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ngen
08/25/2019

Neos fordern: Bei Terminnot soll Kasse den Wahlarzt bezahlen

Gesundheitssprecher Loacker kritisiert „Verhöhnung“ der Beitragszahler und will Kassen „motivieren“, mehr Stellen zu schaffen

von Raffaela Lindorfer

Seit 2008 stagniert die Zahl der niedergelassenen Kassenärzte in Österreich, und das bei einem Bevölkerungswachstum von rund sieben Prozent. Die Zahl der Über-75-Jährigen ist sogar um 25 Prozent gestiegen; eine Altersgruppe, die noch viel öfter ärztliche Betreuung braucht. Zugelegt – und zwar kräftig – hat die Zahl der Wahlärzte: plus 42,3 Prozent in den vergangenen zehn Jahren.

Einen Boom gab es da vor allem im spezialisierten Bereich: 2008 gab es insgesamt 7052 Wahlärzte, davon 4962 Facharztpraxen. Mit Stichtag 1. Jänner 2019 waren es insgesamt 10.037, davon 7065 Fachärzte.

 

Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Neos. „Die Kassen bauen die Versorgung schleichend ab“, resümiert Neos-Gesundheitssprecher Gerald Loacker. Der Zuwachs an Wahlarzt-Stellen sei „eine Verhöhnung“ der Beitragszahler. Viele weichen zu Wahlärzten aus, weil sie beim Vertragsarzt lange keinen Termin bekommen – „wenn sie es sich leisten können“, fügt Loacker hinzu. Nur ein kleiner Teil der Wahlarzt-Kosten wird von der Kasse refundiert, um die 90 Prozent bezahlt der Patient aus eigener Tasche.

Regulierungen für Private?

Die Pinken wollen diese Entwicklung einbremsen – und lassen jetzt im Wahlkampf mit einer neuen Forderung aufhorchen: Wenn in einem für den Patienten „zumutbaren Zeitraum“ kein Termin bei einem Kassenarzt zu bekommen ist, soll die Krankenkasse den Wahlarzt bezahlen – zur Gänze.

So will man die Kassen dazu motivieren, wieder mehr Kassenstellen zu schaffen – und diese auch für Ärzte attraktiv zu machen. Einen Versuch, den niedergelassenen Bereich zu stärken, machte die SPÖ 2018 mit dem neuen Modell der „Primärversorgungszentren“. In Wien gibt es aktuell zwei, in Niederösterreich drei, in Oberösterreich und der Steiermark jeweils vier davon. Generell scheinen Gruppenpraxen, die sich zwei oder mehrere Ärzte teilen, ein Erfolgsmodell zu sein: Laut Anfragebeantwortung gab es 2010 erst 179 gemeldete Gruppenpraxen, im Juli 2019 schon 484, also mehr als doppelt so viele.

In Wien sorgte zuletzt die Überlegung von SPÖ-Stadtrat Christian Hacker, die Privatmedizin einzuschränken, für Aufregung. Die Ärztekammer lehnt Regulierungen ab und fordert stattdessen 1.300 zusätzliche Stellen für Kassenärzte.