit RTL und ntv. Man könne aber zuversichtlich sein, dass es ab dem Sommer Zug um Zug eine Rückkehr in die Normalität geben könne. Der Sommer sei „eine Perspektive, mit der man umgehen kann“

Zahlen

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Das Robert-Koch-Institut verzeichnet 27.728 bestätigte neue Fälle innerhalb der vergangenen 24 Stunden. Tags zuvor wurden 14.432 Neuinfektionen gemeldet. Insgesamt liegt die Zahl der Infektionen in Deutschland damit bei 1.379.238. Es starben weitere 952 Menschen an oder mit dem Virus, insgesamt 23.427. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 179,8 von 173,7 am Vortag. Bund und Länder streben das Ziel von 50 an.

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