Clinton verließ 9/11-Gedenkfeier aus Gesundheitsgründen vorzeitig.

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Politik | Ausland
09/11/2016

9/11: "Überhitzte" Hillary Clinton verließ Gedenkfeier

USA gedachten der Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001. Clinton sei es zu heiß geworden, hieß es.

Vor 15 Jahren hielt die Welt entsetzt den Atem an, als zwei Flugzeuge in das New Yorker World Trade Center rasten - 15 Jahre später haben die USA der Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 gedacht. Bei einer Gedenkfeier am Ground Zero wurden am Sonntag die Namen der fast 3.000 Opfer verlesen, unterbrochen nur durch mehrere Schweigeminuten.

An der Zeremonie am Ground Zero, wo früher das World Trade Center stand, nahmen auch die US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump teil.

Schwächeanfall

Clinton hat am Sonntag die Gedenkfeiern für die Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig verlassen. Clinton sei zu heiß geworden, teilte ein Sprecher ihres Wahlkampfteams mit. Sie habe die Feier in New York noch vor deren Ende nach rund 90 Minuten verlassen.

Clinton sei in die nahegelegene Wohnung ihrer Tochter Chelsea gegangen und fühle sich inzwischen wieder viel besser. Später verließ die 68-jährige Kandidatin der Demokraten die Wohnung und erklärte vor Reportern, die fühle sich "großartig". Tatsächlich verließ Clinton das Apartment schon wenig später wieder - winkend und lächelnd. Äußerungen machte sie aber nicht.

Am Abend (Ortszeit) gab ihre Ärztin Lisa Bardack bekannt, Clinton habe unter starkem Husten im Zusammenhang mit Allergien gelitten. Am Freitag sei schließlich eine Lungenentzündung diagnostiziert worden. Clinton habe Antibiotika erhalten, außerdem sei ihr zu Ruhe und einem eingeschränkten Terminplan geraten worden. Die Diagnose sei bereits am Freitag erstellt worden, hieß es. Am Sonntag habe die 68-Jährige auch noch wegen der Hitze akut an Dehydration, also Entwässerung, gelitten. Bardack erklärte, sie habe Clinton nach der Veranstaltung am Ground Zero in deren Haus in Chappaqua im Bundesstaat New York untersucht. Die 68-Jährige sei versorgt worden und erhole sich nun gut.

Rückblick

Mitglieder des Terrornetzwerks Al-Kaida hatten am 11. September 2001 vier Passagierflugzeuge entführt und in die Zwillingstürme des World Trade Center sowie in das Verteidigungsministerium bei Washington gesteuert. Die vierte entführte Maschine stürzte im US-Staat Pennsylvania in ein Feld.

Um 8.46 Uhr Ortszeit fand in New York die erste Gedenkminute statt - um diese Uhrzeit war das erste Flugzeug in das World Trade Center gerast. Nur die Glocken der New Yorker Gotteshäuser durchbrachen die Stille. Auch zu den Zeitpunkten, als ein weiteres Flugzeug in den zweiten Zwillingsturm flog, als die beiden Türme nacheinander einstürzten und als die Flugzeuge am Pentagon und in Pennsylvania abstürzten, hielten Angehörige, Polizeibeamte und andere Trauergäste inne.

Obama hielt Rede im Pentagon

Präsident Obama legte mit seiner Familie eine Schweigeminute im Weißen Haus in Washington ein. Später hielt er eine Rede bei einer Gedenkfeier im Pentagon. Extremistengruppen wie Al-Kaida oder der Islamische Staat (IS) wüssten, dass sie eine Nation, die "so großartig und so stark ist wie Amerika", niemals besiegen könnten, sagte Obama. Sie versuchten deshalb, so viel Angst zu schüren, um die US-Bürger gegeneinander aufzubringen.

Die USA müssten sich deshalb auf ihre Stärken besinnen, zu denen etwa die Vielfalt der US-Gesellschaft gehöre, sagte Obama. Im amerikanischen Volk hätten sich Menschen aus jeder Weltregion, jeder Hautfarbe, jeder Religion und jedem kulturellen Hintergrund miteinander verbunden. "Das ist das Amerika, das an diesem September-Morgen angegriffen wurde", sagte Obama. "Das ist das Amerika, dem wir treu bleiben müssen."

Bereits am Samstag hatte Obama seine wöchentliche Radioansprache dem Jahrestag gewidmet. Darin bezeichnete er den 11. September 2001 als "einen der schwärzesten in der Geschichte unseres Landes". Die US-Gesellschaft dürfe keine Reaktionen auf solche Taten zulassen, "die das Gefüge unserer Gesellschaft erodieren lassen würden", sagte er. Es seien "unsere Vielfalt, unser Willkommen für alle Talente, unser fairer Umgang mit jedem - ungeachtet seiner Rasse, seines Geschlechts oder Glaubens", die die USA so "großartig" und "unverwüstlich" machten.

Zur Saisoneröffnung der Nationalen Football-Liga NFL sollten am Sonntag Videobotschaften von Obama und von George W. Bush ausgestrahlt werden, der zum Zeitpunkt der Anschläge Präsident war. Bereits am Freitag hatten die Musikkapellen der New Yorker Polizei mit Kollegen aus anderen US-Metropolen eine Parade in Manhattan veranstaltet.