Politik 05.01.2012

Weiterer Anschlag: Terror-Welle im Irak

© Bild: dapd(c) AP

Die Gewaltspirale im Irak dreht sich wieder: Eine verheerende Serie von Anschlägen gegen Schiiten hat landesweit mindestens 55 Tote gefordert.

Den Terroristen ging es offenbar nur darum, möglichst viele Menschen zu töten - solange es sich dabei um Schiiten handelt: Bei mehreren Bombenanschlägen sind am Donnerstag landesweit mindestens 55 Menschen ums Leben gekommen. Zunächst wurden in zwei schiitischen Vierteln in Bagdad bei vier Explosionen zumindest 25 Menschen getötet und Dutzende verletzt. Wenige Stunden später wurden bei einem erneuten Anschlag in der südirakischen Stadt Nassiriya zumindest 30 Menschen getötet und 70 verletzt.

In den Morgenstunden detonierten in Bagdad zuerst zwei Sprengsätze in der östlichen Vorstadt Sadr City. Laut Polizei und Rettungskräfte wurden dort mindestens zehn Menschen getötet und 37 verletzt. Im Viertel Kadhimiya kam es kurz danach zur Detonation von zwei Autobomben, bei denen nach Polizeiangaben zumindest 15 Menschen getötet und 32 weitere verletzt wurden.

Bombe in Motorrad

Trauernde Angehörige der Getöteten in Sadr City.
© Bild: Reuters

Die erste Bombe war in einem Motorrad in Sadr City versteckt. "Eine Gruppe Tagelöhner hatte sich versammelt und wartete darauf, Arbeit zu bekommen", berichtete ein Polizist am Tatort. "Jemand parkte sein Motorrad in der Nähe. Einige Minuten später flog es in die Luft und tötete einige Leute, andere wurden verletzt." Umstehende Autos seien in Flammen aufgegangen.

Später explodierte ebenfalls in Sadr City eine weitere Bombe neben einer Straße, bevor die beiden verheerenden Autobomben in Kadhimiya explodierten. Nach Angaben der Polizei wurden zwei weitere Bomben gefunden und entschärft.

Am Nachmittag dann die nächste Schreckensnachricht: Eine weitere Bombe riss im Süden des Landes mindestens 30 Menschen - ebenfalls Schiiten - in den Tod. Ziel der nahe einer Straßensperre der Polizei platzierten Bombe seien schiitische Pilger gewesen, hieß es von den Behörden.

Hochburg radikaler Schiiten

Der schiitische Vorort Sadr City ist einer der ärmsten Gegenden in der irakischen Hauptstadt und die Hochburg des radikalen Klerikers Muktada al-Sadr, dessen Miliz in den vergangenen Jahren gegen die irakische Regierung und die US-Besatzungstruppen gekämpft hatte. Er gilt nun als Verbündeter von Ministerpräsident Nuri al-Maliki.

Beobachter im Irak sehen einen Zusammenhang zwischen der Zunahme der Terroranschläge in den vergangenen Wochen und der Eskalation des politischen Streits im Irak. Zwischen Schiiten und Sunniten ist es im Parlament und in der Regierung sofort nach dem Abzug der letzten US-Truppen zu Spannungen gekommen. Maliki versuchte zuletzt, seinen sunnitischen Stellvertreter Saleh al-Mutlaq aus der Regierung zu entfernen.

Erstellt am 05.01.2012