Brüssel: Erster Abend nach dem Lockdown, Place Flagey

© EPA/OLIVIER HOSLET

Politik Ausland
05/10/2021

Ende des Lockdowns startet in Brüssel mit illegaler Massenparty

Sturmlauf auf die in Belgien wieder offenen Gasthaus-Terassen. Tausend Feiernde drängten sich am ersten Wochenende nach dem Lockdown

von Ingrid Steiner-Gashi

Zum Schluss halfen dann am Sonntag um halb zwei Uhr in der Früh nur noch die Wasserwerfer der Polizei: An die 500 überwiegend Feierfreudige tummelten sich da noch immer auf Brüssels   zentralem Place Flagey, fast alle ohne Maske und ohne Abstand zu den Freunden.  Erst der künstliche Regenschwall trieb die Mengen vom Platz. Bis vor Ende der Ausgangssperre um 22 Uhr hatten sich noch an die Tausend Menschen dort gedrängt.
Als hätte es Corona nie gegeben, als lägen auf Belgiens Intensivstationen nicht noch immer an die 700 schwerst an Corona erkranken Patienten, ging am Samstag der Jubel los: „Endlich wieder raus“, titelten die Zeitungen des Landes – und so war es auch: Auf den seit dem Wochenende wieder eröffneten Außenbereichen der Gasthäuser, Kaffees und Bars findet seither keinen freien Platz mehr, wer nicht rechtzeitig reserviert hat.

Gute sechs Monate hatten die Gaststätten in Belgien geschlossen. Doch fast ein Viertel der Betriebe, so die ersten Schätzungen, wird erst gar nicht mehr wieder aufsperren. Geschäfte, Friseure und Berufe mit nahem Körperkontakt dürfen seit zwei Wochen wieder unter strengen Distanzregeln Kunden empfangen.

Am ersten Wochenende der neuen Freiheit hielt sich Brüssels Polizei auffallend zurück. Praktisch alle Regeln der Distanz wurden gebrochen: Auch auf den Terrassen der Restaurants darf man nur zu viert sitzen – nicht selten sah man Gruppen bis zu zwölf Leuten, Sessel an Sessel, von Distanz keine Spur.

„Aber in Zukunft werden wir härter durchgreifen“, kündigte der der Bürgermeister des Brüsseler Stadtbezirkes Ixelles, Christos  Doulkeridis, an. Verzweifelte hatte er Samstag Nacht mit einem Megaphon in der Hand versucht, die Menge auf dem überfüllten Platz Flagey zu zerstreuen.

Die Aufregung über den jugendlichen Feierexzess hielt sich bisher in Grenzen. Nach einem Jahr Pandemie sei die Geduld der Bevölkerung und vor allem der Jugend auf dem Nullpunkt, zeigten sich die Kommentatoren der Zeitung  Het Belang van Limburg verständnisvoll.

Sieben-Tages-Inzidenz bei 188

Doch die Warnungen vor einer befürchteten, nächsten Welle an Infektionen folgten sogleich: Erst rund 36 Prozent der Belgier – und vor allem die nicht ganz Jungen – haben bisher zumindest eine Impfung erhalten. Und auch wenn die Infektionszahlen zuletzt sanken, ist die 7-Tages-Inzidenz in Belgien weiter dramatisch hoch: Sie liegt bei 188 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner.

 

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