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27.10.2018

Neugieriger Nachwuchs: Die unterschätzte Gefahr

Tragische Unfälle von Kleinkindern sind leider keine Seltenheit. Vor allem Jungeltern ist zu raten, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen

Kinder sind neugierig – und oft schneller als Eltern und andere Betreuungspersonen denken. Laut Daten des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) verunglückt in Österreich alle vier Minuten ein Kind. Drei Viertel dieser Unfälle passieren zu Hause oder in der Freizeit, nur zwei Prozent im Straßenverkehr. Viele der jährlich rund 41.600 Kinderunfälle in den eigenen vier Wänden könnten vermieden werden, wenn Eltern Vorkehrungen treffen. Denn: Am meisten passiert in der Altersgruppe der unter Fünfjährigen – ein Alter, in dem die Kleinen Risiken und Gefahren gar nicht einschätzen können.

Aus dem Bett fallen

Bei Kleinkindern sind Stürze aus der Höhe die häufigste Unfallursache, meist vom Wickeltisch oder aus dem Bett. Kann sich ein Kind beispielsweise selbst am Gitterbett hochziehen, sollte der Lattenrost auf die niedrigste Stufe gestellt werden. Schneller als man denkt, gelingt es Kindern, übers Geländer zu klettern. Auch Säuglinge sollten auf dem Wickeltisch nie unbeaufsichtigt gelassen werden. Holt man „nur kurz“ eine Windel oder hebt etwas vom Boden auf, muss eine Hand am Kind bleiben. Denn schon Babys können sich durch Abdrücken mit Händen und Füßen zwar langsam, aber stetig fortbewegen.

Aus dieser Höhe kann ein Sturz bei Säuglingen und Kleinkindern zu schweren Verletzungen, insbesondere am Kopf, führen. Da der Kopf in dem Alter im Verhältnis zu anderen Körperteilen relativ groß und schwer ist, trifft er meist als Erstes auf.

Rutschfestigkeit

Am Zweithäufigsten verletzen sich Kleinkinder durch Ausrutschen und Stolpern. Oft sind sie zu schnell unterwegs, und ihr Gleichgewichtssinn muss sich auch erst entwickelt. Da hilft es, Teppiche mit rutschfesten Unterlagen zu versehen, sowie den Kindern Hausschuhe mit rutschfester Sohle anzuziehen. Wer in einem Haus lebt oder in der Wohnung Stufen hat, sollte unbedingt ein Treppengitter mit einer Höhe von mindestens 60 Zentimetern anbringen, das von Kindern nicht geöffnet werden kann. Auch auf den Stufen können die Kleinen ausrutschen und sich schwere Verletzungen zuziehen. Am besten lässt man sich im Fachhandel beraten.

Dort bekommt man auch Kindersicherungen für Steckdosen und Ecken- und Kantenschutz für Möbel, vor allem für Tische. Dann können sich Kinder – ohne ständige Verbote auf Schritt und Tritt – in der Wohnung bewegen. Das gilt auch für Fenstersicherungen. Immer wieder kommt es zu lebensgefährlichen Stürzen, weil Kleinkinder das Fenster selbst öffnen können oder zum geöffneten Fenster hinaufklettern, indem sie sich Aufstiegshilfen hinschieben. Vergangenes Jahr starben zwei Kinder in Österreich nach Fensterstürzen.

Andere Perspektive

Kinder nehmen ihre Umgebung einfach anders wahr als Erwachsene. Und das führt häufig zu Unfällen. Aus ihrer Perspektive ist zum Beispiel das Brutzeln oben am Herd sehr interessant. Erreichen sie irgendwie den Pfannenstiel, wollen sie daran ziehen, um zu sehen, was da so gut duftet und eigenartige Geräusche von sich gibt. Diese Neugier hat leider oft Folgen: Verbrennungen und Verbrühungen in der Küche sind etwa gleich häufig wie Unfälle durch Ausrutschen und Stolpern. Rund 2700 Kinder müssen jährlich aufgrund derartiger Verletzungen behandelt werden. Besonders in der kälteren Jahreszeit, in der häufiger Tee und Suppe gekocht werden, kommt es täglich zu bis zu zehn Verbrennungs- und Verbrühungsunfällen bei Kindern. Pfannenstiele sollten daher nach hinten gedreht und möglichst die hinteren Herdplatten verwendet werden.

Ein typischer Unfallhergang ist, dass Kleinkinder am Kabel des gefüllten Wasserkochers ziehen. Daher sollten sich Gegenstände auf der Küchenplatte sowie die Kabel von Küchengeräten außer ihrer Reichweite befinden. Klemmschutz-Vorrichtungen für Laden, in denen sich z. B. Messer, Putzmittel oder Medikamente befinden, sowie Kindersicherungen für Backofen und Herd, kosten nicht viel, können aber das Risiko schwerer Unfälle verringern.

Gibt es in der Wohnung Glastüren, Spiegel oder Tischplatten aus Glas, sollten Eltern darauf achten, dass es sich um Sicherheitsglas handelt. Große Fenster oder Terrassen- und Balkontüren können mit Aufklebern versehen werden, damit Kleinkinder sie besser sehen, wenn sie durch die Wohnung düsen. Herabhängende Kordeln von Vorhängen und Jalousien werden besser entfernt, da Kinder sich daran strangulieren können.

Wasser ist immer gefährlich

Wer im Garten einen Pool oder Teich oder auch nur ein Planschbecken oder eine Regentonne hat, muss besonders aufpassen. Nach wie vor ist Ertrinken die häufigste Todesursache für Kleinkinder. Sie ertrinken lautlos, da sie bis zu einem Alter von etwa drei Jahren ihren Kopf nicht selbstständig aus dem Wasser heben können und sich aus Angst nicht wehren oder bemerkbar machen. Das gilt schon bei einer Wassertiefe von zehn Zentimetern oder weniger, weshalb Kleinkinder auch in der Badewanne niemals unbeaufsichtigt sein sollten. Pool und Teich können mit einem Zaun oder Alarm gesichert werden.

Zwar können derartige Maßnahmen und noch so wachsame Eltern Unfälle in den eigenen vier Wänden nicht immer verhindern, aber das Risiko sinkt deutlich. Eine gute Checkliste bietet der Zivilschutzverband, der vor diesen unterschätzten Gefahren warnt (www.zivilschutzverband.at).