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Gabcikovo
07/10/2015

Slowakei: Die Unterkunft für die Flüchtlinge

Lokalaugenschein im Gebäudekomplex, in dem Flüchtlinge aus Traiskirchen untergebracht werden sollen.

Die Renovierungsarbeiten an der Unterkunft der Technischen Universität im slowakischen Gabcikovo sind im vollen Gange. Seit vergangenem Mittwoch werken Installateure und Putzkräfte daran, das Gebäude für Asylwerber aus Traiskirchen bezugsfertig zu machen. "Wir haben noch allerhand zu tun, aber wir werden es schaffen", sagte Unterkunftsleiter Zoltán Jaros zur APA beim Lokalaugenschein am Freitag.

Bis Ende September sollen im Rahmen eines bilateralen Abkommens mit der Slowakei 500 Asylsuchende aus Traiskirchen in Gabcikovo beherbergt werden. Bereits im Juli würden die ersten 50 Migranten in die Slowakei kommen, im August sollen dann weitere 200 folgen und die restlichen 250 im September.

Die vierstöckige Unterkunft am Ortsrand der rund 5.400 Einwohner zählenden Gemeinde Gabcikovo im Südwesten der Slowakei ist Teil eines größeren Gebäudekomplexes. Errichtet wurde er zu Beginn der 1980er-Jahre und diente zunächst als Unterkunft für Arbeiter, die den angrenzenden Staudamm samt Wasserkraftwerk errichtet haben, später wurde er als Studentenheim genutzt.

Von 1992 an wurden in den einzelnen Gebäuden Asylsuchende untergebracht bzw. wurde dort Personen subsidiärer Schutz gewährt, erklärt Unterkunftsleiter Zoltan Jaros, er ist Angestellter der Technischen Universität. Seit 1992 gibt es einen Vertrag zwischen dem Migrationsamt des slowakischen Innenministeriums und der Uni. "Auf Grundlage dessen sind wir verpflichtet, Flüchtlingen Unterkunft zu gewähren", sagte der 62-Jährige.

Mit 740 beherbergten Personen wurde im ersten Jahr der Nutzung als Flüchtlingsunterkunft gleich der Höchststand erreicht, 2009, im bisher letzten Jahr als Flüchtlingsquartier, wohnten 50 Personen in der Unterkunft, die nach wie vor auch als Touristen- und Arbeiterherberge genutzt wird, sagt Jaros. Im Schnitt hätten über die Jahre hinweg 256 Personen pro Jahr ein vorübergehendes Zuhause in Gabcikovo gefunden.

Noch einiges zu tun

Bei der Begehung macht das Gebäude insgesamt einen aufgeräumten Eindruck, da und dort gibt es noch kaputte Steckdosen, lose Leitungen und nackte Glühbirnen. Wasser- und elektrische Leitungen müssen erneuert werden, Lifte repariert. Die technische Leiterin des Gebäudes inspiziert die einzelnen Räume und notiert noch zu behebende Mängel. Viel sei noch zu tun, sagt sie, auch während des bevorstehenden Wochenendes müsse gearbeitet werden. "Halbzeit", sagt Jaros. Bis 20. Juli wolle man mit der Instandsetzung der für die Traiskirchner Flüchtlinge vorgesehenen Gebäudeteile fertig sein.

Insgesamt verfügt der weitläufige Gebäudekomplex über 2.240 Betten, Kinosäle, einen Fußball- und einen Volleyballplatz, und all diese Infrastruktur steht auch den Flüchtlingen zur Verfügung. In der Vergangenheit habe man gelernt, dass die Flüchtlinge Freizeitmöglichkeiten brauchen. Es sei nicht gut, wenn sie den ganzen Tag nur im Bett verbringen.

"Wir werden nur für das Essen und die Unterkunft sorgen", sagt Jaros. Die 300 Quadratmeter große Küche sei jetzt schon in der Lage, 200 Speisen in einer halben Stunde auszugeben, derzeit sind dort sieben Köchinnen und Köche beschäftigt. Insgesamt könne die Küche jedoch bis zu 2.500 Personen am Tag verköstigen.

Nach seiner persönlichen Meinung gefragt, wieso die Bewohner Gabcikovos der nahenden Ankunft von Flüchtlingen aus Traiskirchen eher ablehnend gegenüberstehen, sagt Jaros, dass "die Bevölkerung verfälschte Informationen" habe. Da Gabcikovo unmittelbar an der Grenze liegt und viele der Bewohner ungarischsprachig sind, würden viele das dortige Fernsehprogramm konsumieren und dem dort präsentierten Bild Glauben schenken.

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