130.000 Gäste kommen jährlich auf die Wurzeralm. In einige Liftanlagen müsste dringend investiert werden.

© OÖ. Tourismus/Hermann Erber

Leitartikel
11/05/2021

Können wir die Wintersaison schon vergessen?

Wir erleben eine vierte Corona-Welle, die sich gewaschen hat. Da vergeht den Auslandstouristen wohl die Winterreise nach Österreich.

von Wolfgang Unterhuber

Lockdown! Dieses Wort steht für das Versagen der Politik, der Verwaltung und der gefühlt Tausenden Expertinnen und Experten im Kampf gegen die Pandemie. Fällt einem nichts mehr ein, lässt man das eigene Unvermögen an der Wirtschaft aus. Das gilt weltweit. Hierzulande geistert das Lockdown-Gespenst auch schon wieder herum. Etwa gestern bei einer Tourismus-Konferenz der Länder. Dort sagten die Landeschefs von Tirol und Salzburg sowie Tourismusministerin Köstinger zwar, dass es keinen Lockdown geben werde/dürfe/solle – aber so ganz klar war das nicht.

Die drei Spitzenpolitiker sagten noch etwas anderes. Nämlich: Es werde/solle/müsse eine Wintersaison geben. Aber wie sieht es aus? Wir haben eine vierte Welle, die sich gewaschen hat. Die Impfung hat die Pandemie also nicht, wie lange suggeriert wurde, weggezaubert. Zugleich versucht die Politik durch die Hintertür den Druck auf die Ungeimpften zu verschärfen. Zu diesem Zweck wurden und werden Stufenpläne und Endlos-Regeln gebastelt. Mit bisher mäßigem Erfolg.

Für die bevorstehende Wintersaison sind das keine tollen Voraussetzungen. Schon die Saison 2019/20 war verhagelt, weil ab März 2020 Schluss mit spätsaisonaler Pistengaudi war. Dazu nur ein paar Zahlen: Vor Corona übernachteten 73 Millionen Wintergäste in Österreich. Vor zwei Jahren waren es 60 Millionen – im Vorjahr 5,6 Millionen. Und heuer? Laut einer Umfrage des Instituts für Tourismusforschung in Kiel planten bis vor Kurzem 26 Prozent der befragten Deutschen einen Winterurlaub in Österreich.

Die Deutschen sind übrigens unsere wichtigsten Wintergäste aus dem Ausland. Denen wird angesichts der jüngsten Entwicklungen die Lust auf eine Winterreise nach Österreich jetzt wohl vergehen. Wirtschaft ist eben auch viel Psychologie. Stufenpläne, 2-G oder 3-G: Im Ausland werden die Neuinfektionen gesehen. Volkswirtschaftlich wäre ein neuerlicher „Winter-Gau“ eine Katastrophe. 4,8 Prozent soll das Wirtschaftswachstum nächstes Jahr betragen.

Ohne Wintersaison kann man da schon einmal 1 bis 1,5 Prozent abziehen. Dazu kommen die Auswirkungen auf nachgelagerte Branchen. Kein Wirt, kein Bäcker (der Brot zuliefert), kein Tischler (der für den Bäcker Regale zimmert) lautet eine Formel. Gleichzeitig kämpfen Gastronomie und Hotels in den Wintersportgebieten mit Personalmangel. Die Folge: Angebote müssen reduziert werden.

Nach zwei Lockdown-Saisonen haben viele Fachkräfte einen anderen Job gefunden und wollen sich auf ein ungewisses Saison-Abenteuer nicht mehr einlassen. Zehn Millionen Euro bläst die Österreich-Werbung aktuell für ihre Kampagne „Winterliebe“ raus. Herauskommen könnte der große Winterfrust.

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