Politik | Ausland
03.01.2013

Anschlag im Irak: 20 Pilger tot

Eine Autobombe tötete mindestens 20 Personen - die Proteste gegen Premier Maliki dauern indes an.

Bei einem Autobombenanschlag in der rund 60 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Stadt Mussayib sind am Donnerstag mindestens 20 schiitische Pilger getötet worden. Rund 50 Menschen wurden laut Polizeiangaben verletzt. Ziel des Anschlags am Donnerstag waren Schiiten, die von den religiösen Feierlichkeiten zum Gedenken an den 40. Tag nach dem Tod des Imams Hussein (Arbain-Fest) im Jahr 680 in der Stadt Kerbala kamen.

Proteste dauern an

Unterdessen gingen die Proteste gegen den schiitischen Premierminister Nuri al-Maliki unvermindert weiter. Dieser drohte jetzt damit, die seit elf Tagen andauernden Demonstrationen in den sunnitischen Provinzen zu beenden. Bisher schreckt er jedoch vor der Anwendung von Gewalt zurück.

Eine der Hauptforderungen der Demonstranten ist die Freilassung von Gefangenen. Unter den Häftlingen sind viele mutmaßliche Terroristen, gegen die keine stichhaltigen Beweise vorliegen. Bereits am Dienstag hatte Maliki angekündigt 700 weibliche Gefangene auf freien Fuß zu setzen, am Donnerstag wurden elf Frauen aus dem Gefängnis entlassen.

Weitere 13 Frauen, die ihre Strafen bisher in Bagdad verbüßten, wurden in Gefängnisse ihrer Heimatprovinzen Salaheddin, Ninive und Anbar verlegt. Beobachter werteten dies als Geste des guten Willens seitens der Regierung. In der islamisch-konservativen Gesellschaft des Iraks sorgt besonders die Inhaftierung von Frauen für Aufregung.

Vorwürfe gegen Premier

Gegner des schiitischen Regierungschefs Maliki demonstrieren seit dem 25. Dezember in mehreren Provinzen mit sunnitischer Bevölkerungsmehrheit. Sie werfen seiner Regierung vor, sie lasse unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung unschuldige Sunniten inhaftieren. Diese müssen oft mehrere Jahre auf ein Gerichtsverfahren warten. Folter ist in den irakischen Haftanstalten weit verbreitet.

Die Fraktion der schiitischen Sadr-Bewegung warnte Maliki davor, die Proteste mit Gewalt zu beenden. Der Abgeordnete Jawad al-Shuheili sagte der Nachrichtenagentur Sumeria News: "Falls Maliki Gewalt anwenden sollte gegen die Demonstranten, dann müssen wir ihn mit den arabischen Herrschern vergleichen, die der Arabische Frühling heimgesucht hat."