ID.3 Neo läutet den großen Neubeginn bei Volkswagen ein

Die zweite Generation von VWs erstem echten E-Auto führt eine neue Modellfamilie an. Sie soll spezielle Extras bieten.
VW ID.3 Neo von seitlich vorne.

Mit Stabilität, Sympathie und speziellen Extras will der kriselnde Volkswagen-Konzern wieder auf die Erfolgsspur einschwenken. Mit dem Slogan "Pure Positive" soll eine neue Modellfamilie gesunkene Verkaufszahlen und einen massiven Personalabbau vergessen machen. Das erste Exemplar dieser Reihe ist der VW ID.3 Neo. Er startet nun in den Vorverkauf.

Soll "sich wieder wie ein echter VW anfühlen"

"Wir haben unseren Kern vergessen", übt Thomas Schäfer, CEO der Marke Volkswagen bei der Präsentation in Hamburg Selbstkritik. 2022 sei er als ehemaliger Skoda-Chef angetreten, um "Autos zu bauen, die sich wieder wie echte VWs anfühlen". Alltagstauglichkeit und intuitives Verstehen seien wieder gefragt. Dazu kommen sollen Emotionen, meint Entwicklungsleiter Kai Grünitz. "Früher wurde ein neues Auto Freunden immer stolz vorgestellt. Das wollte ich zurück bringen."

Das Resultat der Anstrengungen ist zunächst die nächste Generation des ID.3, den VW 2019 als sein erstes reines E-Auto präsentiert. Sie wartet mit einem neuen Design, neuem Interieur und einem neuen Antrieb auf. Die Front ziert das neue Familiengesicht der ID-Reihe, mit beleuchtetem Logo und einem daran ansetzenden freundlichen Lächeln aus LEDs. Vor den Radkästen gibt es nun Luftdurchlässe, die "Air Curtains", welche die Aerodynamik verbessern sollen.

Einheitlicher Farbverlauf, luftige Felgen: Der neue ID.3 sieht dem älteren dennoch ähnlich.

Einheitlicher Farbverlauf, luftige Felgen: Der neue ID.3 sieht dem älteren dennoch ähnlich.

Aus der Batterie mehr Kilometer herausholen

Stolz ist VW auf den neuen Antrieb. In zwei der drei Varianten kommt der äußerst effiziente APP350-Motor zum Einsatz. Im sportlichen Topmodell ist es der 170 kW (231 PS) starke APP550. Dazu kommen drei Batteriegrößen (50, 58 und 79 kWh). Mit der größten sollen bis zu 630 Kilometer Reichweite möglich sein. Der effiziente Antrieb soll aber auch aus den kleineren Batterien deutlich mehr Kilometer herausholen.

Innen gibt es eine Rennaisance der Knöpfe

Im Innenraum gibt es auffällige Veränderungen - und eine Rückbesinnung. Mehr Stoffe und andere Materialien  - mit erhöhtem Recycling-Anteil - sollen Wohnzimmer-Atmosphäre schaffen. Das Lenkrad wurde oben und unten abgeflacht und soll so bei assistiertem Fahren gemütlicher zu halten sein. Touch-Bedienflächen sind verschwunden, es gibt eine Renaissance der Knöpfe. Das Lenkrad ist voll davon. Auch in der Mittelkonsole gibt es eine Reihe von Knöpfen, die dank genoppter Oberfläche gut zu greifen sind. Zentral in der Mittelkonsole sitzt ein Lautstärke-Regler, den man drehen und drücken kann.

Der Innenraum des ID.3 Neo soll Gemütlichkeit und mehr Haptik vermitteln.

Der Innenraum des ID.3 Neo soll Gemütlichkeit und mehr Haptik vermitteln.

Gelungenes Infotainmentsystem mit Retro-Modus

Es gibt ein 10,25 Zoll großes Fahrerdisplay und ein 12,9 Zoll großes Mitteldisplay. Letzteres ist gerade nach vorne orientiert. In den VW soll Demokratie herrschen, keine Dominanz des Fahrers. Auf die Software des Infotainmentsystems wurde spürbar viel Wert gelegt. Das Entwicklerteam hat sich jahrelange Erfahrungen von ID.3-Fahrern zu Herzen genommen und ein verständliches, einfach aufgebautes Bedienkonzept umgesetzt.

Als besonderes Schmankerl gibt es einen "Retro-Modus", bei dem Anzeigen im Stil des Golf I aus den 70er-Jahren erscheinen. Sogar Google Maps erscheint dabei in einem stilisierten Röhrenbildschirm.

Das Cockpit im Retro Mode: Anzeigen im Stil der 70er-Jahre.

Das Cockpit im Retro Mode: Anzeigen im Stil der 70er-Jahre.

Nun auch mit nur einem Pedal fahrbar

Assistenzsysteme, die in der Praxis manchmal nerven, sind im neuen Infotainmentsystem ganz leicht auffind- und deaktivierbar. Neu ist der "Connected Travel Assist", der das Fahrzeug automatisch vor roten Ampeln zum Stehen bringt. Außerdem erhält der ID.3 endlich One-Pedal-Driving, bei der das Auto alleine durch Loslassen des Gaspedals bis zum Stillstand bremst.

Kofferraum bleibt Schwachstelle

Das Soundsystem kann optional von Harman Kardon kommen. Relativ knapp bemessen bleibt im ID.3 Neo der Kofferraum. Er schluckt wie beim Vorgänger nur 385 Liter. Ein Gepäckabteil unter der Fronthaube (Frunk) gibt es weiterhin nicht. Der ID.3 Neo soll für Leistung, Reichweite und Sitzkomfort stehen, weniger für Laderaum. Die reguläre Markteinführung soll im Juli erfolgen.

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