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Chronik Welt
02/28/2019

Auf Einsatz gegen den Terror in Afrika

Österreichs Elitesoldaten bilden Truppen in Westafrika aus und geraten dort ins Visier von Islamisten

von Armin Arbeiter

Hätten Terroristen derzeit die Absicht, einen Anschlag in der burkinischen Ortschaft Po zu verüben, hätten sie großes Pech. Denn seit 11. Februar trainieren dort Elitekämpfer aus mehr als 30 Nationen, darunter auch 30 Soldaten des Jagdkommandos im Zuge der Übung „Flintlock 2019“.

„Seit vier Jahren nehmen wir an dieser Übung teil, die jedes Jahr in einem Land nahe der Sahelzone stattfindet“, sagt Oberst Rudolf Weissenbacher, stellvertretender Kommandant des Jagdkommandos, zum KURIER. Das Hauptziel ist es, Soldaten aus der Region auszubilden, sie dadurch fit im Kampf gegen Terrorgruppen wie „Boko Haram“ oder „El Kaida im Maghreb“ zu machen. Das Jagdkommando hat die Aufgabe, die Soldaten im Bereich der „Militärischen Unterstützung“ auszubilden – etwa wie sie am besten Erste Hilfe leisten.

„Mehr als die Hälfte sind Milizsoldaten, die beim Jagdkommando beordert sind – und die leisten hervorragende Arbeit“, sagt Weissenbacher. Unter den Ärzten sind namhafte Chirurgen, die die Burkinaben auf den neuesten Stand der Sanitätsausbildung bringen. „Von einer Überknöchelung bis zur Schussverletzung üben wir die erweiterte Selbst- und Kameradenhilfe“, fährt Weissenbacher fort.

Heikle Lage im Norden

Auch Scharfschießen und Verhandlungstaktik stehen am Programm – laut Übungsbeobachtern haben sich vor allem die vom Jagdkommando ausgebildeten Soldaten ausgezeichnet. Weissenbacher: „Das freut uns natürlich sehr. Vor allem aber führt diese Übung zu mehr Stabilität und Sicherheit im Land.“ Die „Flintlock“ findet im Süden Burkina Fasos statt, der relativ friedlich und stabil ist, im Norden sieht die Situation anders aus: „Im Grenzgebiet zu Niger und Mali kommt es immer wieder zu Aktionen terroristischer Kräfte, wie etwa der Boko Haram“, sagt Weissenbacher.

Vor allem in Mali haben in den vergangenen Tagen Terrorgruppen Soldaten der EU-Trainingsmission (EUTM) attackiert – am Wochenende gar das Camp, in dem sich auch österreichische Soldaten befinden und seit 2013 dort die malischen Streitkräfte ausbilden. Wie bereits berichtet, sind die Österreicher wohlauf, laut Weissenbacher haben sich die Sicherungsmaßnahmen im Camp gut bewährt: „Jedes Fahrzeug, das ins Camp will, wird scharf kontrolliert, die Soldaten sind durch Splitterschutzwälle gesichert. Außerdem bewachen neben malischen Soldaten auch EUTM-Kräfte den Eingang.“

In Mali tobt seit 2012 ein Konflikt mit verschiedensten Terrorgruppen, der sich seit 2016 mehr und mehr nach Zentralmali verlagert. Nomadenstämme verdienen sich im Schleppergeschäft eine goldene Nase, indem sie Migranten bis zum Mittelmeer schmuggeln.

Vor allem Frankreich versucht als ehemalige Kolonialmacht, für Stabilität zu sorgen – etwa mit der Unterstützung einer 5000 Mann starken Eingreiftruppe aus fünf Sahelstaaten. Neben der EUTM ist unter anderem die UN-Mission MINUSMA mit mehr als 13.000 Soldaten im Einsatz.

„Wichtige Aufgabe“

Das Kontingent in Mali soll im Juni weiter aufgestockt werden, für Verteidigungsminister Mario Kunasek ein wichtiger Schritt: „Viele Probleme, die in Afrika entstehen, werden in europäische Länder getragen. Österreichische Landesverteidigung beginnt daher schon mit Einsätzen im Ausland. Bei dieser multinationalen Übungsserie (Flintlock, Anm.) in Afrika erfüllen unsere Soldaten durch diese Ausbildungsunterstützung eine wichtige Aufgabe, sagt er zum KURIER.

Durch das österreichische Engagement würden unter anderem Fluchtursachen in der Region bekämpft: „Wichtig ist, dass wir uns im Sinne der Außen- und Sicherheitspolitik für mehr Stabilität in Afrika engagieren und dazu beitragen, Probleme schon direkt vor Ort zu lösen. Illegale Migration kann beispielsweise nur verhindert werden, wenn wir in den Herkunftsländern für stabile und sichere Verhältnisse sorgen“, sagt Kunasek.

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