WKO-Präsident Harald Mahrer (mit Ehefrau Andrea Samonigg-Mahrer) löste mit einem Gag in seiner Opernball-Loge Debatten aus.

© Kurier/Gilbert Novy

Pro & Contra
03/02/2020

Hat sich Mahrer am Opernball in die Nesseln gesetzt?

Zwei Gastbeiträge zum Kammer-Aufreger der vergangenen Tage: Ex-ÖVP-Politikerin Isabella Leeb und Unternehmer Kurt Mann.

Es hätte wohl ein launiger Gag für die "Seitenblicke" werden sollen, es wurde daraus ein PR-Debakel der Sonderklasse und das im Finale der Wirtschaftskammerwahlen: WKO-Präsident Harald Mahrer und sein Logengast, Ex-Banker Andreas Treichl, lachten drüber, dass man angesichts der am Tisch stehenden Mineralwasserflaschen sparsam mit den Mitgliedsbeiträgen umgehe und verwies unter anderem auf eine - nicht existente - Arbeiterkammerloge am Opernball. Wie ist das mit den Logen? Und: Wieso erregt das Thema die Gemüter so sehr? Zwei Gastbeiträge erläutern Pro (Mahrer hat sich in die Nesseln gesetzt) und Contra (eben nicht).

PRO: "Die Brezel fiel aus dem Mund"

"Es gibt Momente, in denen man entspannt vor dem Fernseher sitzt und einem vor Erstaunen über das soeben Gehörte und Gesehene das Salzbrezel aus dem Mund fällt.  Der Auftritt der Herren Mahrer und Treichl beim „Seitenblicke“-Interview am Opernball war weder lustig, noch humorvoll. Beide sind Spitzenfunktionäre und Medienprofis, beide Herren waren an diesem Abend total daneben.  Ebenso die Erklärung Mahrers in der „Pressestunde“, wer diese Art von Humor nicht verstehe, sei sinngemäß selbst schuld.

Gefragt, ob es denn gerechtfertigt sei, als Wirtschaftskammer (aus Mitgliedsbeiträgen) eine Loge auf dem Opernball zu erwerben, lautet meine Antwort uneingeschränkt: Ja! Lobbying für den Wirtschaftsstandort und die Österreichischen Unternehmen gehört unbestritten zu den Hauptaufgaben der obersten WKO-Repräsentanten.

Ebenso ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Wiener Staatsoper und Vertretern der Wirtschaft gerechtfertigt.  Die Oper löst ganzjährig eine wichtige und wertvolle Wertschöpfungskette aus. Vom Tourismus über Gastronomie, vom Handel bis zum Gewerbe. Eine Zusammenarbeit in Form eines Logenkaufes ist da nur logisch.

Wenn das geschieht, sollte man  aber ausländische Entscheidungsträger einladen, statt eine Funktionärs- und Freundesparty auf Regimentskosten zu feiern. Und vor allem wünsche ich mir einen Auftritt mit Anstand und Respekt. Dann bin ich als kleines Kammermitglied sogar bereit, die eine oder andere Flasche Champagner für die illustre Gesellschaft springen zu lassen."

Isabella Leeb Die ehemalige Wiener ÖVP-Gemeinderätin ist Baumeisterin und somit zahlendes Kammermitglied.

CONTRA: "Eine Loge dient Repräsentationszwecken"

"Ich  betrachte den Wiener Opernball, auf dem ich mir regelmäßig eine Loge miete, in meinem Fall als Privatveranstaltung. Es ist nicht steuerlich absetzbar, ich leiste mir den Ball also  genauso, wie ich das mit  einem Urlaub tue. Es ist für mich eine Freude, Partner und Freunde dazu einzuladen, weil es ein einmalig schönes Erlebnis in Österreich ist – eigentlich in Europa.

Meine Opernballgeschichte begann  vor rund  30 Jahren – ich habe jedes Jahr Gäste gehabt, die noch nie am Opernball waren und seitdem Logen haben. Dann pausierte ich – seit 5 Jahren bin ich wieder regelmäßiger. Jedes Jahr will ich aufhören und gehe trotzdem noch hin!

Im Falle Harald Mahrers als Präsident der Wirtschaftskammer Österreichs finde ich es gerechtfertigt,  diesen Ball zu besuchen. Eine Loge für die Wirtschaftskammer dient natürlich Repräsentationszwecken: An diesem Ball nehmen sehr viele große österreichische und internationale Unternehmen (Wirtschaftsbosse, Investoren) teil.

Mahrer hat dort gute Kontakte, mit denen er auf einer Veranstaltung netzwerken kann.  Es gibt selten Gelegenheit, an einem Ort an einem Abend so viele Beziehungen zu pflegen. Es ist für ihn – wie für viele andere – sicher kein reines Privatvergnügen.

Was mich viel mehr stört: Es ist leider  ein Problem unserer Zeit, dass bei vielen Themen nur mehr Hass regiert und gegeneinander argumentiert wird. Dass diese Kultur auch eine solche traditionsreiche Veranstaltung erreicht, ist bedauerlich."

Kurt Mann Der Autor ist Unternehmer (Bäckereikette „Der Mann“) und langjähriger begeisterter Opernballgast.