© APA/SEBASTIAN KAHNERT

Antisemitismus
10/29/2013

Attacken gegenüber Juden nehmen zu

Neue Studie: 25 Prozent der befragten Juden fürchten sich, als Juden identifiziert zu werden

von Margaretha Kopeinig

Unter Europas Juden geht die Angst um: Einer von vier europäischen Juden fürchtet sich davor, die Kippah zu tragen, die ihn als Juden identifizieren würde, in Schweden sind es gar 50 Prozent. 90 Prozent der ungarischen Befragten sagen, dass der Antisemitismus in den vergangenen fünf Jahren zugenommen habe. In Frankreich, Belgien und Schweden sind 80 Prozent dieser Meinung. 22 Prozent der Befragten geben an, „jüdische Orte oder Veranstaltungen“ aus Sicherheitsgründen zu meiden.

Diese Daten sind Teil einer Umfrage der EU-Agentur für Grundrechte in neun Mitgliedsländern (Ungarn, Schweden, Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien, Großbritannien, Rumänien, Lettland), die in israelischen Zeitungen und vom Jüdischen Medienforum vorab veröffentlicht worden sind. Die gesamten Ergebnisse der Studie werden am 8. November in Wien präsentiert – einen Tag vor dem 75. Jahrestag der November-Pogrome.

„Alarmierende Zahlen“

Österreich wurde von der Grundrechte-Agentur nicht untersucht. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Oskar Deutsch, weiß, dass auch hierzulande Attacken gegenüber Juden zunehmen. „Die Zahlen sind alarmierend. Antisemitismus und Ausländerhass steigen stark an“, sagt er zum KURIER. 2012 wurden der IKG doppelt so viele Vorfälle gemeldet als ein Jahr zuvor. Deutsch ist besorgt und appelliert an die Repräsentanten des Staates und seiner Institutionen „stärker durchzugreifen“. Es könne nicht sein, dass antisemitische Karikaturen im Internet nicht geahndet werden.

Deutsch spricht den Cartoon auf der Facebook-Seite von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache an. Die Karikatur zeigt einen dicken Banker, der Manschettenknöpfe mit Davidstern trägt und von einem Regierungsbeamten angefüttert wird. Die Ermittlungen wegen des Verdachts der Verhetzung wurden von der Staatsanwaltschaft Wien eingestellt. Das Justizministerium erklärte danach, die Karikatur erfülle den Tatbestand der Verhetzung nicht.

Der zunehmende Hass gegenüber Juden und die Angst vor Übergriffen veranlasst immer mehr Juden, europäische Heimatländer zu verlassen. In den vergangenen Jahren sind 25 Prozent der dänischen Juden weggezogen. Auch viele schwedische und französische Juden wandern derzeit nach Israel oder in die USA aus.

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