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Leitartikel
10/02/2020

Wellenreiten

Eine Pleitewelle kann der Staat nicht aufhalten. Aber er muss dafür sorgen, dass gesunde Unternehmen dabei nicht untergehen.

von Wolfgang Unterhuber

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck will das Lkw-Werk von MAN in Steyr retten. Dort werden spätestens in zwei Jahren 2.300 Beschäftigte ihren Job verlieren. Der MAN-Konzern läuft seit Jahren unter Plan.

Außer dem schwachen Absatz moniert die Konzernmutter Volkswagen vor allem die niedrige Rendite.
Selbst in guten Zeiten blieben bei MAN kaum mehr als drei Prozent Marge übrig. Die Konzernschwester Scania macht drei- bis viermal so viel Rendite. Schon vor der Corona-Krise drohte das Unternehmen in die roten Zahlen zu rutschen. Auch mit den 2021 in Kraft tretenden EU-Emissions-Richtlinien hat das Unternehmen zu kämpfen. Denn die Entwicklung von Elektro- und Wasserstoffalternativen ist kostspielig. MAN schließt deshalb auch Werke in Deutschland. Und verlagert sie wie Steyr teilweise nach Polen. Dort sind die Lohnnebenkosten niedriger.

Lkw werden in Steyr ab 2023 also sicher nicht mehr gebaut. Deshalb denkt Schramböck unter anderem offensichtlich auch an die Errichtung eines neuen E-Mobility-Standorts. Gut möglich, dass den oberösterreichischen Autozulieferern dazu eine kreative Idee einfällt. Besser wäre es gewesen, die heimische Politik hätte da schon vor Jahren bei Elon Musk angerufen. Der baut bekanntlich eine Tesla-Gigafactory ums Eck. In Deutschland. Nicht hier.

Stellt sich die Frage, ob die Politik überhaupt Standorte und Unternehmen retten soll? Wenn es einen Markt für die Produkte und damit eine Zukunftsperspektive gibt, dann ja. Ex-US-Präsident Barack Obama hat 2009 zahlreiche Großbanken und fast die komplette Autoindustrie in Detroit not-verstaatlicht, um die USA vor einer Depression zu bewahren. Das war richtig. Die Unternehmen wurden saniert. Danach – das ist wichtig – zog sich der Staat aber auch wieder aus den Unternehmen zurück.

In Österreich gab es zuletzt viel Aufregung wegen der Staatshilfe für die AUA. Die Hilfe war richtig. Keine AUA, kein Flughafen Wien/Schwechat in dieser Größenordnung. Kein Flughafen, keine damit verbundene Zuliefer-Wirtschaft. Zehntausende Jobs stehen rund um diesen Standort auf dem Spiel.

Rettet die Politik jedoch strukturschwache Unternehmen, ist das ein fahrlässiger Umgang mit Steuergeldern. Nationalbankgouverneur Robert Holzmann warnte schon zu Beginn der Krise davor, dass durch die flächendeckenden Hilfspakete viele Unternehmen künstlich am Leben erhalten würden. Er wurde dafür nahezu geprügelt. Aber er hatte recht. Die Politik will derzeit nicht nur eine zweite Viruswelle hinausschieben, sondern stemmt sich gleichsam mit Händen gegen eine Pleitewelle. Das Dumme an Wellen ist: Man kann sie nicht aufhalten. Man kann nur auf ihnen surfen.

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