Spitalspersonal an der Belastungsgrenze

© APA/AFP/ANTHONY DEVLIN

Politik Ausland
11/01/2021

Corona ohne Ende: In England stauen sich die Krankenwagen vor Notaufnahmen

Den Briten ist das Feiern 100 Tage nach dem „Freedom Day“ vergangen. In den Notaufnahmen stauen sich Covid-Patienten.

von Susanne Bobek

Wegen stundenlanger Wartezeiten vor Notaufnahmen sind in England zuletzt mindestens zwei Patienten gestorben. Interne Dokumente, aus denen die Nachrichtenagentur PA zitierte, zeichnen ein katastrophales Bild der Situation. In einem Brief fordert die Spitze des Gesundheitsdiensts NHS, die Schlangen von Rettungswagen vor Notaufnahmen zu beenden und Ambulanzen nicht mehr als zusätzliche Warteräume zu benutzen.

Das Risiko für die Patienten sei enorm, betonten der medizinische Direktor des NHS, Stephen Powis, und die Chefin des NHS-Notdiensts, Pauline Philip, in dem Schreiben, aus dem PA zitierte.

Übergabe sollte nur 15 Minuten dauern

Eigentlich soll die Übergabe vom Rettungswagen an die Notaufnahme nicht mehr als 15 Minuten dauern. Grund für die enorme Belastung sei die Corona-Pandemie, sagte Martin Flaherty vom Verband der Rettungsdienstleister. Notfalleinrichtungen und Ambulanzen stünden unter enormem Druck, auch wegen Abstandsregeln sowie Mitarbeitern, die sich nach Kontakt mit Infizierten isolieren mussten.

Großbritannien hat inzwischen eine der höchsten Infektionsraten weltweit, dabei hatte  Premier Boris Johnson am 19. Juli den „Freedom Day“ ausgerufen.

 

Ende Oktober liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei etwa 450. 

Impfkampagne stockt

Die als Impfwunder gefeierte Kampagne - die zu Beginn viel schneller anlief als in vielen EU-Ländern - gerät bei den Auffrischungsimpfungen für Ältere und den Jugendlichen ins Stocken. Zuletzt kletterte die Zahl der registrierten Neuinfektionen auf beinahe 50.000. Die Zahl der täglichen Krankenhauseinweisungen liegt bei mehr als 1000.

Experten und Mediziner warnen davor, dass der Rückstau an aufgeschobenen Krankenhausbehandlungen wie zum Beispiel Hüftoperationen, immer länger werde.

„Wir sind am Limit, und es ist Mitte Oktober. Es würde unglaublich viel Glück brauchen, damit wir uns in drei Monaten nicht in einer schweren Krise wiederfinden“, sagte der Geschäftsführer des Verbands der Trägerorganisationen des Nationalen Gesundheitsdiensts NHS, Matthew Taylor, dem „Guardian“. Der Ärzteverband BMA (British Medical Association) bezichtigte die Regierung, sogar „bewusst fahrlässig“ zu handeln.

Maskenpflicht wieder einführen

Taylor fordert, dass die Regierung endlich wieder die Maskenpflicht einführt und die Pflicht zum Vorzeigen von Impfpässen bei Großveranstaltungen. Die Regierung habe versprochen diesen Plan B zu ergreifen, wenn das Gesundheitssystem Gefahr läuft, überfordert zu sein. „Als Ärzte, die in der ersten Reihe stehen,  müssen wir sagen, dass dieser Punkt jetzt erreicht ist“, heißt es in dem Brief an die Regierung.   

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