Skiers sit in a chair lift at Mount Titlis skiing area near Engelberg

© REUTERS / ARND WIEGMANN

Wirtschaft
10/01/2021

Wintertourismus: "2023 frühestens wieder so wie 2019"

Zu viele Einflussfaktoren erschweren eine konkrete Prognose auf die kommende Wintersaison laut Wifo.

Wie wird der kommende Winter für die Tourismusbranche? Die Antwort auf diese Frage vergleicht der Wifo-Tourismusexperte Oliver Fritz mit dem sprichwörtlichen "Blick in die Glaskugel". Er wagt nur ein vages Szenario anstelle einer konkreten Prognose. Denn es gebe zu viele Einflussfaktoren, erläuterte er bei einem Journalistensymposium der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Österreiche (WKÖ) am Donnerstag und Freitag in Neufelden im Bezirk Rohrbach (OÖ).

Faktor Impfquote und Infektionszahlen

"Es wird einen Winter geben", versicherte Fritz, aber der Wintertourismus unterliege vielen in ihrer Wirkung derzeit unabsehbaren Einflussfaktoren. Ganz oben nannte er die Entwicklung der Infektionszahlen im In- und Ausland und die Impfquote. Die aktuelle sei für Österreich ein Wettbewerbsnachteil. Somit sei Impfen nicht nur eine persönliche Entscheidung. Wenn die Quote so hoch wie in Dänemark wäre, könnte man die Pandemiefreiheit ausrufen.

Planungsunsicherheit

Zutrittsbeschränkungen für Seilbahnen, Hotellerie und Gastronomie - inklusive Après-Ski - hätten widersprüchliche Effekte. Positiv: Sie würden das Vertrauen in ein sicheres Urlaubserlebnis stärken und könnten weiters Infektionscluster und in der Folge internationale Reisebeschränkungen verhindern. Letzteres hänge wie ein Damoklesschwert über dem Tourismus. Ein "Ischgl Nummer zwei" dort oder anderswo müsse unbedingt verhindert werden.

Negativ: Zutrittsbeschränken würden insgesamt den Gästepool verringern und das Urlaubserlebnis beeinträchtigen. Fritz wies ausdrücklich darauf hin, dass Après-Ski nicht nur bei jungen, sondern auch bei älteren Gästen Bedeutung für das Urlaubserlebnis habe. Planungssicherheit sei wichtig, die gesetzlichen Grundlagen würden aber noch fehlen - beispielsweise, ob es Wochenkarten für Aufstiegshilfen nur mit 2G geben werde. Ein weiterer Einflussfaktor für den Wintertourismus sei der Arbeitskräftemangel.

Winter nich nur Alpintourismus

Fritz stellte mit Bedauern fest, dass keine Statistiken über erfolgte Buchungen zur Verfügung stünden. Man sei auf einzelne und damit nicht repräsentative Auskünfte von Beherbergungsbetrieben angewiesen. Demnach dürfte die Buchungslage bis in den Februar gut sein. Die Wintersaison sei mehr als alpiner Wintertourismus, nämlich auch Städtereisen mit Weihnachtsmärkten oder Thermen, nicht zu übersehen sei auch die Bedeutung von Tagesgästen.

Bei der längerfristigen Perspektive für ein "Comeback" des Tourismus vermutet Fritz, dass es "2023 frühestens wieder so wie 2019 wird". Das hänge aber vom Pandemieverlauf ab. Insgesamt bestehe eine ungebrochene Reiselust. Die vergangenen Sommer mit einigermaßen guten Gästezahlen hätten für die Branche immerhin Atempausen gebracht. Das seien allerdings "geborgte Gäste" gewesen, die sonst lieber woanders Urlaub gemacht hätten.

Auch Geschäftsreisen würden in Zukunft weniger werden. Unklar sei noch, wie viele Betriebe die Krise überleben. Es gebe derzeit in Österreich einen Insolvenzüberhang von 2.000 Unternehmen, davon die Hälfte in der Gastronomie.

Anhaltender Arbeitskräftemangel

Der Klimawandel berge Chancen und Risken: Länder im Süden seien wegen der Temperaturen nicht mehr zu bereisen, Alpenländer schon. Dort werde allerdings die Zahl der Schneetage abnehmen. Dem könne man mit technischen Anlagen noch lange entgegenhalten, doch damit werde der Winterurlaub noch teurer, was auf der Nachfrageseite zu spüren sein werde. Der Arbeitskräftemangel sei ein langfristiges Thema.

Lohnerhöhungen würden helfen, aber die Inflation antreiben. Für die Rekrutierung ebenso wichtig wären Ganzjahresarbeitsplätze, verkraftbare Arbeitszeiten, leistbares Wohnen und Kinderbetreuung. Der WKÖ-Bundesspartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft, Robert Seeber, ging ausführlich auf den Arbeitskräftemangel ein. "Er wird schlimmer und das Thema wird uns erhalten bleiben." Die Unternehmen seien gefordert, mehr auf die Mitarbeiter zuzugehen.

Etwa durch die Zusammenarbeit von mehreren Hoteliers, um gemeinsam Personal-Unterkünfte zu bauen oder anzumieten. Die Rolle des Staates wäre, dies zu fördern. Missstände in der Lehrlingsausbildung wie etwa Ausbeutung seien so gut wie vorbei, aber die ganz wenigen "schwarzen Schafe" würden der Branche immer wieder vorgehalten.

Das sei nicht gut in der Außenwirkung auf potenzielle Mitarbeiter aber auch Gäste. Auch für ihn ist der Schlüssel für eine gute Entwicklung eine hohe Impfquote, um sich als sicheres Urlaubsland präsentieren zu können. "Leider wird das Thema politisch missbraucht", bedauerte Seeber.

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