Politik | Ausland
12.09.2017

Ehemaliger CDU-Generalsekretär Geißler gestorben

Der deutsche Politiker und enge Weggefährte von Ex-Kanzler Kohl starb im Alter von 87 Jahren.

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist tot. Er starb im Alter von 87 Jahren, wie die Süddeutsche Zeitung am Dienstag unter Berufung auf seinen Sohn Dominik Geißler berichtete. Geißler war von 1977 bis 1989 Generalsekretär, außerdem mehrere Jahre lang deutscher Familienminister.

Vom Kritiker der Friedensbewegung zum Attac-Mitglied

Er war einst ein enger Weggefährte des am 16. Juni dieses Jahres verstorbenen Altbundeskanzlers Helmut Kohl. Er galt als Querdenker, der auch in seiner eigenen Partei aneckte.

Während seiner Zeit als Generalsekretär scheute er vor Polarisierungen nicht zurück. So teilte er in den 1980er Jahren gegen die politische Linke und die Friedensbewegung aus. Von ihm stammt der Ausspruch, dass der Pazifismus der 1930er Jahre Auschwitz erst möglich gemacht habe. Später vertrat er selbst eher linke Positionen. Seit 2007 war er Mitglied des globalisierungskritischen Netzwerks Attac. Eine seiner letzten großen Aufgaben war die Moderation im erbitterten Streit um das Bahnprojekt "Stuttgart 21".

Unter den Ministerpräsidenten Peter Altmeier und Kohl (beide CDU) war Geißler von 1967 bis 1977 Sozialminister in Rheinland-Pfalz, anschließend wurde er CDU-Generalsekretär. Als Kohl Kanzler wurde, berief dieser den promovierten Juristen 1982 zum Familienminister. Der katholische Sozialexperte arbeitete an einem neuen Image der CDU als moderne Programmpartei und führte unter anderem ein Erziehungsgeld ein.

Seine letzte ganz große Mission hatte Geißler, als er im Alter von 80 Jahren 2010 den Konflikt um das Bahnprojekt Stuttgart 21 schlichtete. Bis zuletzt äußerte er sich zu aktuellen politischen Themen. So kritisierte er etwa noch im März die rheinland-pfälzische CDU-Chefin und Bundes-Vize Julia Klöckner, weil diese Reformen an den Hartz-Gesetzen abgelehnt hatte.

Geißler kam am 3. März 1930 - genau einen Monat vor Kohl - in Oberndorf am Neckar als Sohn eines Oberregierungsrates zur Welt. Vor seiner politischen Karriere war der Vater von drei Söhnen vorübergehend Mitglied des Jesuitenordens, dann Amtsrichter.

Politiker reagieren erschüttert

Politiker von Union, SPD und Grünen haben erschüttert auf den Tod von Heiner Geißler reagiert und ihre Hochachtung für die Lebensleistung des Rheinland-Pfälzers ausgedrückt.

Kanzleramtschef Peter Altmaier schrieb am Dienstag auf Twitter, Geißler habe die CDU geprägt: „Soziale und ökologische Verantwortung, Menschlichkeit. Ich bin tief erschüttert. Sein Vermächtnis bleibt.“

Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner nannte Geißler einen großen Rheinland-Pfälzer, streitbar und klug.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) schriebt auf Twitter: „Intellektuell brillant, Politik aus Grundsätzen gestaltend und scharf in der Debatte - das war Heiner Geißler. Er war einer unserer Besten.“

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann schrieb ebenfalls auf Twitter, Deutschland verliere mit Geißler einen großen Demokraten und „streitbaren Politiker, der es keinem leicht gemacht hat. Seine Stimme wird fehlen.“

Der Grünen-Politiker Omid Nouripour schriebt: „Ein Mann der Werte und der Haltung ist von uns gegangen.“