Versorgungssicherheit: Trotz Krisen ist Österreich gut versorgt
Österreich steht bei der Versorgung unter anderem mit Öl, Gas, Strom, Dünger sowie Lebensmitteln trotz des Ukraine-Kriegs und geopolitischer Spannungen gut da.
„Wir waren zu keinem Zeitpunkt in einer kritischen Situation“, resümiert Harald Oberhofer, Wifo-Ökonom und WU-Professor, die vergangenen Monate. Bei Öl, Gas, Benzin und Diesel gebe es zwar Preiseffekte, aber kein Problem mit der Versorgung. In Europa könnte es „Ende des Jahres“ bei Kerosin eng werden, Österreich sei aber auch hier besser aufgestellt, weil es Kerosin selbst produziere. Oberhofer ist Mitglied im Ausschuss für Versorgungssicherheit, der dem Wirtschaftsministerium zugeordnet ist.
„Österreich verfügt über eine hohe Versorgungssicherheit im Bereich der Elektrizitätsversorgung und nimmt auch im europäischen Vergleich eine führende Position ein“, sagt Sektionschef Georg Konetzky vom Wirtschaftsministerium, der den Ausschuss für Versorgungssicherheit leitet. „Die langfristige Sicherung der Energieversorgung wird durch den konsequenten Ausbau heimischer erneuerbarer Energieträger wie Wasser-, Wind-, Photovoltaik- und Biomasseenergie weiter gestärkt. Dadurch werden Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern reduziert und die Widerstandsfähigkeit des österreichischen Energiesystems erhöht.“
Auch die Gasversorgung ist gesichert. Die Gasspeicher-Befüllung laufe zufriedenstellend. „Österreich füllt seine Gasspeicher ziemlich ähnlich wie in den vergangenen Jahren, wenn auch zu höheren Preisen“, sagt Ökonom Oberhofer. Das meiste Gas komme mittlerweile aus Norwegen über Pipelines sowie als Flüssiggas (LNG) aus den USA.
Harald Oberhofer, Wifo-Ökonom und WU-Professor,
Die Gasspeicher
„Österreich kann mit 100 Terawattstunden (TWh) circa 125 Prozent des jährlichen österreichischen Gasbedarfs von rund 80 TWh einspeichern. Das ist nach Lettland der zweithöchste Wert Europas“, sagt Konetzky. „Der EU-Durchschnitt des Verhältnisses von Speicherkapazität zum Jahresverbrauch liegt bei nur 32 Prozent.“ Gasspeicher erfüllen grundsätzlich zwei Aufgaben: Einerseits dienen sie als Puffer und andererseits als Geschäftsmodell. So bestehen Gasspeicherverpflichtungen für Versorger und Betreiber von Gaskraftwerken. Auch die strategische Gasreserve wird physisch in österreichischen Speichern vorgehalten.
„Gashändler speichern im Sommer Gas zu üblicherweise günstigeren Preisen ein und verkaufen dieses im Winter zu höheren Preisen. Somit hängt der Gasspeicherstand immer auch von den Erwartungen der Gashändler ab und es ist normal, dass Gasspeicher vor dem Winter besser gefüllt sind als nach dem Winter“, so der hochrangige Beamte. „Gründe dafür, dass die Gasspeicher im Juni 2026 weniger befüllt sind als im Juni 2025, sind unter anderem unvorteilhaftere Witterungsbedingungen.“
Sektionschef Georg Konetzky, BMWET
Gas im Frühling und Sommer billiger als im Herbst
Außerdem gab es Verwerfungen am Gasmarkt aufgrund des Irankonflikts, wodurch die lange vorherrschende Logik, dass Gas im Frühling und Sommer billiger als im Herbst und Winter ist, auf den Future-Märkten nicht mehr gegeben war und somit mit der Einspeicherung zugewartet wurde.
Weder bei Lebensmitteln noch bei Düngemitteln gibt es laut Konetzky derzeit Versorgungsschwierigkeiten in Österreich und diese sind auch in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Diese Einschätzung teilt auch Professor Oberhofer.
„Österreich ist auch im Krisenfall grundsätzlich gut mit Lebensmitteln versorgt. Eine erste Studie zu vier konkreten Szenarien ist zu dem Ergebnis gekommen, dass eine strategische Bevorratung für diese Szenarien nicht notwendig ist“, so Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig. „Gleichzeitig zeigen aber globale Krisen, wie wichtig eine laufende Evaluierung möglicher Risiken und eine vorausschauende Vorsorge sind. Diese Aufgabe wird der neue Fachausschuss (siehe Artikel links) übernehmen. Unser oberstes Ziel bleibt, die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung in jeder Lage sicherzustellen“.
Antibiotika aus Kundl
Indes gibt es bei Arzneimittel Engpässe, aktuell sollen 600 Arzneimittel nur eingeschränkt oder nicht lieferbar sein. „Die Arzneimittelengpässe zeigen deutlich, wie wichtig leistungsfähige Produktionsstandorte in Europa sind. Gerade bei kritischen Medikamenten und Antibiotika braucht es verlässliche Lieferketten und eine starke industrielle Basis, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen“, sagt Konetzky. „Österreich nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Mit dem Produktionsstandort Kundl (von Sandoz) verfügt unser Land über einen der wichtigsten Standorte für die Herstellung von Antibiotika in Europa.“
Zwei Ausschüsse wurden eingerichtet. Der Ausschuss für Versorgungssicherheit im Wirtschaftsministerium ist ein Gremium im Rahmen des Bundeskrisensicherheitsgesetzes zur Beobachtung, Bewertung und Sicherung der Versorgungslage in Österreich. „Seine Hauptaufgabe besteht darin, Informationen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenzuführen und ein möglichst umfassendes gemeinsames Lagebild zu erarbeiten“, so das Wirtschaftsministerium. Im Ausschuss kommen somit Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Sozialpartnerschaft zusammen.
Der Ausschuss besteht aus Vertretern der Bundesministerien und der Bundesländer und wird durch eine Vielzahl weiterer Institutionen ergänzt. Dazu gehören u. a. Vertreter der E-Control, des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, der Austria Presse Agentur, der Austrian Gas Grid Management AG, der Arbeiterkammer, der Wirtschaftskammer, der Industriellenvereinigung, der Landwirtschaftskammer Österreich, von Wien Energie, ASCII, dem Handelsverband sowie der Wirtschaftsuniversität Wien.
Der Ausschuss tagt derzeit alle 14 Tage – auf dem Höhepunkt der Krise waren es fünf Sitzungen pro Woche.
Im Landwirtschaftsministerium wurde ein Fachausschuss eingerichtet, der mögliche Krisenszenarien bei der Lebensmittelversorgung bewertet und den Handlungsbedarf identifiziert. Das Gremium tagt alle zwei Monate. Eine strategische Bevorratung wird derzeit nicht vorgeschlagen.
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