Die Kampagne von Premier Fico geriet außer Tritt.

© APA/JULIEN WARNAND

Slowakei
03/29/2014

Angst vor Ficos Machthunger treibt seine Gegner zur Wahl

Die Stichwahl um das Präsidentenamt wird zwischen Premier Fico, dem ausgekochten politischen Profi, und einem blutigen Laien entschieden.

von Konrad Kramar

Beim Amt des slowakischen Präsidenten geht es – ähnlich wie beim Kollegen in Österreich – vor allem um moralische Autorität. Und da hat der nächste Bewohner des Präsidentenpalastes in der Altstadt von Bratislava einiges gutzumachen, ganz egal, wer heute, Samstag, als Sieger aus der Stichwahl hervorgeht. Denn der Wahlkampf unterbot zuletzt auch das niedrigste politische Niveau.

Hauptverantwortlich dafür war der amtierende Premier Robert Fico, der ja seit Langem den Plan hegte, direkt vom Regierungssitz ins Präsidentenamt zu wechseln. Über Monate galt der populäre Linkspolitiker als programmierter Wahlsieger. Entsprechend konzentrierten mehr als ein Dutzend Herausforderer im ersten Wahlgang ihre Attacken auf Fico. Man warf ihm vor, den Wechsel ins Präsidentenamt nur zum Ausbau seiner Macht zu missbrauchen. Mit einem Vertrauten als neuem Premier wolle Fico das Land endgültig kontrollieren und außerdem das bisher eher zeremonielle Präsidentenamt per Gesetz zu einer Machtbasis umfunktionieren.

Kiska als Gegenmodell

Die Kampagne des Premiers, dem auch die Folgen der Wirtschaftskrise in der Slowakei zu schaffen machen, geriet außer Tritt. Aus der Vielzahl der Gegner trat ein Mann hervor, der quasi das Gegenmodell zu Fico darstellte: Andrej Kiska. Mit nur vier Prozent Rückstand auf Fico landete er einen Sensationserfolg.

Als Unternehmer im Finanzbereich zu einem Millionenvermögen gekommen, widmet sich der 51-Jährige seit Jahren nur karitativen Aufgaben. So leitet er das Kinderhilfswerk "Guter Engel". Kiska, der zuvor nie ein öffentliches Amt bekleidet hat, ist ein absoluter politischer Laie. Für die von der Politik enttäuschten Slowaken ein attraktives Angebot, auch wenn Kiska bei Auftritten oder in TV-Debatten eher naiv und unbeholfen wirkte.

Ficos Kampagne hat sich genau darauf eingeschossen, warf dem Gegner Unerfahrenheit, politische Ahnungslosigkeit vor. Als das dessen Aufschwung in den Umfragen nicht stoppte, griff man in noch tiefere Schubladen: Gerüchte, Kiska sei Mitglied der Sekte Scientology, tauchten ebenso auf wie Flugzettel, die ihn als Wucherer brandmarkten, der arme Slowaken in den Ruin getrieben hatte. Kiska aber schien das bis zuletzt nicht zu schaden. Seine Wähler, so sind sich die Meinungsmacher in Bratislava einig, haben vor allem ein Motiv: Sie wollen Fico nicht noch mehr Macht zubilligen.

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