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Politik Ausland
05/07/2020

Coronavirus-Maßnahmen: Warum die Öffnung in Paris umstritten ist

Frankreich: Ab Montag werden überfüllte U-Bahnen erwartet, Streit auch um Neustart für die Schulen. Präsident Emmanuel Macron unter Kritik.

von Danny Leder

Die Pariser Verkehrsbetriebe stehen vor einer schier unlösbaren Aufgabe und haben dies Emmanuel Macron öffentlich mitgeteilt. Der französische Staatspräsident hat für den 11. Mai die Beendigung der landesweiten Ausgangssperre verordnet – mit etlichen Einschränkungen, die Premier Edouard Philippe heute präzisieren wird.

Das größte Problem ist Paris, die dichtest besiedelte Stadt Europas mit 2,15 Millionen Einwohnern auf einer kleineren Grundfläche als Graz. Im Vorortgürtel leben weitere zehn Millionen, fast die Hälfte pendelt in die Hauptstadt. Vor Corona drängten sich in der Pariser Metro zu Stoßzeiten acht Personen auf einem Meter und bis zu 1.000 Fahrgäste pro Zug. Mit dem nun gültigen Sicherheitsabstand von einem Meter zwischen den Fahrgästen dürften nur noch 32 Personen einen Waggon besteigen.

Freie Fahrt für Radler

Um die Zahl der Fahrgäste auch nur annähernd so gering zu halten, müsste Sicherheitspersonal der Öffis an hunderten Metro-, Bus-, Tram- und S-Bahn-Stationen dem Ansturm standhalten. Das würde aber nicht reichen, zahllose Polizisten müssten Beistand leisten. Und selbst in diesem Fall wären gefährliche Massendrängereien und Fahrdienstausfälle zu befürchten.

Der einzige Hoffnungsschimmer kommt daher, dass ein bedeutender Teil der Arbeitnehmer im Homeoffice verbleibt und dass viele Firmen den Arbeitsantritt zeitlich streuen, um den Stoßverkehr zu mindern.

FILE PHOTO: Lockdown imposed to slow the rate of the coronavirus disease (COVID-19) contagion in France

Hingegen ist das verstärkte Ausweichen auf Autos, das bei Öffi-Streiks üblich ist, diesmal ausgeschlossen. Die Pariser SP-Bürgermeisterin, Anne Hidalgo, die eine rot-grüne Mehrheit leitet, wird der voraussichtlichen Verkehrslawine einen Riegel vorschieben und den Umstieg aufs Rad erzwingen: „Die Rückeroberung von Paris durch die Autos kommt nicht infrage. Der verkehrsbedingte Feinstaub begünstigt das Corona-Virus.“

Insgesamt 50 km an Straßen – darunter solche, die parallel zu den wichtigsten U-Bahn-Strecken verlaufen – werden für Autos gesperrt und Radfahrern vorbehalten bleiben.

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Strände bleiben gesperrt

Wie viele andere Bürgermeister ist Hidalgo auch sonst auf Kollisionskurs mit Macron. Die Staatsführung hat Frankreichs Departements (Verwaltungsbezirke) in drei Farben aufgeteilt: rot, wo die Zahl der Erkrankungen noch hoch ist, grün für wenige Infektionen, orange für Bezirke im Zwischenstadium. Ostfrankreich und der Pariser Großraum sind rot und daher stärker eingeschränkt: Da bleiben alle städtischen Gärten gesperrt. Die Pariser Bürgermeisterin will aber Parks öffnen – allerdings mit begrenzter Besucher-Zahl. An den Küsten protestieren Bürgermeister gegen die Sperre der Strände auch in grün eingestuften Bezirken.

Streit um Schulöffnung

Noch heftiger tobt der Clinch um die Öffnung der Schulen. Da ist es umgekehrt: Macron will auch in roten Zonen Kinderkrippen und Volksschulen öffnen – mit maximal 15 Schülern pro Klasse, turnusmäßig und vorrangig für Kinder aus bildungsfernen Familien oder mit Eltern, die nicht zu Hause arbeiten können.

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Hidalgo und 300 weitere Bürgermeister wollen einen Aufschub, weil sie den Sicherheitserfordernissen derzeit nicht entsprechen könnten. Zwecks Besänftigung will der Präsident die Entscheidung jetzt den jeweiligen Bürgermeistern überlassen, aber Eltern und Lehrer klagen über eine zunehmende Konfusion.

Generell werden Geschäfte, Friseure und Einkaufszentren (unter 40.000 Quadratmeter) öffnen, aber keine Bars, Restaurants, Kinos, Theater, größere Museen, Sporthallen, See- oder Meeresbäder. Parks und Wälder sind nur in den grün eingestuften Bezirken zugänglich.

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