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Meinung
07/23/2021

Schulen und Corona: Wir haben die Schnauze voll

Wir Eltern haben im Vorjahr gelernt: Man kann sich auf nichts verlassen. Warum steuern wir schon wieder auf so einen Herbst zu?

von Philipp Wilhelmer

Eltern, die Bildungsminister Heinz Fassmann am Donnerstagabend in der "ZiB2" mit entspannter Stimme über "Testen, impfen, manchmal auch Maske tragen" reden hörten, wurden beim Zuschauen retraumatisiert. Das Chaos des Schulherbstes 2020 bedeutete nichts weniger als: Blindflug, Planungsunmöglichkeit, Dreifachbelastung, Burnoutgefahr für AlleinerzieherInnen und eine krasse Benachteiligung von Kindern aus sozial schwachen Schichten. Droht das jetzt ernsthaft wieder?

Implodiert

Wir haben alle das Schuljahr mit großem Knirschen hingebracht, manche Familien implodierten, alle Beteiligten leisteten Großartiges. Der Schulschluss war der Tag der Befreiung von der bleiernen Schwere: Die Infektionszahlen im Keller, die Ferien vor uns. Endlich gute Stimmung, endlich wieder Kräfte sammeln. Und die Kinder waren zurecht stolz.

Es ist klar, was jetzt kommt

Seit Mitte Juli ist klar, dass die Krise (einmal mehr) nicht ausgestanden ist. Die Inzidenzen wachsen munter weiter und die Impfskepsis (auch in pädagogischen Berufen) macht sich bemerkbar. Uns Eltern ist klar, was das bedeutet: Die Schulen werden einmal mehr der Hotspot für Infektionsgefahren in einer Altersgruppe, die nicht einmal die Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen. Der Bildungsminister hat unser Vertrauen im Vorjahr aufgebraucht.

"Testen, Impfen, manchmal Masken tragen". Ist das ein Witz? Die Regierung öffnet das Land, als wäre Corona abgeschafft, die Auswirkungen werden bei den Tests in den Schulen sichtbar. "Manchmal Masken" tragen? Wie wäre es, wenn wir das im Rest des Landes einhalten? Schon jetzt? Und mit welchem für Kinder zugelassenen Impfstoff werden wir sicherstellen, dass die Schulklassen kein Antikörper-Roulette werden?

Frauen zahlen drauf

Kurzer Faktencheck: Außerhalb der privilegierten Boboblase von Medien und Politikern geht die Kinderbetreuung mehrheitlich auf das Konto von Frauen. Selbst prominente Journalistinnen resignieren schon im Hochsommer vor dem Herbst. Susanne Mierau, deutsche Bestsellerautorin, schreibt auf Twitter: "In Anbetracht der steigenden Zahlen und den sich dem Ende nähernden Schulferien, habe ich gerade die zweite Anfrage für ein Buch abgesagt. Weil ich weiß, dass ich einen solchen Herbst/Winter nicht nochmal so durchziehen kann."

Erschütternde Antworten

Die zahlreichen Antworten unter dem Post sind erschütternd: Da werden Ausbildungen verschoben, sich in Elternzeit geflüchtet, Beförderungen werden nicht angetreten, das Ersparte weiter aufgebraucht. Die Unfähigkeit der Gesellschaft, die Pandemie für Familien erträglich zu managen, zeigt ihre Auswirkungen.

Wir haben die Schnauze voll.

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