© APA/AFP/HECTOR RETAMAL

Urlauberparadies
03/04/2021

Auf den Spuren von Donald Trump: DomRep baut Zaun zu Haiti

Der Präsident des Urlauberparadieses will einen Eisernen Vorhang auf einer Länge von 380 km errichten - um vor allem die illegale Migration zu stoppen.

von Walter Friedl

Rudy Giuliani, Anwalt von Ex-US-Präsident Donald Trump, zählt zu seinen Beratern, und der frühere amerikanische Außenminister Mike Pompeo war im August des Vorjahres bei seiner Inauguration: Keine Frage, seit seinem Amtsantritt hat der libanesisch-stämmige Präsident der Dominikanischen Republik, Luis Abinader Corona (sic!), sein Land stramm Richtung Washington ausgerichtet. Und jetzt greift er eine Idee von Trump auf, der ja den Mauerbau zu Mexiko vorangetrieben hatte: Entlang der rund 380 Kilometer langen Grenze zu Haiti will Abinader einen doppelten Zaun errichten – um der illegalen Einwanderung, aber auch dem Drogenschmuggel sowie dem Handel mit gestohlenen Autos einen Riegel vorzuschieben, wie es in einer Begründung heißt.

Noch heuer solle mit den Arbeiten begonnen werden. Der geplante Eiserne Vorhang auf der Insel Hispaniola soll mit modernster Technologie ausgestattet sein: Bewegungsmelder, Wärmebildkameras und Gesichtserkennungsprogramme.

Migrationsdruck

Tatsächlich ist der Migrationsdruck auf dem karibischen Eiland groß: Während es die DomRep zu einem gewissen Wohlstand gebracht hat – vor allem auch durch den Tourismus (vor Corona kamen rund acht Millionen Besucher in das Urlauberparadies und steuerten so acht Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei), ist Haiti das ärmste Land in der westlichen Hemisphäre. Misswirtschaft und Naturkatastrophen, wie etwa das verheerende Erdbeben 2010, dessen Folgen heute noch erkennbar sind, ließen Hunderttausende Haitianer ihre Heimat verlassen. Alleine in der Dominikanischen Republik halten sich mehr als eine Million Menschen aus dem Nachbarland auf – bei einer Gesamtbevölkerung von zehn Millionen.

Die allermeisten Haitianer haben keine Aufenthaltsbewilligung und müssen mit schlecht bezahlten Jobs etwa im Baugewerbe, auf Plantagen oder als Hausangestellte vorliebnehmen. Dennoch bleibt das Nachbarland erstes Ziel ihrer Träume, da dort das Pro-Kopf-Einkommen rund sechs Mal höher ist als in der bettelarmen Heimat.

Soldaten an der Grenze

Und die politischen Spannungen in Haiti könnten die Fluchtbewegung nun erneut anheizen: Seit Wochen kommt es zu – teils gewaltsamen – Protesten gegen den autoritär herrschenden Staatspräsidenten Jovenel Moïse.

Die Führung der Dominikanischen Republik in der Hauptstadt Santo Domingo ist wegen der Unruhen äußerst besorgt und hat bereits 7.000 Soldaten an die Grenze beordert. Laut Regierungsangaben wurden allein heuer 38.000 Migranten aufgegriffen, die illegal ins Land kommen wollten.

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