Proteste im Iran am September 2022

Proteste im Iran am September 2022

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Politik Ausland

Amnesty: Iran foltert Kinder mit Elektroschocks und Auspeitschungen

Kinder werden laut Experten nach der Teilnahme an den Protesten grausamen Foltermethoden ausgesetzt.

03/16/2023, 06:05 AM

Im Iran sind Kinder, die an Protesten teilgenommen haben, nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International grausamen Foltermethoden ausgesetzt. Zu den Foltermethoden, die die Revolutionsgarden, paramilitÀrischen Basij, Polizei und andere SicherheitskrÀfte gegen inhaftierte Kinder im Alter von 12 Jahren angewandt haben, gehören SchlÀge, Auspeitschungen, Elektroschocks, Vergewaltigungen und andere sexualisierte Gewalt, teilte Amnesty in einer Aussendung mit.

So werde etwa berichtet, dass mehrere Buben gezwungen wurden, sich mit gespreizten Beinen in eine Reihe mit erwachsenen HĂ€ftlingen zu stellen, und ihnen Elektroschocks im Genitalbereich verabreicht wurden. "Iranische Staatsangestellte haben Kinder aus ihren Familien gerissen und sie unvorstellbaren Grausamkeiten ausgesetzt", sagte Diana Eltahawy, stellvertretende Amnesty-Regionaldirektorin fĂŒr den Nahen Osten und Nordafrika, und forderte deren Freilassung. "Diese Gewalt gegen Kinder offenbart eine gezielte Strategie, um den lebendigen Geist der Jugend des Landes zu unterdrĂŒcken und sie davon abzuhalten, Freiheit und Menschenrechte einzufordern.

EntfĂŒhrungen und Folter

Die iranischen Behörden haben laut Amnesty zugegeben, dass im Zusammenhang mit den Protesten insgesamt mehr als 22.000 Menschen festgenommen wurden. Amnesty International schĂ€tzt, dass Tausende Kinder unter den Verhafteten gewesen sein könnten. Diese seien wie Erwachsene zunĂ€chst − oft mit verbundenen Augen − in Haftanstalten gebracht worden, die von den Revolutionsgarden, dem Geheimdienstministerium, der Polizei fĂŒr öffentliche Sicherheit, der Ermittlungseinheit der iranischen Polizei (Agahi) oder den paramilitĂ€rischen Basij betrieben werden. Nach tage- oder wochenlanger Isolationshaft oder gewaltsamem Verschwindenlassen seien sie in anerkannte GefĂ€ngnisse verlegt worden.

Außerdem entfĂŒhrten Agenten in Zivil Kinder wĂ€hrend oder im Anschluss an Proteste von der Straße, brachten sie an inoffizielle Orte wie in LagerhĂ€user, wo sie sie folterten, bevor sie sie an abgelegenen Orten aussetzten, teilte die NGO weiters mit. Diese EntfĂŒhrungen seien ohne ordnungsgemĂ€ĂŸes Verfahren erfolgt und dienten dazu, Kinder zu bestrafen, einzuschĂŒchtern und von der Teilnahme an den Protesten abzuhalten.

Die meisten der in den vergangenen sechs Monaten verhafteten Kinder seien offenbar wieder freigelassen worden, manchmal gegen Kaution, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind oder ein Gerichtsverfahren eingeleitet wird. "Viele wurden erst freigelassen, nachdem sie ein 'Reue'-Schreiben unterzeichnet und versprochen hatten, sich von 'politischen AktivitĂ€ten' fernzuhalten und an regierungsfreundlichen Kundgebungen teilzunehmen", hieß es.

Foltermethoden

Viele der Kinder seien geschlagen worden; weitere Foltermethoden sind demnach Auspeitschungen, die Verabreichung von Elektroschocks, die erzwungene Verabreichung unbekannter Pillen und das Halten der Köpfe der Kinder unter Wasser. "Staatliche Bedienstete haben außerdem Vergewaltigung und andere sexualisierte Gewalt, einschließlich Elektroschocks an den Genitalien, BerĂŒhren der Genitalien und Drohungen mit Vergewaltigung, als Waffe gegen inhaftierte Kinder eingesetzt, um ihren Willen zu brechen, sie zu demĂŒtigen und zu bestrafen", teilte Amnesty mit.

Die Unterbringung in Haft sei hĂ€ufig unter "unmenschlichen" Bedingungen. Amnesty berichtete von extremer Überbelegung, unzureichendem Zugang zu Toiletten und Waschgelegenheiten, Mangel an ausreichender Nahrung und Trinkwasser, extremer KĂ€lte und lĂ€ngerer Einzelhaft. Kindern sei darĂŒber hinaus eine angemessene medizinische Versorgung verweigert worden, auch fĂŒr Verletzungen, die sie unter der Folter erlitten hatten, so Amnesty.

Proteste nach Tod von Mahsa Amini

Im Iran fordern die Menschen - und vor allem viele MĂ€dchen und Frauen - seit Monaten mehr Rechte ein. Die Proteste wurden durch den Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini ausgelöst. Sie war im September von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil sie ihr Kopftuch nicht ordnungsgemĂ€ĂŸ getragen haben soll. Aktivisten erheben den Vorwurf, dass Amini von der Polizei misshandelt wurde. Gegen die damit verbundenen Proteste gehen die SicherheitskrĂ€fte massiv vor.

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