Wien ist seit 1979 offizieller Amtssitz der UNO

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Politik Ausland
12/29/2020

1,35 Mrd. Euro Wertschöpfung durch Diplomatie in Österreich

51 internationale Organisationen sind in Österreich. Sie bringen Prestige, Know-how, eine hohe Wertschöpfung und sichern Jobs.

von Ulrike Botzenhart

So viel Wissen und Engagement für eine sicherere, bessere Welt: Die Liste der internationalen Organisationen, die ihren Sitz in Österreich haben, ist beeindruckend. Die UNO, seit 1979 in Wien, war und ist das Kernstück. Die UNO-City in Kaisermühlen ist mittlerweile Sitz von 19 Organisationen.

Aber auch die OSZE, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die Internationale Atomenergiebehörde IAEO oder die OPEC, die Organisation für erdölexportierende Staaten, sind Magnete für weitere Ansiedlungen.

Anerkennung

Es war nicht nur weitsichtige Politik, diese Organisationen nach Österreich einzuladen; es ist auch ein Zeichen der Wertschätzung des neutralen Staates mit seiner funktionierenden Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, einer hohen Lebensqualität und hervorragenden internationalen Schulen.

Die Wertschätzung führt wiederum zu einer Wertschöpfung in Österreich, die sich sehen lässt.

Wirtschaftlicher Effekt

Das Institut für Höhere Studien (IHS) hat den wirtschaftlichen Effekt dieser Organisationen und ihrer Veranstaltungen, der diplomatischen Vertretungen und internationalen Schulen unter die Lupe genommen.

Laut der brandneuen Studie, die auf den Zahlen von 2019 basiert, werden dadurch pro Jahr rund 18.940 Arbeitsplätze in Österreich gesichert, davon 15.437 Vollzeitstellen. Das ist ein Plus von fast fünf Prozent gegenüber der Vorgängerstudie 2018. Den jährlichen Bruttowertschöpfungseffekt beziffern die Wirtschaftsforscher auf rund 1,35 Milliarden Euro. Das bedeutet einen Zuwachs von rund drei Prozent.

Wie viel Geld das ist, das verdeutlicht vielleicht ein Vergleich: 1,35 Milliarden Euro betrug auch Österreichs EU-Nettobeitragsleistung laut dem Finanzbericht der EU-Kommission für das Haushaltsjahr 2018.

Sonderstellung in EU

Apropos EU – durchaus mit Stolz verweisen heimische Diplomaten darauf, dass Wien als einzige EU-Hauptstadt einer der vier Amtssitze der Vereinten Nationen ist (neben New York, Genf und Nairobi).

Die EU hat ihrerseits die Agentur für Grundrechte (GRA) in Wien angesiedelt. Ihre Expertise soll Entscheidungsträger auf europäischer und nationaler Ebene dabei unterstützen, Strategien und Rechtsetzung für eminent wichtige Themen zu finden: Diskriminierung, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, Datenschutz, Rechte der Opfer, Rechte der Kinder und Zugang zum Recht generell.

Hauptprofiteur

Wien ist innerhalb Österreichs der wirtschaftliche Hauptprofiteur der internationalen Organisationen, da fast alle in der Bundeshauptstadt angesiedelt sind. Aber auch auf die Bundesländer entfällt ein Bruttowertschöpfungseffekt von etwa 483 Millionen Euro.

Alle Österreicher profitieren von den Steuern und Abgaben, die dank der Anwesenheit der Organisationen an die Finanz fließen. Pro Jahr sind das rund 527 Millionen Euro – dabei ist bereits berücksichtigt, dass die Organisationen und ihre Beschäftigten weitgehend von der österreichischen Steuerpflicht ausgenommen sind.

Konkurrenz

Die wirtschaftspolitische Bedeutung liegt also auf der Hand, und auch vom Prestige und dem hier versammelten Know-how kann das Land nur profitieren. Als internationaler Amtssitz- und Konferenzstandort steht Österreich jedoch im Wettbewerb mit anderen Staaten, die über umfassende gesetzliche Regelungen zur Förderung der Ansiedlung und der Tätigkeit internationaler Organisationen und auch für die Abhaltung internationaler Konferenzen verfügen.

Amtssitz stärken

In Österreich gibt es derzeit kein zeitgemäßes und umfassendes Amtssitzgesetz, aber das soll sich rasch ändern, um der Konkurrenz anderer Staaten standhalten zu können. Vor Weihnachten ging nun ein Gesetzesentwurf durch den Ministerrat. Hat sich doch die Regierung in ihrem Programm zur aktiven Förderung von Österreich beziehungsweise Wien als Sitz internationaler Organisationen und Ort für internationale Konferenzen und Kodifizierungsverhandlungen bekannt.

Lockmittel

Im neuen Amtssitzgesetz werden die bisher in getrennten Bundesgesetzen bestehenden Regelungen und Rahmenbedingungen in einem Gesetz zusammengefasst, was Interessenten an einer Ansiedlung in Österreich einen besseren Überblick bietet.

Zudem soll mit dem Abbau bürokratischer Hürden für internationale Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und quasi-internationale Organisationen und deren Angestellte sowie Familien die Attraktivität des Standorts Österreich gesteigert werden.

Hub für Sicherheit

Konkret soll, so der Plan von Außenminister Alexander Schallenberg, der Amtssitz Wien vor allem als Hub für Sicherheit und Nachhaltigkeit mit einem Fokus auf Energie, Entwicklung und Klima-Diplomatie ausgebaut werden. Das sind die Themen der Gegenwart und Zukunft, die unweigerlich von der Menschheit gelöst werden müssen. Warum also nicht in Wien?

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