Der ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaates Florida und möglicher Präsidentschaftskandidat Jeb Bush erklärt, er wäre nicht in den Irak einmarschiert.

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USA
05/15/2015

Jeb Bush: "Situationselastisch" zu Irak-Einmarsch

Jeb Bush, Bruder von Georg W. Bush, stellt nach langem Hin und Her klar: "Wir haben Fehler gemacht."

von J√ľrgen Klatzer

Der von Gerald Klug, Verteidigungsminister, gepr√§gte Begriff "situationselastisch" wurde 2014 zum √Ėsterreichischen Wort des Jahres gew√§hlt. Die Jury w√ľrdigte nicht nur die Mehrdeutigkeit des Begriffs, sondern auch die "pr√§gnante Unverbindlichkeit".

Das Ph√§nomen Situationselastizit√§t ist in politischen Debatten seit l√§ngerer Zeit en vogue. Das erkennt man nun auch anhand eines US-amerikanischen Politikers, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auch f√ľr das US-amerikanische Pr√§sidentenamt kandidieren wird. Jeb Bush, Bruder des ehemaligen US-Pr√§sidenten George W. Bush, √§u√üerte sich in den vergangenen Tagen sehr h√§ufig zur US-Invasion im Irak 2003. Das aber, genau, "situationselastisch" und √§u√üerst komplex.

‚ÄěMit dem Wissen, das wir heute haben, ja, ich w√§re nicht in den Irak einmarschiert‚Äú

Bush: "Lessons learned"

In einem Interview mit dem US-Sender Fox News, das vergangenen Montag ausgestrahlt wurde, verteidigte der Republikaner die milit√§rische Intervention im Irak. Damals h√§tte Bush als Gouverneur vom Bundesstaat Florida, wie auch die demokratische Pr√§sidentschaftskandidatin Hillary Clinton, den Einmarsch autorisiert. Sein Bruder hatte keine andere Wahl, so die Begr√ľndung.

Einen Tag nach dem Fox News-Interview stellte Bush in der Sean Hannity‚Äôs Radio Show klar, dass die USA Fehler gemacht h√§tten und man daraus lernen m√ľsse. "Mein Bruder hat einige Fehler zugegeben. Ich wei√ü nicht, wie ich mich entschieden h√§tte, das ist rein hypothetisch." Er wei√ü zwar, dass seine Antworten missverst√§ndlich aufgefasst werden, eine klare Positionierung bleibt er auch diesmal schuldig.

Mittwoch, Rathaus in Nevada. Der m√∂gliche republikanische Pr√§sidentschaftskandidat nimmt abermals Stellung zur US-Invasion 2003. "Retrospektiv h√§tte jeder eine andere Entscheidung getroffen", verk√ľndete Bush und betonte abermals, dass sowohl die politische Linke wie auch die Rechte zugestimmt haben. Den Einmarsch sehe er heute kritisch, aber man h√§tte nicht aus dem krisengesch√ľttelten Land abziehen sollen. Mit dieser Aussage stie√ü er nicht √ľberall auf Zustimmung. Eine 19-j√§hrige Studentin konfrontierte den Republikaner nach seiner Rede: "Ihr Bruder hat ISIS [Terrororganisation "Islamischer Staat"] erschaffen, nicht wir."

Am Donnerstag machte er im Rathaus Arizona dann N√§gel mit K√∂pfen. "Mit dem Wissen, das wir heute haben, ja, ich w√§re nicht in den Irak einmarschiert." Das bedeute aber nicht, dass die Welt nicht sicherer geworden sei. Es sei ein mutiger Versuch gewesen, einen politisch stabilen Irak zu schaffen, versucht Bush zu beschwichtigen. Ob ihm die Berichterstattung √ľber seine Aussagen nerven? "Wir haben die Frage nun beantwortet."

Bush im Anmarsch

Der ehemalige Gouverneur vom US-Bundesstaat Florida weigert sich, eine klare Stellung zur Invasion im Irak zu beziehen. Im Gegensatz dazu haben sich Republikaner von dieser Thematik klar distanziert und ihm vorgeworfen, der Frage auszuweichen.

Jeb Bush hat seine Kandidatur f√ľr die Pr√§sidentschaftswahl 2016 noch nicht offiziell erkl√§rt. Die Bekanntgabe wird aber allgemein erwartet. Wenn er die Wahl gewinnen w√ľrde, w√§re er nach seinem Vater George (41. Pr√§sident 1989-1993) und seinem Bruder George W. (43. Pr√§sident 2001-2009) bereits der dritte Bush, der das h√∂chste Staatsamt inne hat.

Die Bush-Dynastie

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