Dubai, das sich dank seiner riesigen Ölvorkommen innerhalb von einem halben Jahrhundert von einem verschlafenen Fischerort zum internationalen Handelszentrum entwickelt hat,...

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Reportage
12/02/2021

Rekordjagd in der Wüste

Heute vor 50 Jahren verwirklichten sechs arabische Herrscher einen ehrgeizigen Plan: Sie gründeten die Vereinigten Arabischen Emirate, mittlerweile eines der reichsten Länder weltweit. Ein Lokalaugenschein

 Die Idee war kühn: 1971 schlossen sich sechs Scheichs zu einem neuen Staat zusammen: den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Ein Jahr später stieß noch ein siebentes Emirat dazu. Abu Dhabi wurde Hauptstadt. Seither hat der Ölreichtum der Region hier buchstäblich gigantische Form angenommen. Aber Öl ist nicht mehr die einzige Triebfeder, die VAE sind auch Handels-, Finanz- und Tourismusplatz geworden – und eines der reichsten Länder der Welt, das stets auf Rekordjagd ist.

2030 soll zum Beispiel ein „Hyperloop“ (Hochgeschwindigkeitszug) fertig sein, der die knapp zweistündige Fahrt zwischen Dubai und Abu Dhabi auf nur zwölf Minuten verkürzt. In Dubai steht das höchste, in Abu Dhabi das schiefste Gebäude der Welt. Der Bauboom ist ungebrochen. Stararchitekten wie Zaha Hadid haben Brücken, spektakuläre Wolkenkratzer, mondäne Clubs, Riesen-Malls und künstliche Inseln errichtet, obwohl hier viele Monate im Jahr mit über 50 Grad geradezu lebensfeindliche Bedingungen herrschen. In dieser Zeit verlagert sich das Leben in gut gekühlte Innenräume. Dubai und Abu Dhabi machen anderen glitzernden Weltstädten wie New York, Schanghai und Singapur längst Konkurrenz. Und das lange sogar steuerfrei. Erst seit 2018 gibt es eine Mehrwertsteuer von fünf Prozent.

Panorama of Dubai Marina Skyline, United Arab Emirates

Rechtlose Gastarbeiter

Am Laufen gehalten wird der Betrieb von Millionen „Leiharbeitern“, die Wohnung und Verpflegung bekommen, aber weitgehend rechtlos und meist ohne Familie hier leben. Sie machen 80 Prozent der Bevölkerung aus. Wer den Job verliert, hat das Land umgehend zu verlassen. Die Pandemie haben die VAE besser im Griff als wir: 90 Prozent der Bewohner sind vollständig geimpft, 100 Prozent haben zumindest den Erststich. Der letzte Lockdown ist rund ein Jahr her.

Die Emirate versuchen derzeit, sich auf das Ende des fossilen Zeitalters vorzubereiten und springen sogar auf den Nachhaltigkeitstrend auf. Noch ist das angesichts des gigantischen Energiebedarfs wenig glaubwürdig: Das Land gehört zu den Staaten mit dem weltweit höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf. Aber im Gegensatz zum pessimistischen Europa glaubt man hier an eine wissens- und technologiebasierte Zukunft. Diese Einstellung präsentiert sich anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums in Leuchtschrift an den Straßenrändern von Abu Dhabi: „Impressive Achievement“ (beeindruckender Erfolg) und „Progress and Development“ (Fortschritt und Entwicklung) liest man da.

„Schneller sein“

UAE-HISTORY-POLITICS-50TH-ANNIVERSARY

Natürlich prangt überall die Zahl 50. Der Jahrestag wird mit viel Pomp begangen. Sich auf dem Erreichten auszuruhen, ist keine Option. Gerade veröffentlichte Premierminister Muhammad bin Raschid Al Maktum ein Buch über seine Vision. Darin meint er: Egal, ob man Gazelle oder Löwe sei – es gehe darum, schneller als die anderen zu sein, um zu überleben. Sein neues Ziel: Man wolle den arabischen Brüdern die Hand reichen für die weitere Entwicklung, die sicher noch schwieriger werde.

VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE
Der Staat ist  eine Föderation aus sieben Emiraten auf der Arabischen Halbinsel.  Das islamische Land wirkt modern, demokratisch ist es nicht. Es hat  9,89  Mio. Einwohner, der allergrößte Teil sind Arbeitsmigranten. Die Hauptstadt Abu Dhabi ist eine der reichsten der Welt

828 Meter ist der Burj Khalifa in Dubai hoch. Die „Mall of the Emirates“ mit 350.000 Quadratmetern in Dubai beherbergt ein riesiges  Aquarium, einen Eislaufplatz und eine Skihalle. Der Dubaier Flughafen, drittgrößter der Welt, ist schon zu klein.  Das staatliche Emirates Palace Hotel in Abu Dhabi (Baukosten: 2 Milliarden €) ist eines der luxuriösesten weltweit

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