Politik | Ausland
24.05.2017

Vatikan: Neue US-Botschafterin mit Makel

Callista Gingrich wird neue US-Botschafterin beim Papst und bringt einen Makel mit: ihren Mann Newt.

Ihre Frisur sitzt wie ein Helm. Ihr Zahnpasta-Lächeln wirkt wie eingemauert. Aber hinter der auf Hochglanz toupierten Fassade, so sagen Leute, die die Politiker-Gattin, Kinderbuch-Autorin und Katholikin Callista Gingrich näher zu kennen glauben, wohnt ein Mensch "mit viel Herz und Verstand". Dass US-Präsident Trump die 51-Jährige kurz vor seiner morgigen Audienz bei Papst Franziskus gerade deshalb zur neuen Botschafterin der Vereinigten Staaten von Amerika im Vatikan nominiert hat, glaubt in Washingtons zwar niemand; aber schaden kann es der umstrittenen Personalie auch nicht.

Callista Gingrich, geborene Bisek, kommt mit einem Makel zum Heiligen Stuhl, der nicht jedem behagt. Das liegt vor allem an ihrem Mann Newt, Ex-Sprecher des Repräsentantenhauses, Ex-Präsidentschaftskandidat und Ex-Strippenzieher in der Republikanischen Partei.

Seit 2000 ist er mit der über 20 Jahre jüngeren Frau verheiratet, für die er vom Baptistentum zum Katholizismus konvertierte. Unter welchen Umständen die Ehe zustande kam, haben die Amerikaner aber nicht vergessen.

Gingrich begann das Verhältnis zu ihr Mitte der 90er- Jahre. Ausgerechnet zu der Zeit, als die Affäre Bill Clintons publik wurden und die Republikaner – Gingrich vorneweg – ein Amtsenthebungsverfahren einleiteten. Der Makel: Gingrich, der bis heute mit Inbrunst über Werte, Tugend und Traditionen spricht, war damals auch noch verheiratet. Eine Doppelmoral, die ihm lange nachhing. Als er 2012 im Rennen um das Weiße Haus antrat, holte sein Konkurrent Rick Perry die Erinnerungskeule heraus: "Newt Gingrich hat seine Frau betrogen, wie können wir sicher sein, dass er nicht auch das amerikanische Volk betrügt?"

In ihrer neuen Funktion, die mutmaßlich mit der engen Vernetzung ihres Gatten Trump zu tun hat, muss Frau Gingrich eine nicht ganz einfache Aufgabe bewältigen. Der Papst und der Präsident haben einander zuletzt nicht mit Nettigkeiten bedacht. Franziskus nannte Trumps Einwanderungspolitik unchristlich. Trump schimpfte den Papst im Wahlkampf dafür "würdelos". Morgen soll die Vergebung angebahnt werden.