Jeb Bush: "Situationselas­tisch" zu Irak-Einmarsch

Jeb Bush
Foto: AP/Ross D. Franklin Der ehemalige Gouverneur des US-Bundesstaates Florida und möglicher Präsidentschaftskandidat Jeb Bush erklärt, er wäre nicht in den Irak einmarschiert.

Jeb Bush, Bruder von Georg W. Bush, stellt nach langem Hin und Her klar: "Wir haben Fehler gemacht."

Der von Gerald Klug, Verteidigungsminister, geprägte Begriff "situationselastisch" wurde 2014 zum Österreichischen Wort des Jahres gewählt. Die Jury würdigte nicht nur die Mehrdeutigkeit des Begriffs, sondern auch die "prägnante Unverbindlichkeit".

Das Phänomen Situationselastizität ist in politischen Debatten seit längerer Zeit en vogue. Das erkennt man nun auch anhand eines US-amerikanischen Politikers, der mit hoher Wahrscheinlichkeit auch für das US-amerikanische Präsidentenamt kandidieren wird. Jeb Bush, Bruder des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush, äußerte sich in den vergangenen Tagen sehr häufig zur US-Invasion im Irak 2003. Das aber, genau, "situationselastisch" und äußerst komplex.

„Mit dem Wissen, das wir heute haben, ja, ich wäre nicht in den Irak einmarschiert“

Bush: "Lessons learned"

In einem Interview mit dem US-Sender Fox News, das vergangenen Montag ausgestrahlt wurde, verteidigte der Republikaner die militärische Intervention im Irak. Damals hätte Bush als Gouverneur vom Bundesstaat Florida, wie auch die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, den Einmarsch autorisiert. Sein Bruder hatte keine andere Wahl, so die Begründung.

Einen Tag nach dem Fox News-Interview stellte Bush in der Sean Hannity’s Radio Show klar, dass die USA Fehler gemacht hätten und man daraus lernen müsse. "Mein Bruder hat einige Fehler zugegeben. Ich weiß nicht, wie ich mich entschieden hätte, das ist rein hypothetisch." Er weiß zwar, dass seine Antworten missverständlich aufgefasst werden, eine klare Positionierung bleibt er auch diesmal schuldig.

Mittwoch, Rathaus in Nevada. Der mögliche republikanische Präsidentschaftskandidat nimmt abermals Stellung zur US-Invasion 2003. "Retrospektiv hätte jeder eine andere Entscheidung getroffen", verkündete Bush und betonte abermals, dass sowohl die politische Linke wie auch die Rechte zugestimmt haben. Den Einmarsch sehe er heute kritisch, aber man hätte nicht aus dem krisengeschüttelten Land abziehen sollen. Mit dieser Aussage stieß er nicht überall auf Zustimmung. Eine 19-jährige Studentin konfrontierte den Republikaner nach seiner Rede: "Ihr Bruder hat ISIS [Terrororganisation "Islamischer Staat"] erschaffen, nicht wir."

Am Donnerstag machte er im Rathaus Arizona dann Nägel mit Köpfen. "Mit dem Wissen, das wir heute haben, ja, ich wäre nicht in den Irak einmarschiert." Das bedeute aber nicht, dass die Welt nicht sicherer geworden sei. Es sei ein mutiger Versuch gewesen, einen politisch stabilen Irak zu schaffen, versucht Bush zu beschwichtigen. Ob ihm die Berichterstattung über seine Aussagen nerven? "Wir haben die Frage nun beantwortet."

Bush im Anmarsch

Der ehemalige Gouverneur vom US-Bundesstaat Florida weigert sich, eine klare Stellung zur Invasion im Irak zu beziehen. Im Gegensatz dazu haben sich Republikaner von dieser Thematik klar distanziert und ihm vorgeworfen, der Frage auszuweichen.

Jeb Bush hat seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2016 noch nicht offiziell erklärt. Die Bekanntgabe wird aber allgemein erwartet. Wenn er die Wahl gewinnen würde, wäre er nach seinem Vater George (41. Präsident 1989-1993) und seinem Bruder George W. (43. Präsident 2001-2009) bereits der dritte Bush, der das höchste Staatsamt inne hat.

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Die Bush-Dynastie

(KURIER) Erstellt am
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