Seit der Eroberung Mossuls hat die Terrormiliz „Islamischer Staat“ ein Schreckensregime etabliert.

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Augenzeugen-Berichte
06/10/2015

Leben unter Joch des IS ist die Hölle

Auspeitschungen und Hinrichtungen. Kinder werden indoktriniert, Frauen misshandelt.

von Walter Friedl

Es sind Dokumente des Grauens, die BBC jetzt veröffentlicht hat. Es handelt sich dabei um Videos und Berichte, die über mehrere Monate in Mossul zusammengetragen wurden. Die Augenzeugen schildern den Alltag unter dem Joch der Extremisten des "Islamischen Staates" (IS), die die zweitgrößte irakische Stadt im Vorjahr erobert haben. Kurz zusammengefasst: Es ist die Hölle.

"Seit sie da sind, gilt das Recht des Kalifats (mit dessen ultraradikalen Auslegung der muslimischen Rechtssprechung)", sagt Zaid, dessen Namen wie die aller anderen zu deren Schutz geändert wurden, "die mildeste Strafe ist die Auspeitschung. Die kann man schon erhalten, wenn man eine Zigarette raucht." Ehebrecher würden von hohen Gebäuden in den Tod gestoßen, Ehebrecherinnen gesteinigt. "Das alles öffentlich, um die Menschen einzuschüchtern", die oftmals gezwungen würden, dem widerwärtigen Schauspiel zuzusehen.

Versklavte Frauen

Frauen müssten sich komplett verschleiern, wenn sie sich denn überhaupt getrauten, mit ihrem Mann außer Haus zu gehen. "Ich habe schon gehört, dass ein Ehemann gepeitscht wurde, weil seine Frau keine Handschuhe anhatte", klagt Hanaa.

Andernorts ergeht es Frauen noch viel schlimmer. "Sie (die IS-Terroristen) verschleppen sie, wenn sie neue Gebiete einnehmen", sagt die UN-Gesandte für sexuelle Gewalt in Konflikten, Sainab Bangura. Dann würde der Preis der Frauen taxiert. Manche Mädchen würden für 1000 US-Dollar verkauft, andere "zum Preis einer Zigarettenschachtel". Diese Versklavung von Frauen sei ein wichtiger Faktor der IS-Strategie: "Auch so ziehen sie junge Männer an", betont Bangura.

Albtraum

Das Alltagsleben in Mossul ist für die verbliebene Bevölkerung ein Albtraum. "Die, die früher beim (irakischen) Militär waren, haben ihre Posten verloren, die Tagelöhner auch, weil es einfach keine Jobs gibt", führt Hisham aus. Diejenigen, die noch Lohn beziehen, müssten ein Viertel dem IS abliefern – für den Wiederaufbau der Stadt. In den Spitälern würden ausschließlich verwundete IS-Kämpfer behandelt, die meisten Schulen seien geschlossen.

Ihre islamistische Ideologie würden die "Gotteskrieger" radikal durchziehen, sagen Augenzeugen. Häuser von (geflohenen) Christen würden mit dem Buchstaben N markiert – für "Nasrani", so bezeichnet der IS Christen.

Moschee gesprengt

Auch gegen Muslime, die nicht der Koranauslegung der Terrormiliz folgen, gingen die Extremisten vor, selbst vor Moschee-Sprengungen schreckten sie nicht zurück. Und die meisten Imame seien durch linientreue IS-Geistliche ersetzt worden.

Mit der völligen Indoktrinierung würden die neuen Herrscher in der Stadt schon im Kindesalter beginnen. "Eines Tages kam ich nach Hause, da sah ich meinen zwölfjährigen Bruder, wie er eine IS-Fahne nähte. Ich zerriss das Stück, und wir nahmen den Buben aus der Schule, die vom IS kontrolliert wird", sagt Mahmoud.

Auf eine rasche Befreiung durch die irakischen Streitkräfte dürfen die Bewohner Mossuls nicht hoffen – die Gegenoffensive kommt mehr als schleppend voran. Und: "Der IS hat sich auf die Verteidigung bereits eingestellt", erzählt Zaid, "er hat Tunnels gegraben, Barrikaden errichtet, Minen verlegt und füllt die Stadt mit Scharfschützen. Es wird sehr schwierig für die Armee."

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