Politik | Ausland
19.03.2016

Asselborn: Idomeni muss schnell aufgelöst werden

Luxemburgs Außenminister: "Diese Bilder müssen weg". 500 Migranten in Piräus.

Nach dem Deal der EU mit der Türkei zur Bewältigung der Flüchtlingskrise hat der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn die Räumung des Lagers in Idomeni zur Priorität erklärt. Es sei klar, "dass die erste Aufgabe sein muss", die Menschen in Idomeni in Busse zu setzen und in menschenwürdige Auffanglager auf dem griechischen Festland zu bringen, sagte Asselborn Samstagfrüh im Deutschlandfunk. "Diese Bilder müssen weg, das ist ganz klar."

Zehntausend Menschen in Idomeni

Im Elendscamp von Idomeni in der Nähe der Grenze zu Mazedonien herrschte Enttäuschung. Die Menschen schienen zu begreifen, dass die Hoffnungen auf eine Weiterreise nach Mitteleuropa schwinden, berichtete ein Reporter im griechischen Fernsehen. Wie ein Lauffeuer habe am Freitagabend die Nachricht die Runde in Idomeni gemacht, dass ab Sonntag aus der Türkei nach Griechenland kommende Migranten zurück in die Türkei geschickt werden sollen.

Derzeit sitzen mehr als 10.000 Flüchtlinge im provisorischen Lager an der griechisch-mazedonischen Grenze fest, darunter viele Kinder. Sie kampieren bei Regen und Kälte in Zelten im Schlamm und hoffen, doch noch nach Norden weiterziehen zu können.

Rund 500 Migranten in Piräus angekommen

In der griechischen Hafenstadt Piräus sind Samstag früh 465 Migranten von den Inseln der Ostägäis angekommen. Weitere 30 wurden am Nachmittag erwartet. Dies teilte die Küstenwache mit. In Piräus leben mittlerweile in Lagerhallen und Zelten mehr als 4000 Menschen. Immer wieder kommt es zu Rangeleien und Schlägereien zwischen Migranten verschiedener Nationalitäten, wie Reporter berichteten.

CDU-Mitglied Spahn kritisiert Merkel

In Deutschland hat indes CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn die Flüchtlingspolitik seiner Parteichefin Angela Merkel mit deutlichen Worten kritisiert. Die Union habe unter der Kanzlerin "den humanitären Ansatz zu sehr betont", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im deutschen Finanzministerium demSpiegel.

Teilweise habe einfach die Ehrlichkeit oder Härte gefehlt, um Flüchtlingen zu sagen: Es könne nicht jeder kommen oder bleiben, der dies wolle. Die von Merkel mehrfach kritisierte Schließung der Grenzen auf dem Balkan begrüßte Spahn. "Es ist gut, dass die Politik des Durchwinkens beendet ist. Das hat falsche Hoffnungen geweckt", sagte er dem Magazin. "Es gab den Glauben, dass ich nur irgendwie ein Boot nach Europa besteigen muss, um dann in Deutschland, Österreich oder Schweden zu landen. Wir hätten früher sagen müssen: Das geht so nicht."