Österreich ist Gastgeber von 51 internationalen Organisationen und Diplomaten aus der ganzen Welt

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Politik Ausland
12/29/2020

Wiener Melange der internationalen Diplomatie

In und bei Wien hat sich eine Vielzahl internationaler Organisationen angesiedelt. Welche? Was machen sie? Hier eine Auswahl

von Ulrike Botzenhart

Österreich vereint als Sitz von 51 internationalen Organisationen unglaublich viel Know-how in vielen Bereichen - darunter Sicherheit, nukleare Abrüstung, Umwelt, Energie, Nachhaltigkeit und Weltall.

Sicherheit

Jedes Land der Welt steht vor der Herausforderung, seine Bürger vor organisiertem Verbrechen zu schützen. Der internationale Drogen-, Menschen- und Waffenhandel und auch Cyberkriminalität machen vor keiner Grenze halt, umso wichtiger ist die internationale Zusammenarbeit für die Sicherheit aller.

Zu den wichtigsten Sicherheitsorganisationen in Österreich zählen:

UNODC

Das in Wien ansässige Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung koordiniert alle Anstrengungen im Kampf gegen Drogenmissbrauch, Drogenhandel und organisiertes Verbrechen und hilft Ländern auch mit konkreten Projekten.

Menschen in traditionellen Drogen-Anbauregionen werden zum Beispiel dabei unterstützt, eine andere legale und nachhaltige Produktion aufzubauen, die ihre Existenz sichert. Dabei werden auch Umweltschutzstandards und fairer Handel berücksichtigt. So bauen Bauern statt Kokain jetzt Kakao an, der unter anderem zu österreichischer Qualitätsschokolade verarbeitet wird. Zu den Aufgaben von UNODC zählt auch die Korruptionsbekämpfung.

IACA

Die Internationale Anti-Korruptionsakademie in Laxenburg (Niederösterreich) schult Anti-Korruptionsexperten und fungiert als Zentrum für die Sammlung und Weitergabe von Expertise, Know-how und Erfolgsbeispielen.

OSZE

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa mit Sitz in Wien ist immer dann gefordert, wenn in Europa oder Zentralasien die Gefahr besteht, dass politische Spannungen zu militärischen Auseinandersetzungen führen.

Die OSZE betreibt Feldmissionen am Balkan, in der Ukraine, Moldau und allen Nachfolgerepubliken der UdSSR in Zentralasien. Und sie setzt auf Worte statt Waffen: Sie verhandelt vertrauensbildende Maßnahmen zwischen den 57 Teilnehmerstaaten (von den USA und Kanada im Westen über Russland bis nach Tadschikistan im Osten).

Die OSZE will Frieden sichern, zur Abrüstung beitragen und den Wiederaufbau nach Konflikten fördern. Menschenrechte, Umwelt- und Wirtschaftsfragen sind ebenfalls Themen der wichtigen Sicherheitsorganisation.

Nukleare Abrüstung

Das internationale Wettrüsten hat nach einer Abrüstungsphase zuletzt leider wieder an Fahrt aufgenommen. Durch die wachsende Verbreitung durch Nuklearwaffen ist die reale und existenzielle Gefahr, die der Menschheit dadurch droht, sogar noch größer als vor 20 Jahren.  Österreich setzt sich seit Langem  erfolgreich für Abrüstungsinitiativen ein.

Wien ist auch Sitz wichtiger Organisationen für diesen Sicherheitsbereich:

IAEO
Die Internationale Atomenergiebehörde erhielt 2005 den Friedensnobelpreis. Sie kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags – das Verbot der Verbreitung und die Verpflichtung zur Abrüstung von Kernwaffen sowie das Recht auf friedliche Nutzung von Kernenergie. Die IAEO hat ein Kontroll- und Inspektionssystem, das die Einhaltung dieser Bestimmungen (etwa im Iran) überprüft. Sie erstellt unter anderem Normen zur Verbesserung der Sicherheit in Atomkraftwerken.

CTBTO
Die Atomteststopporganisation wacht mit Messstationen weltweit darüber, dass keine illegalen Atomtests stattfinden können. Das schränkt die heimliche Entwicklung von Nuklearwaffen stark ein oder macht sie gar unmöglich.

UNODA
Das Büro der Vereinten Nationen für Abrüstungsfragen unterstützt Fortschritte zu weltweiter Abrüstung in einer Vielzahl von Foren von New York bis Wien, ist eine Zentralstelle für den Informationsaustausch, etwa zu internationalen Waffenexporten, und hilft bei der Ausarbeitung praktischer Abrüstungsmaßnahmen, etwa nach Konflikten. Das Verbindungsbüro in Wien unterstützt die Kooperation zwischen den verschiedenen Organisationen in diesem Bereich.

HCoC
Der Haager Kodex gegen die Verbreitung ballistischer Raketen betrifft jene Raketen, die Trägersysteme für Massenvernichtungswaffen sein können. Als Frühwarnzentrale fungiert das Außenamt in Wien. Hier melden 143 Staaten – und über diese auch die NASA, ESA und Privatpersonen – Trägerraketenstarts an. Wien gibt die Daten sofort an alle Mitglieder weiter und beugt so gefährlichen Fehleinschätzungen vor.

Das Wassenaar-Abkommen dient der Exportkontrolle von konventionellen Waffen und doppelverwendungsfähigen Gütern und Technologien. Hier laufen ebenfalls die Fäden in Wien zusammen.   

VCDNP
Das Wiener Zentrum für Abrüstung und Non-Proliferation führt Expertise und Menschen zusammen, um nukleare Abrüstung und Nichtweiterverbreitung voranzutreiben.

Schwerpunkt für Energie

In Wien sitzen zehn internationale Organisationen und NGOs, die sich mit Energiefragen beschäftigen und zum Vienna Energy Club zusammengeschlossen haben. Drei davon veranstalten alle zwei Jahre das Vienna Energy Forum – die Organisation der Vereinten  Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO, siehe Nachhaltigkeit), das Internationale Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA, siehe Umwelt) und Sustainable Energy for All (SE4ALL).

Damit agiert Wien als internationale Drehscheibe, von der wesentliche Impulse für die globale Energiepolitik ausgehen. Aber es gibt noch weitere Energieorganisationen in der österreichischen Bundeshauptstadt.

OPEC
Die Organisation erdölexportierender Länder, seit 55 Jahren mit Sitz in Wien, trägt bereits seit 60 Jahren dazu bei, den Ölmarkt zugunsten von Erzeugern und Endkunden zu stabilisieren und  Preisschwankungen durch äußere und innere Einflüsse zu minimieren.

SEforALL
Die quasi-internationale Organisation,Nachhaltige Energie für Alle, operiert als Plattform, um die internationalen Ziele im Energie- und Klimabereich zu erreichen – vor allem in Ländern, wo der Zugang zu Elektrizität für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung noch weitgehend fehlt.

Energy Community Secretariat – ECS
Das Sekretariat der Energiegemeinschaft hat als  Ziel, den EU-Binnenmarkt im Energiesektor auf Südosteuropa und die Schwarzmeerregion auszuweiten. Um stabile und einheitliche Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Energiemarktes zu schaffen, die Versorgungssicherheit zu erhöhen, die Umweltsituation zu verbessern sowie den Wettbewerb anzuregen.

REEEP
Die Partnerschaft für erneuerbare Energie und Energieeffizienz ist eine quasi-internationale Organisation, die Mittel mobilisiert, um den Einsatz sauberer Technologien in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen zu fördern.

Lebenswerte Umwelt

Österreich bietet auch die idealen Voraussetzungen, Organisationen zu beherbergen, die sich mit den Bergen und der Donau im Sinne des  Schutzes der lebenswerten Umwelt und der nachhaltigen Nutzung beschäftigen.

UNEP Vienna
In Wien setzt sich das Umweltprogramm der Vereinten Nationen  für die Umweltzusammenarbeit in Zentral- und Südosteuropa ein und arbeitet auch als Sekretariat der Karpatenkonvention.

ICPDR
Die Internationale Donauschutzkommission betreut eines der größten Wassereinzugsgebiete Europas, von Montenegro bis zur Ukraine, von Deutschland bis Bulgarien, und verbindet Naturschutz mit nachhaltiger Nutzung des Wassers sowie mit Hochwasserschutz.

IIASA
Das Internationale Institut für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg  forscht zu dringenden Fragen, die die Zukunft der Menschheit betreffen: Klimawandel, Energiesicherheit, Bevölkerungsalterung und nachhaltige Entwicklung. Die Ergebnisse stehen Entscheidungsträgern weltweit zur Verfügung.

IUFRO
Der Internationale Verband Forstlicher Forschungsanstalten, eine quasi internationale Organisation, vereint mehr als 15.000 Wissenschafter in gut  700 Mitgliederorganisationen in mehr als 110 Ländern. Seine Aufgabe: Förderung von Koordination und
Kooperation wissenschaftlicher Studien im Themenbereich Wald, Bäume und nachhaltige Nutzung von Wäldern.

Vielfalt der Nachhaltigkeit

Die internationale Gemeinschaft hat sich bis zum Jahr 2030 mit der „Agenda 2030“ gleich 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung  gesetzt. Sie decken unter anderem die Bereiche Umwelt, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Geschlechtergerechtigkeit, Bildung und globale Partnerschaft ab.

Die Ziele sind ehrgeizig gesetzt. So sollen unter anderem extreme Armut und Hunger weltweit beseitigt werden, das gilt auch für die Diskriminierung von Frauen. Alle Menschen auf unserem Planeten sollen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung bekommen. Und auch eine Volksschulausbildung soll garantiert werden.

UNIDO
Die Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung in Wien spielt eine wesentliche Rolle bei der Umsetzung der „Agenda 2030“. Österreich unterstützt UNIDO  bei Projekten in Moldau, Armenien, Uganda, Bhutan und auf den Pazifikinseln – wie zur Effizienzsteigerung von Klein- und Mittelbetrieben, zur Unterstützung der Jugendbeschäftigung und zum Aufbau von nachhaltigem Tourismus.

Weltall

Zu den Zukunftsthemen zählt auch der Weltraum. Wien beherbergt auch in diesem Sektor Spezialisten.

UNOOSA
Das Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen hat die internationale Kooperation zur friedlichen Nutzung des Weltalls als Ziel.  Das Büro in Wien verwaltet außerdem ein Register aller Flugobjekte, die ins Weltall gelangen.

UN-SPIDER
Bei diesem Programm der UNO geht es um Katastrophenschutz.  Es soll allen Ländern, internationalen und regionalen Organisationen den  Zugang zu relevanten raumfahrtgestützten Informationen (etwa durch Satelliten) sichern, die sie für Katastrophenmanagement und Notfallmaßnahmen brauchen.

UN-Spider hat eine Brückenfunktion zwischen Katastrophenmanagement und Raumfahrtakteuren und fördert Kompetenzentwicklung und  institutionellen Ausbau.

 

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