Polizisten in Ansbach.

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Gewalttaten in Deutschland
07/26/2016

Attentat in Ansbach: Blutbad im Gastgarten

Nach Würzburg, München, Reutlingen erneutes Entsetzen: In der Kleinstadt Ansbach sprengt sich ein syrischer Asylwerber in die Luft. Der Ort steht unter Schock.

von Thomas Sendlhofer

Auf einem Tisch im Gastgarten der Weinstube im Zentrum von Ansbach stehen Montagnachmittag noch ein paar halbvolle Gläser Bier und Wein. Die Gäste waren am Vorabend nicht mehr dazu gekommen, auszutrinken. Kurz nach 22 Uhr zündete ein 27-jähriger Syrer in der 40.000-Einwohner-Stadt in Mittelfranken (Bayern) eine Metallsplitter-Bombe. Dem Sessel, auf dem er saß, wurde die Rückenlehne weggesprengt. Fensterscheiben sind zerbrochen. Der Attentäter kam ums Leben. 15 Menschen wurden durch die Detonation und die umherfliegenden Metallteile verletzt, vier davon schwer.

"Mir geht es scheiße", sagt Norbert Imschloß. Er ist der Pächter der Weinstube. Zum Zeitpunkt der Explosion hielt er sich im Inneren auf. "Die Explosion der Bombe war brutal. Ich wollte rausrennen. Mir kamen die Leute entgegen, zum Teil blutverschmiert. Ich bin dann gar nicht gleich ins Freie, sondern habe mich zuerst um die Verletzten gekümmert", schildert Imschloß. Der Gastgarten war zum Zeitpunkt der Explosion nicht voll – ansonsten hätte es wahrscheinlich mehr als 15 Verletzte gegeben, meint der Gastronom.

Schon vor der Explosion habe der Attentäter in der Stube eine Runde gedreht. "Der hat sich umgeschaut. Eigentlich wollte er auf das Festival." Später habe sich der Täter in den Gastgarten gesetzt, erzählt Imschloß. "Da denkt man sich, das ist einer von den Chaoten, mit denen man nichts verdient, die man aber halt mal sitzen lässt."

"Hatte keine Chance"

Nun macht sich der Gastwirt Vorwürfe. "Ich bin für die Sicherheit meiner Gäste zuständig – und dann kann ich sie nicht schützen. Ich hatte keine Chance", sagt der 59-Jährige. Er meint, solche Taten ließen sich nur vermeiden, wenn die Integration besser funktioniere.

So gemäßigt wie der rustikale Wirt klingen in Ansbach die Wenigsten. Um den Tatort sammelten sich neben etlichen Kamerateams auch zahlreiche Schaulustige. "Schuld ist die Politik von Angela Merkel, das sind ihre Selfie-Freunde. Das denkt jeder, aber das traut sich niemand zu sagen", lautet der zynische Kommentar eines Anwohners. Der Schock, dass der islamistische Terror (der Täter bekannte sich in einem Video auf seinem Handy zum IS) nun auch eine Kleinstadt trifft, ist groß. "Man hätte in Ansbach nicht damit gerechnet – eher in einer Großstadt", meint Birgit Sporschill.

Vielen in der Stadt stößt es sauer auf, dass der 27-jährige Attentäter wie der Münchner Amokläufer polizeibekannt war. "Der hätte doch beobachtet werden müssen", meint eine aufgebrachte ältere Dame, die die Explosion am Vorabend gehört hatte. Auch Mark Tabbert findet klare Worte. "Die ganze Sache muss besser kontrolliert werden. Die Politiker kommen immer damit, dass das psychisch Kranke sind", kritisiert der gebürtige US-Amerikaner, der seit mehr als 45 Jahren in Ansbach lebt. Er sieht darin nur Ausreden, um davon abzulenken, dass der 27-jährige Attentäter längst hätte abgeschoben werden müssen (sein Asylantrag war abgelehnt worden). "Wenn das System funktioniert hätte, wäre das gar nicht passiert, dann wäre der weg gewesen", meint Tabbert.

Schlimmeres verhindert

Oberbürgermeisterin Carda Seidel steht am Tag nach dem Selbstmordanschlag der Schock noch ins Gesicht geschrieben. "Ich war selbst mit meinem Mann auf dem Konzert, wir sind aber früher nach Hause gegangen", sagt Seidel. Eine Stunde später erreichte sie der Anruf.

Dass es nicht mehr Verletzte oder gar Tote gab, sei auch den verschärften Sicherheitskontrollen zu verdanken. "Wir haben nach den letzten Attentaten, insbesondere dem Amoklauf in München, unsere Vorkehrungen noch einmal verschärft und auch Taschenkontrollen eingeführt", sagt Seidel. Der Syrer wollte ursprünglich auf das Konzert, das in der Reitbahn, einem Platz hinter dem Durchgang beim Gastgarten, noch im Gange war. Rund 2000 Menschen lauschten gerade dem letzten Auftritt im Rahmen der Freiluft-Konzerte von "Ansbach Open". Am Eingang neben der Weinstube hatten Sicherheitskräfte dem Attentäter den Zugang verwehrt, weil er keine Eintrittskarte hatte.

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