Monster-Staus in Grobritannien rund um die Brexit-Verhandlungen

© APA/AFP/WILLIAM EDWARDS

Politik Ausland
12/23/2020

Brexit: Britischer Gesundheitsdienst fordert längere Übergangsphase

Warnung an Johnson vor Lähmung des Gesundheitssystems inmitten von Coronakrise

Angesichts der angespannten Lage wegen der Corona-Pandemie hat der staatliche britische Gesundheitsdienst NHS die Regierung in London aufgerufen, die Brexit-Übergangsphase zu verlängern.

Eine einmonatige Verlängerung der Übergangsphase würde die Gefahr eines chaotischen Brexit verringern und damit die bereits überlasteten Krankenhäuser im Land aus der „unmittelbaren Gefahrenzone“ nehmen, schrieb die NHS-Führung am Mittwoch dem britischen Premier Boris Johnson.

Mit einem Einlenken solle Johnson verhindern, dass „störende Veränderungen“ im Rahmen eines No-Deal-Szenarios den NHS treffen, während er in der ohnehin arbeitsreichsten Zeit im Jahr „mit der größten Herausforderung in seiner Geschichte“ zu kämpfen habe, hieß es in dem Appell weiter.Großbritannien ist zum 1. Februar aus der EU ausgetreten, bis zum Jahresende bleibt das Land aber noch im EU-Binnenmarkt und in der Zollunion. Bei den Verhandlungen zwischen London und Brüssel über ein Handelsabkommen für die Zeit danach verstrichen bereits einige Ultimaten, die Verhandlungen laufen weiter. Heute oder am Donnerstag könnte es doch noch zu einer Einigung kommen, berichten Medien. Streitpinkt nach wie vor: die Fischquoten in den britischen Gewässern.

Zugleich kämpft Großbritannien derzeit mit einer neuen Variante des neuartigen Coronavirus, das sich in London und im Süden Englands ausgebreitet hat. Das mutierte Virus ist nach Angaben der britischen Regierung bis zu 70 Prozent ansteckender als frühere Varianten.

Viele Länder in der EU und anderen Teilen der Erde reagierten darauf mit Grenzschließungen und Einreiseverboten für Menschen aus Großbritannien. Dadurch kam auch der Güterverkehr von der EU nach Großbritannien vorerst zum Erliegen. Die NHS-Führung warnte in ihrem Schreiben, das gegenwärtige Reisechaos sei nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Probleme, die ohne ein Handelsabkommen mit der EU drohten.

Großbritannien hat eine der höchsten Corona-Opferzahlen in Europa. Mehr als 68.000 Menschen im Vereinigten Königreich starben bereits nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Am Dienstag erreichte die Zahl der täglichen Neuinfektionen einen neuen Höchststand von 36.804 Fällen.

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