© APA/AFP/FLORENCE GOISNARD

Politik Ausland
03/04/2021

Brasilien: Urwald-Reservate auf Facebook verkauft

Geschützte Regenwaldgebiete wurden illegal über das Soziale Netzwerk angeboten. Ureinwohner wehren sich.

von Konrad Kramar

Ob es nun Wohnungen sind, oder Joggingschuhe: Auf Marketplace, dem Shopping-Portal des Sozialen Netzwerks Facebook können Interessierte quasi allen Kaufwünschen hinterherjagen. Auch den Ausgefallensten, wie eine aktuelle Reportage der britischen BBC enthüllt. Wer auf Marketplace Suchbegriffe wie „Wald“, „Holz“, oder „unberührter Urwald“ eingibt, und das am besten auf Portugiesisch, der landet nach einigen Klicks zumindest einmal virtuell im Amazonasgebiet Brasiliens.

Keine Kontrollen durch Behörden

Dort bieten Privatpersonen Landflächen im Regenwald und bewerben diese als bestens geeignetes Weideland für die Viehzucht. Selbstverständlich erst, nachdem man den Urwald per Brandrodung losgeworden ist. Die Anbieter behaupten in vielen Fällen gar nicht, legale Ansprüche auf das Land zu haben., das sie zum Kauf anbieten. Es gebe, so behaupten die Verkäufer ungerührt vor den versteckten Kameras der Reporter, kein Risiko von Kontrollen durch die Behörden.

Präsident für Zerstörung

Doch im Amazonasgebiet Brasiliens wird ohnehin seit Jahrzehnten illegaler Raubbau auf Kosten des einzigartigen Naturerbes betrieben. Der rechtspopulistische Präsident des Landes Jair Bolsonara hat seit seinem Amtsantritt 2019 alles daran gesetzt, um diesen Raubbau zu beschleunigen. Laut Bolsonaro ist der Schutz des Regenwaldes nicht mehr als eine Blockade wirtschaftlicher Entwicklung.

Geschützte Reservate

Was die Zerstörung noch schlimmer macht, ist die Tatsache, dass viele der angebotenen Grundstücke Teil von eigentlich strikt geschützten Reservaten für die Ureinwohner Amazoniens sind. Die Verkäufer wollen auf Nachfrage davon nichts gewusst haben. Ureinwohner gebe es in dem von ihnen angebotenen Land keine.

Mit Pfeil und Bogen

Die sehen keine andere Möglichkeit, als sich selbst zur Wehr zu setzen. Einzelne Stämme schicken Patrouillen mit Pfeil und Bogen aus, um die Eindringlinge zu stoppen.

Facebook jedenfalls distanziert sich von solchen Geschäften. Man stelle ohnehin ausdrücklich fest, dass sich Verkäufer auf Marketplace an örtliche Gesetze und Regelungen halten müssten. Direkt eingreifen aber, das macht das Unternehmen gegenüber der BBC deutlich, werde man nicht. Dafür seien lokale Behörden und Sicherheitskräfte verantwortlich. Die betroffenen Ureinwohner, die also ohne Hilfe versuchen müssen, ihr Land zu verteidigen, stehen dem völlig verständnislos gegenüber. Für den Anführer eines Stammes handelt es sich schlicht um einen: „Mangel an Respekt gegenüber uns.“

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