Politik | Ausland
02.01.2017

Anschlag in Istanbul: Religionsbehörde angezeigt

Grund für die Anzeige nach dem Anschlag sei die letzte Freitagspredigt gewesen, da sie das Volk zu "Hass und Feindschaft" aufwiegele, hieß es vom Zusammenschluss der Organisationen, die die Strafanzeige einbrachten.

Nach dem Anschlag auf einen Istanbuler Club hat ein Zusammenschluss aus Organisationen Strafanzeige gegen den Chef der türkischen Religionsbehörde Diyanet gestellt. Die von Diyanet vor dem Angriff herausgegebene Freitagspredigt habe das Volk zu "Hass und Feindschaft" aufgewiegelt, heißt es zur Begründung, wie die Nachrichtenagentur DHA am Montag berichtete.

Anzeige gegen Chef der Behörde

Daher sei gegen den Chef der Behörde, Mehmet Görmez, bei der Staatsanwaltschaft in Ankara Anzeige erstattet worden. Die Behörde habe zudem die öffentliche Sicherheit gefährdet und gegen die in der türkischen Verfassung verankerten Grundprinzipien des Laizismus verstoßen.

Hintergrund ist die von Diyanet herausgegebene Predigt vom 30. Dezember, die auf der Website der Religionsbehörde veröffentlicht und - wie immer freitags - in Moscheen im ganzen Land verlesen wurde. Darin wurden die Feiern zum Neujahrsfest als unislamisch kritisiert. Unter anderem hieß es: "Es ist bedenklich, dass die ersten Stunden des neuen Jahres mit zu anderen Kulturen und Welten gehörenden Neujahrsfeierlichkeiten zur Verschwendung missbraucht werden." Es sei unziemlich für einen Gläubigen, "illegitimes Benehmen und Verhalten" zur Schau zu stellen. Dazu gehöre etwa ein Verhalten, das nicht mit "unseren Werten" übereinstimme.

Nach dem Anschlag hatte Görmez die Tat umgehend scharf verurteilt. Ein solches "Massaker" sei mit "keinem muslimischen Gewissen" vereinbar, hieß es in einer Mitteilung.