© REUTERS/Mike Blake

Kommentar
08/11/2020

Vergleiche mit Obama hat eine Kamala Harris nicht nötig

Harris‘ Nominierung ist eine Einladung an die US-Bevölkerung, gesellschaftliche Probleme gemeinsam zu bekämpfen, ein Schritt zur nationalen Versöhnung ist es noch nicht.

von Armin Arbeiter

„Schone mich, Kind“, bat Joe Biden scherzhaft seine damalige Konkurrentin Kamala Harris (55!) bei einer Podiumsdiskussion zu den US-Vorwahlen. Jetzt sagen die beiden gemeinsam US-Präsident Donald Trump den Kampf an. Ein ungleiches Duo: Hier der 77 Jahre alte Joe Biden, der den Wahlkampf zumeist von seinem Haus in Delaware aus bestreitet, dort Kamala Harris, seine angriffslustige „running mate“.

Dass die Tochter eines Jamaikaners und einer Inderin um das zweitwichtigste Amt der Vereinigten Staaten von Amerika kämpft, ist ein starkes Signal Bidens an die „Black Lives Matter“-Bewegung. Vor allem aber hätte Harris im Falle eines erfolgreichen Wahlkampfes die Möglichkeit, sich in der kommenden Legislaturperiode als präsidentschaftsreif zu präsentieren.

Biden, der 2024 82 Jahre alt sein wird, will dann nicht mehr antreten – Harris hätte dann große Chancen, die erste US-Präsidentin der USA zu werden. Die Vergleiche, die mit traumwandlerischer Sicherheit in den kommenden Stunden und Tagen zu Barack Obama gezogen werden, hat eine Kamala Harris nicht nötig.
 

Die starke Frau hat es aus eigener Kraft vom Einwandererkind in die hohen Sphären der Politik gebracht. Nach Jahren als Staatsanwältin in San Francisco wurde sie 2011 als erste Frau und erste Schwarze Generalstaatsanwältin und damit Justizministerin von Kalifornien. Sechs Jahre später zog sie in den Senat in Washington ein, als zweite nicht weiße Frau in der Geschichte.

Obwohl im Wahlkampf als progressiv auftretend, ist sie mehr dem moderaten Flügel ihrer Partei zuzuordnen, was beim Großteil der Wählerschaft sicherlich kein Fehler ist. Ihre "Law and Order"-Politik ist durchaus hart. Doch vor allem in puncto strukturellem Rassismus vertritt Harris eine klare Linie, die der Trumps diametral entgegensteht.

Harris‘ Nominierung ist eine Einladung an die US-Bevölkerung, dieses gesellschaftliche Problem gemeinsam zu bekämpfen, ein Schritt zur nationalen Versöhnung ist es noch nicht. Denn in diesem Wahlkampf wird niemand geschont werden.  

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