Warum die Zinssenkung der EZB nur ein Testballon war

Ziemlich gut Veranlagt - der Aktienpodcast mit Rüdiger Landgraf und Robert Kleedorfer
Die Europäische Zentralbank hat wie erwartet erstmals wieder die Leitzinsen gesenkt. Das freut Kreditnehmer, während Sparer weniger erhalten.

Auch die zuletzt gestiegene Inflation hat die Europäische Zentralbank (EZB) nicht davon abhalten, den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent zu reduzieren. Die Inflation war im Mai auf 2,6 Prozent gestiegen, womit sie sich wieder etwas von der EZB-Zielmarke von 2,0 Prozent entfernte. Im April lag sie noch bei 2,4 Prozent.

Die EZB hat ihre Leitzinsen im Kampf gegen die hohe Teuerung seit Mitte 2022 deutlich angehoben. Und jetzt sinkt sie wieder, aber nur leicht. Und genau das macht das weitere Vorgehen der EZB schwierig. Zumal es auch mit der Konjunktur im Euroraum wieder leicht aufwärts gehen sollte. 

Zuletzt waren für mögliche Schritte nach unten vor allem die Sitzungen im September und Dezember in den Blick gerückt. Also jeweils eine weitere Senkung in den nächsten beiden Quartalen. Eine zu schnelle und zu starke Senkung der Kreditkosten in den nächsten Monaten könnte die Konjunktur möglicherweise übermäßig stimulieren und eine zweite Inflationswelle auslösen. Die EZB hat somit die Zinsen später als die US-Notenbank Fed erhöht und früher gesenkt.

Die Zinssenkung stößt in der Finanzwelt und bei der Wirtschaft weitgehend auf Zustimmung, allerdings ist nun mehr als fraglich, ob es heuer noch zwei weitere Senkungen gibt. Das Ganze scheint eher ein Testballon gewesen zu sein und um die Erwartungen der Finanzmärkte nicht zu enttäuschen. Daher hält sich die EZB nun ziemlich bedeckt über die weitere Vorgehensweise. 

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