Personenkult: Xi Jingping neben Mao als Büste

© EPA/ROMAN PILIPEY

Mondfest
09/24/2021

China dreht Rohstoff-Produktionsstätten den Strom ab

Bis zum 1. Oktober, steht das Reich der Mitte gewöhnlich still. Doch noch nie wurden in zehn Provinzen so viele Fabriken herunter gefahren.

von Susanne Bobek

Am Dienstag wurde das Mondfest gefeiert, das zweitwichtigste Fest nach dem chinesischen Neujahr. Zwei Wochen lang macht China jetzt Urlaub, in den meisten Betrieben gibt es nur Notbesetzungen. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist dann die große Militärparade zum Nationalfeiertag am 1. Oktober auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking.

Soweit, so traditionell. Doch dieses Jahr ist alles anders. Noch nie wurden während der Herbstferien Metallindustriebetriebe auf Null gefahren, weil ihnen ganz einfach der Strom gekappt wurde.

Oft nur für eineinhalb Stunden, aber dass reichte, dass die Hochöfen, die 800 Grad heiß sein müssen, abkühlten. Nachgeschoben wurde die Drohung, wenn ihr weitermacht, dann drehen wir eben komplett ab – für lange Zeit, berichtet ein westlicher Geschäftsmann von einem Telefonat mit einem chinesischen Firmenbesitzer, das ihn in absolute Alarmstimmung versetzte.

Weniger Export

Staatschef Xi Jinping hat verfügt, dass das rohstoffreiche Land nur noch 40 Prozent seiner Metalle für den Export bereitstellen darf. Offiziell geht es um die Klimaziele.

Bisher galt die chinesische Rohstoffindustrie, die meist halb verstaatlicht ist, als total verlässlich, sagt die Sinologin der Uni-Wien Susanne Weigelin-Schwiedrzik. Was da gerade passiere, sei neu.

Da die westliche Welt und vor allem Europa de facto gar nichts ohne den weltgrößten Rohstofflieferanten China produzieren kann, macht sich die Angst breit, dass die Preise radikal weiter steigen werden, wenn überhaupt noch Ware angeliefert wird. Seit der Coronakrise sind die Rohstoffpreise um 100 Prozent gestiegen. Für eine Containerfracht von 25 Tonnen für Verschiffungen nach Europa wurden vor der Krise 1.000 Dollar bezahlt. Mittlerweile sind es 10.000 Dollar.

Nach der Chipskrise droht nun die Metallkrise. Und alle fragen sich, was der große Machthaber Xi Jinping damit bezwecken will.

China schottet sich zunehmend ab und will seine wirtschaftliche Abhängigkeit vom Ausland reduzieren und autark werden. Der Präsident der EU-Handelskammer in Peking, Jörg Wuttke spricht von „besorgniserregenden Anzeichen“. Er fürchtet, dass „ausländische Unternehmen vom Markt ausgeschlossen“ werden sollen. Die andauernde Reglementierung und Gängelung des Privatsektors sei schon auffallend.

Xi Yinping lässt nicht nur Alibaba-Gründer Jack Ma spüren, wer der Herr der Lage ist, sondern auch die welthandelsorientierten Rohstoffproduzenten.

Jagd auf Millionäre

Viele von ihnen sind sehr reich geworden und damit der Kommunistischen Partei ein Dorn im Auge. Ihre Kinder haben wie Xi Yinpings 29-jährige Tochter in Harvard studiert, sie sind weltgewandt.

Doch der Staats- und Parteichef legt sie jetzt alle an die Leine: mächtige Tech-Konzerne, Online-Handel und Finanzdienste, die Gamingbranche, Fahrdienste, Immobiliensektor sowie die Unterhaltungs- und Bildungsindustrie. Zum Mondfest nun auch die umweltschädliche Schwerindustrie.

Chinaexperten warnen bereits vor einer „neuen Kulturrevolution“ und vor Planwirtschaft statt Privatwirtschaft. Xi Jinping, dessen „Gedanken“ nun in der Schule gelernt werden müssen, verachtet die Gier nach Geld, obwohl er laut Bloomberg mehrere hundert Millionen Dollar schwer sein und größere Summen Offshore geparkt haben soll. Doch der Personenkult um Machthaber Xi treibt immer neue Blüten, jetzt auch in Form von Keramikbüsten, die man sich aufs Kaminsims stellen könnte.

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