© APA/AFP/US NAVY/JULIO RIVERA

Politik Ausland
04/16/2020

Kein Flugzeugträger im Pazifik: Virus legt US-Navy lahm

Corona trifft das US-Militär stark, schon 950 Seeleute sind infiziert. Gegner der USA nutzen diese Schwäche aus, sagen Experten

von Angelika Ahrens

„Das Virus hat das geschafft, was noch keine Militärmacht der Welt bisher geschafft hat: eine gesamte Flugzeugträger-Gruppe auszuschalten.“ Für den in den USA lebenden österreichischen Militäranalysten Franz Gady ist klar: „Das Virus wird mit Sicherheit die Einsatzbereitschaft der USA schwächen und noch mehr Führungsschwächen unter der oberen Marineführung offenbaren.“

Was die Wallstreet für die Finanzindustrie ist, das stellen die Flugzeugträger für die Allmacht der USA dar. Und daher brauchen auch die Streitkräfte der Supermacht dringend einen Impfstoff. Laut dem US Marine Institut haben sich bereits 950 Seeleute der Navy mit dem Corona-Virus infiziert. 615 davon werden allein von der USS Theodore Roosevelt gemeldet. Der nuklearbetriebene Flugzeugträger steckt derzeit in Guam fest, er ist das Epizentrum des Corona-Virus-Ausbruchs innerhalb der Navy.

Besonders dramatisch, so Gady: „Die ersten Betroffenen waren Matrosen, Ingenieure aus der Reaktorabteilung.“ Mittlerweile ist das erste Besatzungsmitglied im Zusammenhang mit dem Corona-Virus und Komplikationen verstorben. Fünf weitere sind im Krankenhaus, einer davon liegt auf der Intensivstation.

Kapitän entlassen

Vor drei Wochen hatte Kapitän Brett E. Crozier, Ex-Kommandant der Theodore Roosevelt, aufgrund der zahlreichen Corona-Erkrankungen in einem Brief Alarm geschlagen: „Wir befinden uns nicht im Krieg. Es müssen keine Seeleute sterben“, wurde er zitiert. Weil das Schreiben an die Öffentlichkeit gelangt war feuerte Marine-Staatssekretär Thomas Modly den Kapitän der „USS T. Roosevelt“.

„Ein Zeichen für die weitere Politisierung des Militärs unter Präsident Trump“, so Gady. Später sorgte Modly mit einer Ansprache an die Besatzung des Flugzeugträgers für Empörung und musste zurücktreten.

Nur im Atlantik kreuzt ein Schiff

Von der 4800-Mann-starken Crew der „USS T. Roosevelt“ sind 85 Prozent evakuiert worden und in Isolation auf der Pazifikinsel Guam. So ein Manöver hat es noch nie zuvor gegeben. Das Schiff ist voller Waffen, milliardenteurem Equipment und hat einen Nuklearreaktor.

Ein anderer Flugzeugträger, die „USS Ronald Reagan“ wird gerade generalüberholt. Ein weiterer, die „USS Nimitz“ steht unter einer 14-tägigen Quarantäne.

Fazit: Im Moment gibt es keinen einsatzbereiten Flugzeugträger im Pazifik. Nur im Atlantik kreuzt noch die „USS Harry Truman“. Sie ist der einzige einsatzfähige Flugzeugträger im Atlantik. Damit das auch so bleibt, darf sie derzeit nicht andocken. Und das, obwohl die Besatzung bereits seit September auf See und der letzte größere Service-Termin ausgesetzt worden ist. Es gilt Ansteckungen zu vermeiden. Die Navy-Crews kämpfen damit, gesund und einsatzbereit zu bleiben.

„Social Distancing“ ist auf einem Flugzeugträger kaum möglich. Drei Matrosen teilen sich jeweils eine Koje und wechseln sich schichtweise mit dem Schlafen ab. Das heißt, das Bett ist noch warm, wenn sich der nächste schlafen legt.

Nordkorea provoziert

Die USA setzen grundsätzlich auf eine Politik der konventionellen und nuklearen Abschreckung. Sie haben normalerweise zwei Flugzeugträger mit je ca. 70 Flugzeugen an Bord im Pazifik, um den chinesischen Einfluss einzudämmen und ein Auge auf Nordkorea zu haben.

Gady: „Das US Strategic Command hat mehrmals darauf hingewiesen, dass die strategische Abschreckung, das heißt, die nukleare Triade bestehend aus Interkontinentalraketen, strategischen U-Booten und Langstreckenbombern intakt ist. Für die Silos mit landgestützten Interkontinentalraketen stehen Reservecrews zur Verfügung. Besatzungen von ballistischen U-Booten gehen vor jeder Patrouille in Quarantäne, damit die Gefahr, dass ein Virus auf ein Boot gelangt, reduziert wird. Zu einem Atomkrieg wird es nicht kommen, eine einzelne funktionierende Atomwaffe reicht, um die nukleare Abschreckung laut Theorie aufrechtzuhalten.“

Aber: „Gegner der USA nutzen die Schwäche aus. Nordkorea hat zum ersten Mal seit Jahren Marschflugkörper getestet. Eine klare Provokation,“ so der Militäranalyst.

Bei der Navy geht es nicht nur um die „Operational Readiness“, also das mögliche sofortige Eingreifen im Kriegsfall und um die Welt zu patrouillieren. Am selben Tag, als der Tod eines Besatzungsmitglieds der „USS T. Roosevelt“ gemeldet worden ist, kam auch die Meldung, dass mehrere Crew-Mitglieder des Krankenhausschiffes „USS Mercy“ vor Los Angeles aufgrund von Corona isoliert worden sind. Zu einer Zeit, in der die Krankenhausschiffe der Navy eigentlich die Krankenhäuser in L.A. und New York von der Pandemie entlasten sollten.

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