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Politik Ausland
05/08/2019

Bundesheer verstärkt Truppen in Mali

Ab Juni hat ein Österreicher das Kommando über die EU-Trainingsmission in Mali.

von Armin Arbeiter

Afrika ist ein Kontinent, auf dem wir auf mehreren Ebenen für Stabilität sorgen müssen“, sagte Verteidigungsminister Mario Kunasek (FPÖ), als er am Mittwoch die ersten Soldaten des neuen Kontingents nach Mali verabschiedete. 47 Österreicher werden ab 4. Juni im Zuge der „EU Trainingsmission Mali“ (EUTM) unter anderem die malischen Streitkräfte im infanteristischen Kampf ausbilden. Mit Brigadier Christian Habersatter stellt Österreich erstmals den Kommandanten der Mission, an der 26 Länder – darunter Deutschland und Frankreich – teilnehmen. Insgesamt 650 Soldaten versehen dort ihren Dienst, Österreich stellt seit Beginn der Mission im Jahr 2013 Truppen.

Viele Probleme

Für den Großteil der malischen Streitkräfte beginnt die Ausbildung bei null – beim Aufstand von Tuareg-Rebellen und islamistischen Terrorgruppen im Jahr 2012 wurde die Armee de facto aufgerieben. Nach wie vor hat die Regierung keine effektive Kontrolle über den Staat.

Ein weiterer Knackpunkt sind Drogen- und Menschenschmuggel – Mali gilt als Drehscheibe der Migration aus Westafrika. Nomadenstämme nutzen seit Jahrhunderten Schmugglerrouten zum Mittelmeer, um Elfenbein, Gold, Drogen und seit geraumer Zeit Migranten zu schmuggeln. Routen, die lange existiert haben, bevor die Staaten – und damit die Grenzen – entstanden.

Die Anzahl der Migranten aus Mali nach Europa hat sich 2018 vervierzehnfacht, 8700 Malier suchten in der EU um Asyl an. Im gesamten Subsahara-Raum sind derzeit laut UNHCR 18 Millionen Menschen auf der Flucht, islamistische Gruppierungen haben sich in den unübersichtlichen Landstrichen festgesetzt.

Mali gilt als „Schlüsselstaat“ für die Region: Es liegt im Herzen der Sahelzone, Konflikte können leicht in andere Länder überschwappen. Die EU hat daher großes Interesse an einem stabilen Staat. Nur durch massive militärische Hilfe konnte eine größere Katastrophe verhindert werden, dennoch sieht die Lage in Mali düster aus: Vor allem im Norden herrschen Chaos und Anarchie. Dort versucht die UNO-Mission MINUSMA mit rund 15.000 Soldaten – darunter drei Österreicher – für Stabilität zu sorgen. Gleichzeitig wächst die Wüste unaufhaltsam, treibt Nomaden immer weiter in den Süden, wo sie in Konflikte mit den dortigen Bauern geraten. Bereits jetzt sind nur sechs Prozent des 1,3 Millionen Quadratkilometer großen Landes bewirtschaftbar. Es kommt häufig zu Terroranschlägen – 20 in einer Woche sind keine Seltenheit. Diese richten sich vor allem gegen Einheimische, aber auch gegen Missionen.

Das EUTM-Mandat sieht nicht vor, in die Kampfhandlungen im kriegsgebeutelten Land einzugreifen, trotzdem ist Eigensicherung ein wichtiges Gebot: Fast die Hälfte der Soldaten hat den Auftrag, die Mission zu schützen – wie etwa bei einem Anschlag auf das Camp im vergangenen Februar, als Terroristen den Zugang mit einer Autobombe freisprengen wollten. Dank der Sicherheitsmaßnahmen konnten die Angreifer abgewehrt werden: „Jedes Fahrzeug, das ins Camp will, wird scharf kontrolliert, die Soldaten sind durch Splitterschutzwälle gesichert. Außerdem bewachen neben malischen Soldaten auch EUTM-Kräfte den Eingang“, sagte Oberst Rudolf Weissenbacher, stellvertretender Kommandant des Jagdkommandos, damals zum KURIER.