Donald Trump

© AP/Kathy Willens

USA
12/14/2016

Angst vor Trump: Klimaforscher bringen Daten in Sicherheit

Trump ist ein Klima-Leugner, für ihn ist der Klimawandel eine Lüge. Deshalb sichern US-Wissenschaftler ihre gesammelten Daten, weil diese unter der Administration des Republikaners verloren gehen könnten.

Es erinnert ein wenig an einen US-Actionfilm. Ein Regierungsgebäude läuft Gefahr, von einer fremden Macht besetzt zu werden. Der Verantwortliche gibt deshalb die Anweisung, alle Akten und andere Datenträger zu vernichten, damit die Bösen die streng vertraulichen Arbeiten nie zu Gesicht bekommen. Mitarbeiter zerbrechen daraufhin Disketten, CDs (in den Neunzigerjahren) und USB-Sticks, lassen Dokumente stapelweise durch den Aktenvernichter gehen. Wenn alles nichts mehr hilft, gibt es noch immer den großen Ofen unten im Keller. Dort schaufelt man den Rest hinein.

So drastisch dürfte es im US-Energieministerium nicht zugehen, doch die Dramaturgie ähnelt der obigen Beschreibung. Aus Angst, ihre über Jahrzehnte sorgfältig gesammelten Daten zum Klimawandel könnten unter der Administration von Donald Trump verloren gehen, haben etliche Wissenschaftler begonnen, ihre Erkenntnisse zu kopieren und auf unabhängige Server zu transferieren.

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Eric Holthaus (@EricHolthaus

Natürlich ist Trump kein Bösewicht. Aber er ist ein Klima-Leugner, er glaubt nicht an den Klimawandel. Für Trump ist der Klimawandel eine Lüge, erfunden von den Chinesen, um die amerikanische Wirtschaft zu schwächen.

"Guerrila-Archivierung" in Toronto

Nach Informationen der Washington Post umfassen die Bemühungen der Wissenschaftler neben einfachem Kopieren und Sichern viele weitere Aktivitäten: In Toronto soll eine Veranstaltung unter dem Motto "Guerrilla-Archivierung" stattfinden, auf dem Experten gemeinsam Daten sichern wollen. Auf Treffen an der Universität von Pennsylvania soll gezeigt werden, wie in den kommenden Tagen möglichst viele Regierungsdaten kopiert und gesichert werden können. Dafür gibt es bereits eine eigene Online-Datenbank. Sie soll als sicherer Hafen für wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Klimawandel und Umweltschutz dienen.

Nick Santos, Umweltforscher an der Universität von Kalifornien sagt gegenüber der Post, dass alles zuerst völlig paranoid geklungen hat. Doch nun habe er selbst damit begonnen, Regierungsdaten zum Klimawandel auf Server verschiedener Nichtregierungsorganisationen zu laden. "Es kann nicht schaden", versucht Santos möglichst neutral zu klingen. "Hoffentlich lassen sie alles an Ort und Stelle. Doch falls nicht, sind wir vorbereitet."

In den vergangenen Tagen hat Amerikas zukünftiger Präsident Trump immer wieder äußerst umweltkritische Personen für sein künftiges Kabinett ausgewählt. Die meisten eint ihre Ablehnung des von Menschen gemachten Klimawandels. Ben Carson, Trumps Wohnbauminister, ist zum Beispiel einer, der den menschengemachten Klimawandel negiert. (Hier zum Trump'schen Kabinett)

Energieministerium gibt Namen der Klima-Mitarbeiter nicht heraus

Auch das Energieministerium erwartet von Trumps Anti-Umweltschutz-Einstellung negative Auswirkungen: So weigert man sich beharrlich, Trump die Namen aller Mitarbeiter zu geben, die am Thema Klimawandel gearbeitet haben. Die Post zitiert eine Sprecherin mit den Worten, man werde dem Übergangsteam des designierten Präsidenten alle öffentlich verfügbaren Informationen zukommen lassen - aber keine Namen einzelner Mitarbeiter.

Trumps Team hatte dem Ministerium ein Memo mit 74 Fragen geschickt: Sie zielen auf die Amtszeit Barack Obamas, für den Klimaschutz ein Herzensanliegen war. Insbesondere solle die Teilnahme an UN-Klimakonferenzen beantwortet werden, aber auch die Mitarbeit an der Bewertung wirtschaftlicher Konsequenzen des Klimawandels. Demokratische Abgeordnete zeigten sich wegen dieses Vorgehens alarmiert.