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Politik Ausland
05/11/2021

„Kuscheln auf eigene Gefahr“ in Großbritannien

Premier Johnson fixiert bisher weitestgehende Lockerungen der Corona-Regeln – und appelliert an den Hausverstand.

von Georg Szalai

„Ich kann versichern, es wird mit Vorsicht und Zurückhaltung geschehen“, sagte der britische Premier Boris Johnson in einer TV-Pressekonferenz mit ebendieser beschworenen Vorsicht und Zurückhaltung. Es ging nicht um seinen Kontakt mit Spendern der konservativen Tories, der ihm Vorwürfe des Filzes eingebracht hat. Nein, das Thema war intimer.

Johnson wurde zu seinen Plänen für Nähe und Zärtlichkeit mit Familie und Freunden befragt.

Der Anlass war Johnsons Bestätigung der nächsten – und bisher weitestgehenden – Lockerungen der Corona-Regeln in England ab 17. Mai, inklusive Öffnung von Theatern, Kinos und Innen-Gastronomie. Sie und das grüne Licht für Treffen von bis zu sechs Leuten oder zwei Haushalten in geschlossenen Räumen wurden positiv aufgenommen.

"Hugs"

Aber das Thema „Hugs“ (Umarmungen) stahl all dem die Show. Denn nach Monaten des Lockdowns dürfen laut neuer Regierungsempfehlung ab Montag Freunde und Familienmitglieder, die nicht zusammen wohnen, wieder Umarmungen, Küsse, Händedrücke etc. austauschen.

Nach der bisher angeratenen sozialen Distanzierung wird Engländern nun selbst überlassen, wie nahe sie Familie und Freunden kommen wollen. Statt auf „Regierungserlasse“ zu hören, sollten sie „ihre eigenen Entscheidungen treffen“, betonte Johnson.

„Nicht vorspielen“

Ganz seinem Ruf entsprechend, alle glücklich machen zu wollen, hielt er sich darüber hinaus diverse Optionen offen. Die Frage, wen er denn jetzt mit Freude umarmen werde, beantwortete er etwa nicht. Und zeigen, wie er selbst vertraute Kontakte anlegen wird, wollte er zur Enttäuschung vieler auch nicht. „Ich werde es jetzt nicht vorspielen“, sagte er.

Und „es bedeutet nicht, dass wir plötzlich alle Bedenken in den Wind schlagen können“, warnte Johnson seine Landsleute und riet, „gesunden Menschenverstand“ und „Vorsicht“ walten zu lassen.

Schlagzeilen und so manches Herz im Land schienen dem Premier allemal zuzufliegen. „Eine große Umarmung für Großbritannien“, titelte die Daily Mail. „Die Regierung will zurück zum Umarmen, weil das Familien guttut“, freute sich auch Kevin, der die Nachrichten begeistert mit seiner Familie in einer WhatsApp-Gruppe teilte.

Aber manche Kommentatoren sprachen von populistischem Theater. „Es war eine Wohlfühlgeschichte“, meinte der Guardian. Weil Distanzierung nicht gesetzlich vorgeschrieben war, habe ein von manchen empfundenes „Umarmungsverbot“ nie wirklich bestanden.

Der Telegraph hob bei intimen Themen bleibend den verwegenen Ruf des Premiers als „Playboy der Politik, Don Juan von Downing Street, konservativen Casanova“ hervor. „Sein feierlicher Ton hatte etwas leicht Surreales“, befand das Blatt. „Mit Vorsicht umarmen. Kuscheln auf eigene Gefahr. Bitte kitzeln sie verantwortungsbewusst“.

Weitere Freiheiten im Juni

Gegen Ende Mai hofft Premier Johnson, weitere Freiheiten für 21. Juni ankündigen zu können, wenn letzte Corona-Restriktionen fallen sollen. Es sei noch nichts entschieden beim Thema soziale Distanzierung in anderen Lebensbereichen, sagte er. Aber „im Moment sieht es für mich so aus, als könnten wir auf die Ein-Meter-plus-Regel verzichten“.

 

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