Demonstrativ tierlieb: Johnson-Verlobte Carrie Symonds

© APA/AFP/OLI SCARFF

ngen
02/05/2021

Im britischen Parlament sind die Tiere auf der Tagesordnung

Mehr Rechte für Tiere. Premier Johnsons Verlobte ist Motor einer neuen, ziemlich animalischen Politik.

Als „leidenschaftliche Verfechterin der Tierwelt und des Naturschutzes“ lobte der Chef der britischen Tierschutzorganisation Aspinall Foundation Carrie Symonds. Anlass war die Ernennung der Verlobten von Premier Boris Johnson zur Kommunikationschefin der Stiftung, die sich für die Erhaltung gefährdeter Arten einsetzt. Weil sie großen Einfluss auf ihren Lebensgefährten habe, könne es heuer im britischen Parlament, wie auch schon 2020, des Öfteren animalisch zugehen, meinen Experten.

Hundediebstahl

Johnson hatte etwa den Brexit früher schon als Chance für neue Tierrechte beschrieben. Und Themen wie „Dognapping“, also Hundediebstahl, und das Recht auf Vierbeiner in Mietwohnungen bieten Parlamentariern dieser Tage eine Chance, zwischen wilden Corona-Debatten ihre Krallen auszufahren.

„Bringt Stimmen“

„Johnsons Regierung kam Ende 2019 mit neun Wahlversprechen zum Tierschutz an die Macht“, erklärt David Bowles von der Tierrechtsorganisation RSCPA dem KURIER. „Sie weiß, das bringt Stimmen“. Ein Jahr später startete sie Beratungen zu zwei der versprochenen Gesetze, die heuer beschlossen werden könnten. Sie sollen das Halten von Primaten als Haustiere und die Ausfuhr lebender Schlacht- und Masttiere verbieten.

Welpen-Schmuggel

Da die vier Teile Großbritanniens den Tierschutz selbst regeln, gelten in London gemachte Gesetze meist nur für England, aber das Exportverbot soll auch Wales abdecken. Als weitere parlamentarische Leckereien könnten heuer auch Maßnahmen gegen Welpen-Schmuggel und die Anerkennung von Tieren als fühlende Wesen angeboten werden. „Das ist besonders wichtig“, denn nach dem Brexit gilt im Land die entsprechende EU-Richtlinie nicht mehr“, sagt Steven McCulloch, Tierarzt und Senior Lecturer für Mensch-Tier-Studien an der Winchester Universität, dem KURIER.

"Ein gefundenes Fressen"

„Ich bin aber skeptisch, dass der Brexit gut für Tierschutz wird, auch wenn er das Lebendexportverbot ermöglicht“, sagt McCulloch. Laut Schätzungen gibt es mehr als 50 Millionen Haustiere in 41 Prozent aller britischen Haushalte. Und „Johnson ist Populist“, sagt der Tierarzt, „solche Themen sind für ihn ein gefundenes Fressen“.

Hunde-Entführungen

Auch so mancher konservative Hinterbänkler bring da Tier-Initiativen ein. Tom Hunt aus Ipswich wollte etwa kürzlich Haustier-Diebstahl als eigenen Straftatbestand etablieren. Die Organisation DogLost verzeichnete im ersten Lockdown Ende März bis Ende Mai 65 Prozent mehr Hunde-Entführungen als im gleichen Zeitraum 2019. „Haustiere werden uns in Rekordzahlen entrissen, wenn wir ihre Kameradschaft am dringendsten brauchen“, sagte Hunt und beklagte, die Gesetzeslage „behandelt sie bisher wie leblose Gegenstände wie Handys und Laptops“.

In ein fortgeschrittenes Stadium kam diese Woche ein von der Regierung unterstützter Gesetzesvorschlag, der Haftstrafen in England und Wales für Tier-Misshandlung von maximal sechs Monaten auf bis zu fünf Jahre erhöhen würde. „Nicht alle Initiativen werden zu Gesetzen werden“, sagt McCulloch, aber er hofft auf Fortschritt dank des Einflusses der „aufrichtigen Tierschützerin“ Symonds auf den Platzhirschen Johnson.

Vielleicht war da die Weihnachtskarte des Premiers ja ein Signal, dass 2021 für Gleichgesinnte tierisch gut werde. Sie zeigte seinen Jack Russell Terrier Dilyn.

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