© APA/AFP/POOL/PHILIP DAVALI

Interview
07/26/2020

Anti-Rassismus-Erzieherin: „Trump verehrt Hitler“

Jane Elliott, eine Weiße, setzt große Hoffnungen in die "Black-Lives-Matter"-Bewegung.

von Elisabeth Sereda

Sie ist die bekannteste Antirassismus-Erzieherin der Welt. Ihre Workshops und Trainingsprogramme sind legendär. Mit fast 87 Jahren ist Jane Elliotts Rolle in der Diskriminierungsaufklärung gefragter und wichtiger denn je. Im Interview mit dem KURIER spricht sie über die Wurzeln ihres Engagements, die Wichtigkeit von „Black Lives Matter“ und vergleicht Trump mit Hitler.

KURIER: Wie findet eine junge, weiße Frau ihre Berufung als Erzieherin gegen Rassendiskriminierung?

Jane Elliott: Eine weiße Frau, die in Armut in den 1930er-Jahren in Iowa mit einer katholischen Mutter und einem Baptisten als Vater aufwächst, versteht sehr viel von Diskriminierung, weil sie sieht, was ihrem Vater widerfährt. Ich bin Erzieherin, und Erzieher und Lehrer haben die Aufgabe, die Menschen aus der Ignoranz herauszuführen. Rassismus ist die Ignoranz Nummer eins in den USA und im Rest der Welt. Wir sind ignorant, was unsere Herkunft und unsere Zukunft betrifft. Es gibt nur eine Rasse, die menschliche, und wer das nicht kapiert, hat es gefälligst zu lernen. Eine größere Idiotie als Rassismus gibt es nicht.

Als Sie Ihr „Brown Eyes/Blue Eyes“-Experiment an Neunjährigen starteten, gab es sehr viel Kritik. Warum?

Wir lebten in einer rein weißen Kleinstadt mit neun christlichen Kirchen, wo alle sich für gut hielten, weil sie Christen waren. „Wir sind nicht rassistisch, bei uns gibt es keine Farbigen“, war die Überzeugung. Was allein schon Bildungsmangel zeigt. Und extrem rassistisch ist.

Hat sich also seit 60 Jahren nichts verändert?

Wir lernen nicht aus der Geschichte, und wenn wir es taten, dann haben wir es seit der vergangenen Präsidentschaftswahl vergessen. Trump verehrt Hitler. Wir wissen, dass er „Mein Kampf“ auf dem Nachttisch hat. Er baut eine Mauer an der Südgrenze des Landes, weil er, wie er sagt, „die braunen Leute raushalten will, weil sie sich zu schnell vermehren“. Etwas Rassistischeres gibt es nicht. Auch in den Schulen wird Rassismus gelehrt, denn jedes Buch hat einen weißen Mann als Helden. Es ist hoch an der Zeit, dass wir aufhören, Vokabular aus dem 16. Jahrhundert dazu zu gebrauchen, die Probleme des 21. zu lösen.

Wird die „Black-Lives-Matter“-Bewegung etwas ändern?

Ja, denn wir haben noch nie erlebt, dass so viele Weiße mit den Schwarzen Seite an Seite stehen. Vielleicht kapiert die Masse doch endlich, dass die Idee von verschiedenen Rassen eine der größten Lügen der Weltgeschichte ist.

Das Rassismus-Experiment

Jane Elliott, am 30. November 1933 in Riceville, Iowa, geboren, ist eine Lehrerin, die seit den 1960er-Jahren Antirassismus unterrichtet. 1968, nach der Ermordung von   Martin Luther King, entwickelte sie das „Brown Eyes/Blue Eyes“-Experiment, mit dem sie bewies, dass Rassismus nicht angeboren, sondern erlernt ist.

Braunäugig vs. blauäugig

Elliot erklärte ihren Schülern, dass sie Diskriminierung nicht verstehen könnten, ohne sie an sich selbst zu erfahren, und teilte die Klasse in zwei Gruppen, die nicht miteinander spielen oder essen durften. Die Braunäugigen saßen in den vorderen Reihen und wurden bevorzugt aufgerufen. Sie log den Kindern vor, dass die Farbe ihrer Augen eine höhere Intelligenz bedeute. Nach wenigen Tagen wurden die Braunäugigen arrogant und behandelten die Blauäugigen extrem schlecht. Die Braunäugigen wurden im Unterricht immer besser, während die Blauäugigen schlechte Noten bekamen, sich zurückzogen und introvertiert wurden. 

Nach einer Woche drehte Elliott den Versuch um. Und obwohl die Blauäugigen sich anfangs gegen die Braunäugigen auflehnten, war die Behandlung der „unteren Klasse“ viel weniger gemein.

Jane Elliott hält bis  heute Workshops – an Universitäten, Schulen, aber auch in Unternehmen (so etwa IBM) oder Organisationen (zum Beispiel   US-Post und FBI). 

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.