Der erste Advent befeuert den Handel

© APA - Austria Presse Agentur

Leitartikel
11/28/2020

So still muss es auch wieder nicht sein

Dieser außergewöhnliche Advent 2020 lehrt uns, was das Leben wirklich lebenswert macht: das analoge Treffen

von Martina Salomon

Was haben wir in den vergangenen Jahren doch geklagt, dass die angeblich besinnlichste Zeit des Jahres leider die allerhektischste ist! Jetzt, am ersten Adventsonntag 2020, haben wir die Bescherung: So still war er noch nie, aber glücklich darüber ist fast niemand. Wer auf sich hält, verbucht jetzt vieles aus dem früheren Leben verächtlich in der Kategorie „brauch ma eh net“: den „Kauf- und Punschrausch“ oder „die Skigaudi um jeden Preis“. Sagt sich alles leicht, wenn man hauptberuflich Poet in Twitterhausen, aber nicht wirtschaftlich Betroffener ist. An diesen Branchen hängen zigtausend (Saison-)Arbeitsplätze und Einnahmen.

Theoretisch könnte uns diese Adventzeit lehren, was das Leben lebenswert macht. Nicht das kopflose Shoppinggedränge oder das picksüße Industrie-Gschlader vom Adventstandl, sondern ganz einfach analoge Treffen, egal wo. Großartig, dass wir mittlerweile alle (fast) unfallfrei in einer Videokonferenz parlieren können. Aber schon lange nicht mehr war einem so bewusst, wie wunderbar es ist, im Kaffeehaus, im Theater, am Sportplatz oder einfach mit Freunden/Familie zusammen sein zu können – wie wichtig das direkte Gespräch und auch eine Umarmung ist. Dass man in der Unterhaltung ein Gesicht nicht halb verdeckt sehen will, weil so viel an Emotion verloren geht. Dass es besser ist, sich aus seiner eigenen Filterblase hinauszubewegen, weil man sich sonst nur noch im Kreis dreht.

Natürlich sollte man sich auch Gedanken darüber machen, wie unsere moderne Lebensweise (zum Beispiel internationale Tierfarmen mit schrecklichen Bedingungen) Pandemien fördert. Sind Konsumenten nun eher bereit, nachhaltig einzukaufen? Schön wär’s. Die Online-Kaufhysterie rund um den „Black Friday“ beweist das Gegenteil.

Gleichzeitig müssen sich wohl alle eingestehen, dass in den vergangenen Monaten Fehler passiert sind. Vor allem die hohe Zahl an Toten in Pflege- und Altersheimen ist erschreckend. Es wirkt, als hätte man eine Zeit lang den schwedischen Weg nachvollzogen, ohne aus dessen Fehlern gelernt zu haben. Man hätte das Personal regelmäßig testen, Betagte damit rigoroser schützen müssen. Auch bei den kommenden Massentests fragt man sich etwas bang, warum neun Bundesländer neun verschiedene Vorgangsweisen wählen, und warum ausgerechnet die Millionenstadt Wien an nur drei Stationen Hunderttausende testen will. Hoffentlich gibt es dafür gute Gründe und keine neuen Infektionen. Und wer das Gedränge in manchem noch offenen Geschäft betrachtet, muss am Verstand der Leute zweifeln.

Zünden wir heute also die erste Kerze an und hoffen, dass das alles endlich vorbei ist und wir unser altes Leben wieder zurückbekommen. Aber mit dem Bewusstsein, dass man dafür dankbar sein und es nicht mehr gefährden sollte.

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