Politik | Ausland
02.11.2017

Den Haag: Mladic will Urteil verzögern

Das Urteil über Ratko Mladic, den mutmaßlichen Drahtzieher des Völkermords in Srebrenica, sollte ursprünglich am 22. November bekanntgegeben werden.

Die Verteidigung des wegen Völkermordes angeklagten einstigen bosnisch-serbischen Militärchefs Ratko Mladic hat einen Versuch unternommen, die für den 22. November angekündigte Urteilsverkündung zu verschieben. In einem Antrag an das Haager Gericht hätten die Verteidiger einen vorläufigen Aufschub beantragt, berichten Belgrader Medien am Donnerstag.

Demzufolge soll ein serbisches Ärzteteam zuvor feststellen, ob Mladic angesichts seines Gesundheitszustandes fähig wäre, die Urteilsverkündung zu verfolgen. Zuvor hatten sich die Anwälte des Angeklagten wiederholt um eine vorläufige Freilassung zum Zweck einer ärztlichen Behandlung entweder in Russland oder in Serbien bemüht.

Völkermord in Bosnien

Der 74-jährige Mladic, der sich wegen Völkermordes in Srebrenica und anderer Kriegsverbrechen verantworten muss, war nach jahrelanger Flucht 2011 in Serbien festgenommen und an das Haager Tribunal überstellt worden. Die Anklage hatte in ihrem Schlussplädoyer im Dezember lebenslange Haft für Mladic gefordert.

Nach der Einnahme der ostbosnischen muslimischen Enklave Srebrenica durch bosnisch-serbische Truppen unter dem Kommando von Mladic im Juli 1995 wurden in der Umgebung der Kleinstadt rund 8.000 männliche Stadtbewohner brutal ermordet. Ihre Leichen wurden nach Kriegsende in etlichen Massengräbern entdeckt, noch immer wird nach Vermissten gesucht. Srebrenica gilt als das größte Kriegsverbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.

Auf Basis derselben Anklage war der frühere Präsident der Republika Srpska, Radovan Karadzic, im März 2016 zu 40 Jahren Haft verurteilt worden. Das Berufungsverfahren ist noch im Gange.