Politik | Ausland
05.01.2018

Buch-Autor: Jeder hält Trump für kindlich

Michael Wolff verteidigt sein Enthüllungsbuch "Fire and Fury" gegenüber Kritikern. Mitarbeiter hätten ihm bestätigt, dass der US-Präsident "wie ein Kind" agiere.

Der Autor des Enthüllungsbuches "Fire and Fury" über das Weiße Haus unter Donald Trump, Michael Wolff, hat sein Werk entschieden verteidigt. In einem Interview mit dem Sender NBC beharrte er am Freitag darauf, dass jeder in der Umgebung des US-Präsidenten, mit dem er gesprochen habe, Trump für unfähig halte, sein Staatsamt auszuüben. Sie hielten ihn für einen "Schwachkopf, einen Idioten".

Und alle sagten, "er ist wie ein Kind", so der Journalist. "Er braucht immer sofort Bestätigung. Es muss sich alles um ihn drehen."

Bannon: "Er hat den Verstand verloren"

Zu den geistigen Kapazitäten des Präsidenten sagte Wolff, ihm sei von allen Seiten geschildert worden, dass sich Trump ständig wiederhole, "alle zehn Minuten". Den früheren Trump-Chefstrategen Steve Bannon, auf den er sich in seinem Buch unter anderen stützt, zitierte der Autor in diesem Zusammenhang mit den Worten: "Er (Trump) hat den Verstand verloren."

Wolff blieb auch bei seiner Darstellung, dass er im Zuge seiner Recherchen persönlich mit dem Präsidenten gesprochen habe, was dieser bestreitet. Trump, so Wolff, sei ein Mann, "der weniger Glaubwürdigkeit besitzt als vielleicht jeder, der jemals auf Erden gewandelt ist", sagte der Journalist.

"Fire und Fury" (Feuer und Zorn) kommt an diesem Freitag in die Buchläden, vier Tage früher als ursprünglich geplant. Der Verlag Holt & Co begründet das mit der "beispiellosen Nachfrage". Erste Auszüge aus dem Buch hatten Washington in den vergangenen Tagen in helle Aufregung versetzt.

Michael Wolff - Quälgeist der Mächtigen

Für das Buch "Fire and Fury: Inside the Trump White House" (Feuer und Wut: In Trumps Weißem Haus) hat der 64-Jährige nach eigenen Angaben 18 Monate im Trump-Universum verbracht, vom Wahlkampf bis ins Weiße Haus, und insgesamt 200 Personen in Trumps Umfeld interviewt - darunter auch den Präsidenten selber.

Der US-Präsident nannte das Buch "falsch", die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, tat es als "komplette Fantasterei" ab. Trumps Anwälte versuchten, die Veröffentlichung des "verleumderischen" Wälzers zu verhindern - vergeblich.

Erfahrener Provokateur

All das war Musik in den Ohren des erfahrenen Provokateurs Wolff, dessen Buch bald an die Spitze von Amazons Verkaufsliste stürmte. "Könnte (offensichtlich) nicht glücklicher über die Berichterstattung zu FIRE AND FURY sein", twitterte er am Donnerstag.

Wolff genießt seinen Ruf als unverblümt auftretender Quälgeist der Mächtigen, den er sich über die Jahre aufgebaut hat. Im US-Bundesstaat New Jersey geboren und an der New Yorker Columbia University ausgebildet, machte er sich einen Namen als Medienkolumnist im " New York Magazine".

Seitdem hat er für zahlreiche andere Magazine wie Vanity Fair, Newsweek und den Hollywood Reporter geschrieben. Zweimal gewann er den National Magazine Award in der Kategorie Kommentar.

Buch über Medien-Mogul Murdoch

Mit seinem kahlen Kopf und der schwarzen Hornbrille ist Wolff eine bekannte Gestalt in New Yorks glanzvollem Gesellschaftsleben. Vor dem Buch über Trump war Wolff am ehesten für seine Biografie "Der Medienmogul" über das Leben von Rupert Murdoch bekannt. Wie in "Fire and Fury" behauptet Wolff, mit dem Buch einen Blick hinter die Kulissen von Murdochs Organisation zu bieten.

Für sein neues Buch habe er einen exklusiven Zugang zum Weißen Haus bekommen und "so etwas wie einen semipermanenten Platz auf einem Sofa im West Wing", versichert Wolff.

Kritiker an Wolffs Berichterstattung kommen indes nicht nur aus dem Weißen Haus. Er tendiere dazu, Auseinandersetzungen zu schüren und die Fakten soweit zu interpretieren wie es eben geht, und manchmal weiter als sie es zulassen, schreibt die "Washington Post".

So behauptet Wolff in seinem Buch, Trump habe nicht gewusst, wer John Boehner sei, als ihm der ehemaliger Sprecher des Repräsentantenhauses als Stabschef vorgeschlagen wurde. Allerdings spielte Trump Golf mit Boehner und twitterte auch über ihn.

Belege

Doch laut Journalist Mike Allen von der Nachrichtenseite Axios.com hat Wolff Aufzeichnungen, um die Zitate in seinem Buch zu belegen. Und zwar "dutzende Stunden davon".

Wolff selber bekräftigte am Freitag im US-Fernsehsender NBC die Legitimität seines Buches. Alle in Trumps Umfeld hätten an dessen Regierungsfähigkeit gezweifelt. "Jeder beschrieb ihn auf die gleiche Weise. Sie sagten, er sei wie ein Kind", sagte Wolff in der "Today Show".

Auf Trumps Einwand, er habe nie mit ihm gesprochen, antwortete der Journalist: "Natürlich habe ich mit dem Präsidenten gesprochen. Ob er wusste, dass es ein Interview ist oder nicht, weiß ich nicht." Es sei aber keine Verschwiegenheit über das Gesagte vereinbart worden.

Die britische Journalistin Bella Mackie nannte Wolffs Buch auf Twitter "sehr unterhaltsam" und fügte hinzu, "wenn man MW kennt, wird man Freude daran haben, aber es vielleicht nicht zum Glaubensgrundsatz erheben".

(Von Chris Lefkow/AFP)