Politik | Ausland
11.06.2014

Amerika wartet auf Hillarys Jawort

Private Organisationen werben für Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin.

Ready for Hillary" und "Madam President 2016" steht auf riesigen Aufklebern, die flotte Schlitten schmücken. Fröhliche junge Menschen fahren im offenen Wagen mit diesen Aufschriften durch Santa Monica. Die Main Street nahe am Ufer des Pazifik ist voll mit Hillary-Autos. Los Angeles ist vom Hillary Clinton-Fieber erfasst, in der kalifornischen Metropole ist der Wahlkampf voll ausgebrochen – und das mindestens ein halbes Jahr, bevor der Wettbewerb um das höchste US-Amt wirklich an Fahrt gewinnt.

"Ready for Hillary" ist eine private Organisation, ein Super PAC (Political Action Committee), die im Trendsetter-Land Kalifornien Wähler für die Demokraten mobilisiert. Die Gruppe sammelt im großen Stil Spenden und hat bereits rund sechs Millionen US-Dollar auf dem Konto. Mehrere Millionen an Unterstützern wurden auch schon zusammengetrommelt.

Im Internet kann ein Hillary-Sticker um fünf Dollar erworben werden. Es gibt aber auch T-Shirts, Einkaufstaschen, iPhone-Hüllen. Selbst Hundenäpfe in Form eines H werden angeboten.

Frauensolidarität

"Wir wollen endlich eine Frau als Präsidentin, Hillary schafft das", sagt eine Aktivistin, die kurz ihr Studium für die Hillary-PR unterbrochen hat. Auch ihre Kollegin Cheryl ist ganz begeistert bei der Sache und schwingt eine Fahne mit dem Konterfei der ehemaligen Außenministerin.

Im Büro der Demokratischen Partei in Los Angeles betont man, dass die Initiative privat sei, nichts mit der Partei zu tun habe. "Frau Clinton hat ja noch nicht einmal das Jawort gegeben", sagt eine Mitarbeiterin der Partei.

Die Organisation, die ein großes H als Logo hat, wird von zahlreichen Prominenten unterstützt. George Soros, der bekannte Hedgefonds-Manager, leitet den Finanzzirkel des Super PACs.

Zu Clintons inoffiziellem Apparat gehört auch eine "schnelle Eingreiftruppe " gegen die Angriffe der Republikaner und der Thinktank "Center for American Progress". Die Strategen haben genug zu tun. Die rechten Angriffe gegen die ehemalige Obama-Herausforderin sind voll von Häme und Lügen. Bei einem Auftritt in Kalifornien erinnerte Karl Rove, Ex-Mastermind der Bush-Administration, kürzlich an einen Zwischenfall von Hillary Clinton im Dezember 2012. Geschwächt von einem Virus stürzte Clinton damals in ihrem Haus, Ärzte stellten ein Blutgerinnsel hinter ihrer Stirn fest. Es war ungefährlich, Clinton war vier Tage zur Beobachtung in der Klinik.

Öffentlich zweifelte Rove an dem Befund, er sprach von einem "dreißigtägigen Spitalsaufenthalt und von einem Hirntrauma". Die Botschaft ist durchsichtig: Hillary Clinton ist krank im Kopf.

Große Zustimmung

Die Taktik der Republikaner ist klar. Clinton soll beschädigt werden, bevor sie den Satz sagt: "Ja, ich trete an und will die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten werden."

64 Prozent der Demokraten und unabhängigen Wähler wünschen sich die frühere First Lady als Präsidentschaftskandidatin, so die neuesten Umfragen, die in amerikanischen Zeitungen lanciert werden.

Wir waren völlig pleite und hatten Schulden

Ws ist natürlich Pflichtprogramm für einen US-Präsidentschaftskandidaten, durch "harte Zeiten" durchgegangen zu sein – Hillary Clinton hat sich diesmal allerdings denkbar ungeeignete Zeiten ausgesucht. In ihrem jüngsten Interview mit dem US-Sender ABC anlässlich der Präsentation ihres Buches "Hard Choices" plauderte die einstmalige First Lady über ihren ersten Abschied aus dem Weißen Haus. "Als wir das Weiße Haus verließen, waren wir nicht nur völlig pleite, sondern hatten auch Schulden", erzählte sie Interviewerin Diane Sawyer Montagabend: "Wir hatten absolut kein Geld und kämpften, um irgendwie die Hypotheken für ein Haus zusammenzukriegen und das Geld für Chelseas Ausbildung. Es war nicht leicht."

Ein gefundenes Fressen für die gegnerischen Republikaner, die sich sofort auf Hillarys finanzielle Beichte einschossen. Eine Multimillionärin, die 200.000 US-Dollar für jeden ihrer Auftritte kassiere und über Geldsorgen plaudere, sei offensichtlich "völlig abgehoben".

Auch die ABC-Journalistin reagierte auf Clintons Äußerungen irritiert: "Glauben Sie, dass die Amerikaner verstehen können, wenn man das Fünffache eines Durchschnitts-Jahreseinkommens für eine Rede kassiert?"

Bei den Republikanern hat man sich längst auf Hillary als Präsidentschaftskandidatin eingestellt – und auch eingeschossen. Clinton ist seit ihren Tagen als First Lady eines der zentralen Feindbilder rechter Republikaner. Falls sie also tatsächlich ins Rennen um die Präsidentschaft gehen sollte, rechnen US-Beobachter mit einer Schlammschlacht, bei der wohl auch gnadenlos private Schmutzwäsche, etwa aus der Ehe der Clintons, gewaschen werde. Für Hillary ist das allerdings, wie sie im ABC-Interview betonte, "eher ein Grund, anzutreten. Ein großes Land wie unseres sollte nicht politische Unterliga-Spiele austragen."