Shanghai: Eine Frau mit Schutzmaske vor einem Porträt von Präsident Xi Jinping

© REUTERS/Aly Song

Politik Ausland
04/15/2020

Chinas Führung vertuschte Epidemie sechs Tage lang

Chinas Führung wusste Mitte Jänner, dass eine Epidemie ausgebrochen war, zog es aber vor zu schweigen.

von Konrad Kramar

Es war der 14. Jänner 2020 Seit Tagen trafen aus der Provinz Hubei mit ihrer Hauptstadt Wuhan, aber auch aus anderen Teilen des Landes beunruhigende Berichte ein. Hunderte Patienten lagen bereits in Spitälern, alle mit den gleichen, eindeutigen Symptomen - jenen der Infektion mit Covid-19. Es sollte von da sechs Tage dauern, bis Präsident Xi Jinping seine Landsleute öffentlich vor der neuen Epidemie warnte.

Neue Dokumente die eine Recherche der Nachrichtenagentur AP nun hervorgebracht hat, beweisen  diese Vertuschung, die vermutlich für Zehntausende zusätzliche Infektionen veranwortlich ist.

Festbankett für Zehntausende

Die Führung in Peking ließ in diesen Tagen nämlich nicht nur ein riesiges Festbankett für Zehntausende Menschen in Wuhan, dem späteren Epizentrum der Seuche zu, sie stoppte auch nicht die Massen, die sich in China in diesen entscheidenden Tagen in Bewegung setzten. Die Saison der Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahr hatte begonnen, bevorzugte Reisezeit der Chinesen, die zu ihren Familien heimkehren. 

Kranke nicht erfasst

Die Verzögerung von fast einer Woche ist nicht der erste schwere Fehler, den die Regierung in Peking im Umgang mit der Corona-Epidemie machte, doch es ist vermutlich der bisher schwerwiegendste, der bekannt wird. Schon ab Anfang Jänner klappte die Kommunikation zwischen den lokalen Gesundheitsbehörden und der Zentrale in Peking in Sachen Corona nicht mehr. In Peking registrierte man einfach die Hunderten Kranken nicht, die es in den betroffenen Provinzen bereits gab. Ob das am Versagen der lokalen Behörden lag, oder an der Zentrale, konnte auch die aktuelle Recherche nicht feststellen.

Maulkorb für Ärzte

Jene aber, die versuchten, in diesen entscheidenden Jännertagen lauthals zu warnen, wurden von der Regierung konsequent mundtot gemacht. Eine Gruppe von acht Ärzten aus der Region um Wuhan hatte über die sozialen Medien erste erschreckende Berichte über die rasche Ausbreitung der Seuche veröffentlicht. Sie wurden streng ermahnt, zu schweigen und ihre Berichte wurden gelöscht. Einer dieser Ärzte starb schließlich an Corona, die Regierung hat sich inzwischen bei ihm und seiner Familie entschuldigt und die Ermahnungen offiziell zurückgenommen. US-Mediziner mit engen Beziehungen zu ihren Kollegen in China aber sprechen von einer Angstkampagne der Regierung: "Die Ärzte in Wuhan haben Angst, Es handelt sich um Drohungen gegen einen ganzen Berufsstand."

Regierung: "Vorwürfe unbegründet"

Egal, wie viele Vorwürfe wegen Vertuschung noch aufkommen, die chinesische Führung will davon nichts wissen. "Anschuldigungen wegen Vertuschungen, oder wegen eines Mangels an Transparenz in China sind unbegründet." Das Vorgehen in Peking beurteilen US-Mediziner jedenfalls als katastrophal - und noch katastrophaler die Konsequenzen: "Wenn man sechs Tage vorher Maßnahmen ergriffen hätte, hätte es viel weniger Patienten gegeben und die medizinischen Einrichtungen hätten genug Platz gehabt. Man hätte den Kollaps des Gesundheitssystems in Wuhan vermeiden können."

 

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