Wieviel Technik braucht Schule - und vor allem welche Technik? Bei der Veranstaltung Schule 3.0 wurden interaktive Smart Boards und individuelle Schulbücher vorgestellt.

© Felix Pergande/Fotolia

Meinung
01/18/2017

Streitfall Schule

GASTKOMMENTAR

Ein optimaler Unterricht ist nur in kleinen, homogenen Lerngruppen möglich

Mag. Herbert Paukert | über die Kernprobleme in der Schule

Wieder haben österreichische Schüler am Abschluss ihrer Pflichtschulzeit in einem internationalen Test nur durchschnittliche Leistungen erbracht. Statt die Probleme offen und konstruktiv zu lösen, streiten Politiker und Gewerkschafter schon jahrelang über Ideologien und Statistiken.

Heterogenität

Ein Kernproblem ist, dass in unsere Sekundarstufe Kinder mit sehr unterschiedlichem Bildungsgrad eintreten. Diese Heterogenität wird noch verstärkt durch Flüchtlingskinder aus bildungsfernen Familien. Frühzeitige Selektion in getrennte, unterschiedliche Schulformen ist diskriminierend und ungerecht. Stattdessen sollte in einer gemeinsamen Schule in kleinen homogenen Lerngruppen differenziert unterrichtet werden. Dazu ist die Gliederung des Lernstoffes in eine wohldefinierte Basis und in Erweiterungen unbedingt notwendig. Bei einer vernünftigen Aufteilung der Ressourcen ist ein solches Schulsystem wirtschaftlich durchaus realisierbar.

Klassengröße

Einige "Schulexperten" behaupten, dass der Lernerfolg nicht von der Klassengröße abhängt. Das ist Unsinn. Je größer die Klasse, umso größer der störende Lärmpegel – gerade in einer Zeit von multimedialen Hirnzersplitterungen und Aufmerksamkeitsdefiziten der Kinder. Umso größer ist auch der Energieaufwand des Lehrers, das Hintergrundrauschen zu reduzieren. Diese Energie fehlt ihm dann beim eigentlichen Unterrichten. Eine Hilfe wäre, wenn Disziplin und Ordnung eine größere Gewichtung hätten. Das ist aber nicht der Fall.

Einige "Schulexperten" behaupten, dass auch in sehr heterogenen Klassen erfolgreich unterrichtet werden kann (Binnendifferenzierung). Das ist Unsinn. In solchen Klassen ist der schlechte Schüler überfordert, der gute Schüler langweilt sich, der Lehrer ist überlastet und brennt aus. Weil sich der Lehrer zumeist nach den schlechten Schülern richtet, sinkt das Niveau des Unterrichts.

Lernerfolg

Ein nachhaltiger Lernerfolg hängt von drei Bedingungen ab: dem Schüler-Lehrer-Verhältnis, der Motivation und der Ausdauer. Im Idealfall besteht zwischen Schüler und Lehrer eine vertrauensvolle, respektvolle Beziehung, die in großen Klassen nur schwer möglich ist. Gut ausgebildete Lehrer sollen Vorbilder sein und ihre Schüler für Lerninhalte begeistern, sie individuell fördern und sie ermutigen mit Fleiß und Ausdauer zu lernen. Dann wird sich auch eine entsprechend gute Leistung ergeben.

Neue Schule

Ein optimaler, individualisierter Unterricht ist nur in kleinen, homogenen Lerngruppen mit durchlässigen Übertritten möglich. Warum kann das nicht in einer gemeinsamen, differenzierten Schule aller 10- bis 15-Jährigen realisiert werden – zumal die AHS-Unterstufe in den Großstädten bereits eine undifferenzierte Gesamtschule ist, und die derzeitige NMS größtenteils ungenügende Ergebnisse liefert.

Mag. Herbert Paukert war AHS-Lehrer und verfasst gratis Lernmaterialien zum Download: "www.paukert.at"